Realität ist unglaublich anstrengend, erklärbärende Sachlichkeit ermüdender als Benzodiazepin. Der Clou: Manche Botschaft lässt sich einwandfrei in Form einer fiktiven Geschichten verpacken…
Recht unerwartet kam ein heftiges Gewitter auf, als unsere Brigg über eines der Weltmeere schipperte. Ich sage ganz bewusst nicht ‚die sieben Weltmeere‘, denn es sind mindestens zwei Dutzend. Ja, ich bin auf so vielen Meeren unterwegs gewesen, ich glaube fast, es geht in den dreistelligen Bereich. Aber das sind die Thesen eines sonnenverbrannten Gehirns, dem meinigen, und sollte von Dir, geneigte Leserin, geneigter Leser, nicht allzu ernst genommen werden. Einigen wir uns auf fünfzehn Weltmeere. Und ein Glas Saft, das neben mir auf der Reling stand.
Nun kam also dieses Gewitter auf. Ich stand am Bug und blickte in die Ferne, dachte an meine Katze, die ich schweren Herzens zu Hause gelassen hatte, und rieb mir die lädierten Unterarme. Schnittverletzungen, meist drei oder vier nebeneinander zierten meine Haut. Wir waren seit zwei Tagen unterwegs und die Katze hatte mich an eben jenem Morgen vor zwei Tagen zum Abschied und voller Liebe so richtig durchgekratzt. Deshalb rieb ich mir die Arme, als die Wolken kamen.
Eine schwarze Wand, Watte des Todes, durchzuckt von gleißenden Blitzen, wirkte wie die Mikroskopansicht einer abgrundtief bösen Körperzelle. Sie grummelte vor sich hin, als dachte sie gerade an ihr letztes Opfer. Da dachte ich an unsere Brigg, sie schien dem drohenden Gewitter zwar ein kleiner, aber auch ein sicherer Fang zu sein. Vor dem inneren Auge sah ich diese schwarze Todeswatte Knäuel für Knäuel über unser zartgliedriges Wassergefährt rumpeln, sah die Brigg zerbrechen, sah mich selbst nach Jahresfrist als abgelutschtes Skelett irgendwo in der Tiefe, und kippte vor Schreck meinen Saft ins Meer.
Es war dann alles nicht so schlimm und wir überstanden das Gewitter gut. Nur der Kompass war uns über Bord gegangen. Und der schlotternde alte Mann, den wir am zweiten Tag als Schwarzfahrer von der Galionsfigur kratzen wollten, der sich dort aber mit einer Inbrunst festgeklammert hatte, so dass wir ihn schließlich akzeptierten, wo er war. Der Sturm hatte uns weit vom Kurs abgebracht, ohne Kompass jedoch wäre uns der Alte etwas wert gewesen, denn er hatte in einem lichten Moment behauptet, er könne Norden anhand der Sterne erkennen. Ich hielt diese Behauptung für Quatsch, aber der Mann war alt, wie gesagt, und wahrscheinlich ein wenig angekalkt. Und vielleicht hatte er doch Recht gehabt, aber das war jetzt egal. Nun fuhren wir so dahin, in der wagen Hoffnung eine uns bekannte Welle zu entdecken, an der wir uns sich orientieren konnten, einen Leuchtturm oder eine stark befahrene Seestrasse. Doch wir fanden nichts der gleichen – so ein Mist! Zu allem Überfluss ging nach zehn Tagen das Süßwasser zur neige. Die ersten Kämpfe um das kostbare Nass entbrannten, und so ging eines Nachts der Küchenjunge über Bord, am Morgen gar der Koch, am Mittag seine Frau, am Abend dann der erste Maat, die Nacht darauf der zweite und der dritte, und so weiter. Erst am vierzehnten Tag auf See, als unsere Brigg wohl etwas weniger Fahrt machte, holte das Glück uns wieder ein: Wir entdeckten eine Insel! Klein aber, wie wir Übriggebliebenen mutmaßten, unsere Rettung.
Die Segel wurden gesetzt und das Ruder eingestellt, so dass wir endlich, endlich, endlich, nach fünfzehn Tagen, die doch sehr ermüdend gewesen waren, wieder festen Boden unter den Füßen hatten. Für die Erbsenzähler: Wir hatten Sand unter den Füßen, den festen Boden erreichten wir nach grob geschätzten dreißig Schritt. Felsen und Gebüsch trennte das Landesinnere vom Strand. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf, je acht Personen, denn sechzehn waren von ehemals achtundzwanzig übrig geblieben.
Wie zu erwarten gehörte ich zur Expeditionscrew. Unsere Aufgabe war es, die Insel grob zu erkunden, jede nur auffindbare Zivilisation mit all ihren Lebensmitteln an den Strand zu locken und der Schiffscrew, die auf die Brigg acht geben sollte, nur mit froher Kunde wieder unter die tief geränderten Augen zu treten. Also stapften wir wie die Weltmeister durch Dschungel und Gebüsch, kletterten Felsen hinauf und kullerten kleine Hügel hinab, einen halben Tag lang. Dann erreichten wir eine geteerte Straße.
„Hey!“ rief ich vor Glück. „Wir sind gerettet!“
„Straßen kann man nicht trinken,“ kam prompt die Antwort aus dem Mund unseres Quotenpessimisten.
„Ja, ja, ja, ist schon gut.“ Ich versuchte einen spontanen Anfall an Gewaltbereitschaft einzudämmen, mit Erfolg. „Wir teilen uns auf. Vier gehen in die eine Richtung und vier gehen in die Andere. Du!“ Ich fixierte den Pessimisten. „Du gehst aus meiner Sicht in die andere Richtung, kapiert!?“
Hatte er. Als er sich wortlos umdrehte und losmarschierte, da fiel mir doch ein kleiner Stein vom Herzen und kullerte über den Asphalt in den Straßengraben, wo er es wahrscheinlich heute noch gemütlich hat.
Meine Gruppe lief und lief die schier endlose Straße entlang. Erst am späten Nachmittag erreichten wir eine kleine Siedlung, doch sie war unbewohnt. Die Türen der Häuser standen zum Teil offen und die Scheiben waren kaputt. Steppenhexe rollte über den Boden, was ich für dramaturgisch verständlich aber ziemlich überflüssig hielt. Schließlich waren wir in tropischen Gefilden und die Steppenhexe ist ein sowjetisches Gewächs, von Einwanderern nach Amerika gebracht. Doch hier? Seltsam.
Ich erwähne es schon jetzt, auch wenn es mir zu diesem Zeitpunkt nicht ins Auge gefallen war: Dieser Ort lag auf einer felsigen Anhöhe, eine Pferdedroschke wäre auf diesem Untergrund in tausend Teile zerbrochen, noch ehe sie vom einen Rand des Dorfes kommend, den anderen erreicht hätte. Nur deshalb war der Ort verwaist, aber dazu später mehr. Wir sammelten was wir gebrauchen konnten, Messer, Schalen, Felle und so weiter, und marschierten dem Sonnenuntergang entgegen. Als eben dieser zu Ende gegangen war, da standen wir recht dämlich da, denn keiner hatte daran gedacht, ein Feuerzeug oder Streichhölzer einzupacken, so dass wir – von elektrischem Strom rede ich erst gar nicht – alsbald im Stockdunkel am Straßenrand saßen und uns Witze erzählten.
„Kennste den: Kommt ’ne Frau beim Arzt, muhahahaha!“
„Sehr witzig, haha.“
„Tut mir Leid, erzähl dir halt deine eigenen Witze, wenn dir meine nicht gefallen.“
„Ne, ne, erzähl nur weiter. Ich will schlafen, dafür sind die gut geeignet.“
„Pisser!“
„Pass auf, ich hab ein Messer!“
„Komm halt, Pisser!“
„Mach ich gleich!“
Und so weiter, und so fort. Wir hatten uns schon bei den Tagen auf See nicht richtig lieb gewonnen, die Grabenkämpfe wurden hier an Land nahtlos fortgesetzt. Zum Glück bin ich geübt, war in meinem Leben schon mit vielen Reisegruppen unterwegs und weiß, dass man sich am besten raushält. Also rollte ich zur Seite und schlief ein. Wir alle vier müssen irgendwann eingeschlafen sein, und drei erwachten kurz nach Sonnenaufgang durch Gewehrsalven, die einmalig und bedrohlich in der Ferne donnerten. Der Witzeerzähler erwachte nicht, ihm steckte ein Messer im Hals.
Nun bin ich abgeschweift, ich muss mich entschuldigen, man hätte an eben jener Stelle beginnen können. Der Satz ‚Ich war mit einer sich selbst dezimierenden Meute auf See, wir kamen vom Kurs und landeten auf einer Insel‘ hätte als Einleitung völlig gereicht. Aber als Reisender hat man eben viel zu erzählen. Allein das Gewitter auf See wäre eine acht- bis vierzehnseitige Geschichte wert, vielleicht sogar ein Taschenbuch, aber man muss ja nicht mit allem was man erlebt hat unters Volk. So will ich nun ein paar Passagen überspringen, als roten Faden reiche ich Euch folgenden Satz: ‚Wir wurden von Gewehrsalven geweckt, denen wir folgten, was uns arme Sünder in die Gewalt einer Horde schießwütiger Rollstuhlfahrer trieb. Sofort wurden wir angekettet und hinter die Rollis gespannt, sehr erniedrigend, und von gelegentlichen Schubsern begleitet in eine etwas seltsame Stadt geschleift.‘ Okay, das waren jetzt zwei Sätze. Egal, weiter. In dieser Stadt schien jedes Haus nicht höher als sein Erdgeschoss zu sein, die Gegend war flach, die Straßen waren glatt geteert, es gab Rampen wo Treppen hätten sein müssen, Haltegriffe waren meist auf Brust- oder Schulterhöhe in sinnvollen und sinnentleerten Positionen angebracht. Die Bewohner waren allesamt Rollstuhlfahrer – unfassbar aber wahr! Wir staunten nicht schlecht, während man uns durch die Straßen trieb. Unter den Leuten kam schnell Volksfeststimmung auf, unsere feierliche Hinrichtung am Marterpfahl oder die Opferung an einen riesenhaften Rollstuhl-Gorilla schien weniger eine Frage der Zeit, denn Zeit ist etwas langes, episches, als eine Frage von Minuten zu sein. Doch ich täuschte mich und war dankbar dafür, denn man brachte uns an einen Schlafplatz – und am folgenden Morgen zum Kanzler. Im ersten Stock des einstöckigen Regierungsgebäudes, den wir über eine elend lange Rampe erreicht hatten, schleiften uns die Rollifahrer in ein großräumiges Büro. Rechts eine Fensterwand mit Blick über die Stadt, schließlich war das Regierungsgebäude genau ein Stockwerk höher als alle anderen, so dass die Aussicht mit dem Blick vom Eiffelturm vergleichbar war: Nichts als Dächer. Links im Raum ein breites, jedoch nicht allzu hohes Bücherregal, der Tür gegenüber stand ein Schreibtisch, und in der Mitte des Raumes ein an einen blutdurstigen Dobermann erinnernder Rollstuhl mit einem drahtigen Soldatentypen Mitte Vierzig darin. Der Kanzler. Er wirkte eher wie der Offizier einer paramilitärischen Reserve, in seinem mit Handgranaten, Messern und Pistolenhalftern ausgerüstetem Kriegsrollstuhl, in den er sich fläzte als gäbe es kein Morgen. Die Sonne schien seitlich ins Büro herein, der wolkenartige Rauch seiner Zigarre ballte sich tiefdunkelblau vor unseren Augen und erinnerte an das schicksalhafte Unwetter, wegen dem ich meinen Saft verschüttet hatte. Wir wurden an die Wand gekettet, dem Fenster gegenüber. Mir fröstelte. Dann sprach mich der Kanzler an.
(Ich muss hier lobend meinen raumfüllenden Charakter erwähnen: Wie schon hundert Mal auf meinen Reisen hielt man mich für wichtig, wie schon hundert Mal zuvor war ich der unwichtigste aller Beteiligten. Aber ich komme nicht drum herum, die Leute hielten mich schon immer für Professor, Doktor, Führer, Skipper, Kapitän, Minister, Kanzler, Papst und Kindergärtner in einer Person. Ich muss nur einen Raum betreten, schon hält man mir die Dokumente unter die Nase und drängt mich höflich sie zu unterzeichnen. Das tat ich übrigens eine ganze Weile gerne und belustigt, bis ich eines Tages, ohne es zu Wissen, einem spitzfindigen Herrn ein Dokument unterschrieb, worauf es vierzehn Millionen Tote gab, denn das Dokument war eine Kriegserklärung. Seitdem bin ich vorsichtig geworden.)
„Wo kommen Sie her?“ herrschte mich der Kanzler der Rollstuhlfahrergemeinde an.
„Von… ähhh… weit,“ konterte ich souverän und nahm ihm so den Wind aus den Segeln.
„Äh… und wo liegt das?“ Er rollte etwas verwirrt drei Zentimeter vor und wieder zurück. „Weit von hier?“
„Ja,“ sagte ich nach kurzem Zögern. „Wir sind gestern mit der Brigg gelandet. Nach einem schreckenerregendem Unwetter sind wir vom Kurs abgekommen und nach fünfzig Tagen Fahrt durch unbekannte Gewässer voller Strudel und Riffen und Ungeheuern an Ihrer schönen Insel gelandet.“ Hatte ich fünfzig gesagt? Egal, er staunte schließlich.
„Das ist wirklich sehr weit, junger Mann. Räusper! Das heißt, Sie kennen unsere Sitten nicht und sind deshalb so rückschrittlich unterwegs?“
„Rückschrittlich?“ fragte ich mit ehrlichem Interesse. Was sollte das nun heißen?
„Natürlich!“ Er lächelte. „Sie laufen ja auf zwei Beinen, mein Freund.“
„Ähhhh…“ Mehr fiel mir nicht ein. Doch nun beginnt, was ich erzählen wollte, nicht die meinige Geschichte von dem elendigen Brigggeschipper, nicht die der leidigen Beteiligten, sondern die seine. Der alte Rollsoldat rollte ans Fenster, schloss die Jalousien, rollte in eine angenehme Position in der Mitte seines Büros, schloss im Vorbeirollen die Tür mit Schwung, rutschte den Aschenbecher zurecht, blickte mich an, gluckste kurz und fragte: „Sie haben keine Ahnung, oder?“
„Ich denke nicht,“ war meine grundehrliche Antwort.
„Dann will ich’s Ihnen erzählen: Wir waren vor zwanzig Jahren eine kleine Gemeinde weit weg von hier. Wir lebten in einem demokratischen Land, besser als die Diktatur, keine Frage, doch auch diese Demokratie schien uns eine Farce zu sein, denn die Regierenden hielten sich, wie leider auf der ganzen Welt, für Herrscher über das Volk, für unantastbar und über jeden Zweifel erhaben. Oder zumindest die meisten Zweifel. Oder die Zweifel waren ihnen egal. Sie sonnten sich in Ruhm und Ehre und vergaßen darüber ihren eigentlichen Auftrag, die Verwaltung des Landes und unserer Gemeinde. Uns wurde es zu viel und so kamen wir hier her. Anarchie und Hippiedasein kam für uns nicht in Frage, also überlegten wir angestrengt, wie wir unser Problem lösen konnten. So wie die Demokraten unserer Heimat wollten wir ja nicht werden. Wir berieten und berieten und zehn Wochen und fünfhundert Schlägereien später fanden wir die Lösung! Der faktische Kanzler oder Präsident sollte mit dem Titel Allerniederste Wurst Des Volkes ausgestattet werden, so dass sich Ruhm und Ehre dieser Position nicht bemächtigen konnten. Es würden nur demütige und gerechte Leute einen wichtigen Posten bekleiden wollen, wenn dieser einen solchen Namen trug, dachten wir. Also jemand, der sich nicht seinem Ego zu Liebe daran bindet, sondern wegen der wichtigen Aufgabe. Das ging auch über ein Jahr gut, doch der Titel Allerniederste Wurst Des Volkes verlor mit der Zeit seinen essentiellen Beigeschmack, so dass wir bald wieder am Anfang standen. Wir berieten und berieten uns, es kam zu Prügeleien, doch wir fanden keine ordentliche Lösung. Manch einer schlug vor, den Titel auszubauen, zum Beispiel zu Allerniederste Stuhlgang Fressende Lepra-Wurst Mit Furunkel Am Arsch oder Lepra Ist Was Schönes Dagegen, Du Allerniederste Ziegenwurst Des Volkes und so weiter. Doch das wäre im besten Falle ein Aufschub unseres Problems gewesen, also gingen die Beratungen in die nächste und übernächste Runde. Die Regenzeit setzte ein und das Gremium verschanzte sich in einem flachen Gebäude mit Schindeldach. Als nach über einem Monat noch immer kein weißer Rauch zu sehen war, da wurden die Leute wütend. Sie begannen in ihrer Raserei das Schindeldach abzutragen, es regnete auf unsere Köpfe, es wurde richtig unangenehm, und irgend wer riss einen Witz über Rollstuhlfahrer. ‚Die hätten uns das Dach gelassen!‘ oder so ähnlich. Und das war es, das war die zündende Idee! Niemand – ich betone: niemand! – würde einen Posten nur aus Ehrsucht und Machtbewusstsein haben wollen, wenn man ihm dafür in den Rücken schoss und ihn so zum Rollstuhlfahrer machte. Nur wirklich demütige Menschen würden so weit gehen, da konnten wir sicher sein. Wer sein Rückgrat opfert, opfert sich auch für das Volk! Die Entscheidung war also gefallen, dank dem Regen und der Ungeduld der Menschen, für die wir ja eine Lösung suchten.“ Er atmete ein, er atmete aus. Zum ersten mal seit seiner Rede, wie mir schien. „So kam es bald zur Wahl, und tatsächlich gab es Kandidaten. Unser erster Kanzler, diesen Titel führten wir nun wieder ein, Gefahr bestand ja nicht, wurde schließlich Dieter Scheule. Nach einem halben Jahr war Dieter ein echter Profi-Rollstuhlfahrer, mit den mächtigsten Oberarmen, die man sich nur vorstellen kann. Und ein guter Kanzler. Freunde, es hatte also funktioniert!“
Das erklärte zwar, weshalb der Typ vor uns im Rolli saß, doch nicht die ganze Stadt. Im Geiste hatte ich die Insel längst ‚Insel der Rollstuhlfahrer‘ getauft und wunderte mich noch immer. Ich konnte mir eine spitze Bemerkung nicht verkneifen: „Also war hier jeder in der Stadt schon mal Kanzler, oder was?“
Der Typ war scheinbar fertig mit seiner Geschichte, und stolz darauf dazu, denn er reagierte erst, nachdem ich meine Frage ein drittes Mal an ihn gerichtet hatte. Und dann winkte er ab und murmelte etwas in seinen Kriegerbart, was in etwa folgendermaßen klang: „Nun… mmhmm… wir ham… hmmm… seit so’n paar Jahren die… hmmm… abso… ähhh… lute hmmm… Gleichbedings… ähhh… rechtigung, ja! Alle über achtzehn Jahre… hämmhmm… kommen innen Stuhl.“
Mir schauderte, ihm schien es höchstens unangenehm. Wahrscheinlich, weil der große Plan der demütigen Kanzlerschaft letztlich doch noch schief gegangen war.
„Ihr jetzt auch!“ schloss er sein Gemurmel.
Mir schauderte noch mehr. Er zückt eine Pistole und schoss dem links von mir durch den Bauch ins Rückgrat. Es knackste, er rutsche zu Boden, soweit die Ketten an der Wand es zuließen. Es knackste wieder. Dann der rechts von mir, das gleiche Spiel. Ein jämmerliches Geschrei erfüllte das Büro, Blut floss unter den zuckenden, sich windenden Körpern hervor und wärmte mir alsbald die nackten Füße. Nun war ich an der Reihe, der verrückte Kanzler zielte schon, wollte mich zu einem der ihren machen, mir die Möglichkeit der Gleichberechtigung offenbaren, die ich nicht wollte, jedoch…
Wie schon immer konnte ich entkommen, in einer waghalsigen Aktion, heldenhaft und todesmutig, irrwitzig und voller Sex and Crime. Doch damit will ich Dich nicht langweilen. Mach es also gut und – wenn Dir Deine Beine lieb sind – achte darauf, auf welcher verdammten Insel Du nach Wasser suchst.
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