Sport, Sex & Kaugummi – eine Theorie


Wir kennen es von uns selbst, wir kennen es vom Profisport: Das Kauen eines Kaugummis ist gerade unter Stress sehr nützlich. Zwei Vorteile bringt der klebrige Gummi mit sich. Er beruhigt die Nerven. Er hält das nötige Spannungslevel.

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Was steht dahinter?

Ganz einfach gesagt, ist es die orale Befriedigung. Es gibt beim Menschen (wie übrigens bei jedem Lebewesen) zwei Säulen, auf die alles weitere aufbaut:

  • die Selbsterhaltung
  • die Arterhaltung

Der Mensch ist ein komplexes Lebewesen und hat mit der Kunst, der Muße, dem systematischen Erschaffen und (leider auch) Zerstören einen reichhaltigen Garten auf diese Säulen gepflanzt. Unsere Grundlagen sind weiterhin die Selbsterhaltung (Überleben) und die Arterhaltung (Fortpflanzung) – beide sind interessanter Weise eng mit der oralen Befriedigung gekoppelt. Die Selbsterhaltung durch Nahrung (neben anderen Dingen wie körperliche Unversehrtheit, Temperatur, Lebenssinn) geht den oralen Weg. Wer sich drei oder vier Tage lang nichts in den Mund einflößt, der stirbt. So einfach ist das.

In Sachen Arterhaltung können wir es uns leicht machen und auf das Küssen verweisen. Ich will es ein bisschen schwerer machen und das Küssen auch erklären.

Zärtlichkeiten unter Erwachsenen kennen nur Lebewesen, die Brutpflege betreiben, ihren Nachwuchs also nicht einfach abwerfen, sondern die Brut auch pflegen. Zärtlichkeit wiederum ist ein Kernelement von Flirt und Sexualität. Die Verbindung Küssen-Zärtlichkeit-Sexualität ist übrigens folgendermaßen entstanden (vgl. Eibl-Eibesfeldt „Liebe & Hass“): Die Mutter füttert ihr Junges mit erbeuteter (z.B. Vogel mit Wurm) oder vorgekauter Nahrung. Dieser Prozess des Mund-zu-Mund-Fütterns hat in seiner liebevollen Zärtlichkeit das Küssen entstehen lassen. Wir vergessen ja zu gerne, dass die Sexualität durch die Liebe der Eltern geprägt wird: Die Art und Weise, in der jemand als Kind elterliche Zärtlichkeit erfährt entspricht der Art und Weise, wie sie oder er als Erwachsener den großen Rahmen Sex mit Zärtlichkeiten füllt (nicht eins-zu-eins, es gibt ja neben den Eltern auch das erweiterte Umfeld, die genetischen Vorgaben und die individuelle Selbstregulation). So weit, so erschreckend.

Zurück zur oralen Komponente. Wir sehen nun, dass sowohl die Selbsterhaltung, als auch die Arterhaltung durch orale Reize (Kauen, Lutschen) positiv getriggert werden kann:

  • „Ja fein, ich habe Nahrung im Mund!“
  • „Ja herrlich, ich werde geküsst – und kann mich gleich noch fortpflanzen!“

Dass der bunte Garten des Seins, den uns die Evolution auf diesen beiden Säulen bereit gestellt hat, sehr feinsinnige Nuancierungen zulässt, das weiß jeder für sich und muss hier nicht extra erörtert werden. Wichtig bleibt für uns der Kaugummi – die orale Befriedigung.

Der Sportler

Jeder Sportler hat ein grundsätzliches Problem, dem manche eben recht erfolgreich mit dem Kaugummi begegnen: Das Spannungslevel. Zu wenig Spannung (mental und körperlich) senkt die Leistung deutlich ab. Zu viel Spannung senkt die Leistung zwar nicht im gleichen Sinne, lässt Körper und Geist jedoch „drüber“ gehen, was zu einer erhöhten Fehlerhaftigkeit führt (Krampf, Fahrigkeit). Nun muss sich ein Sportler also einerseits anspannen, andererseits aber auch entspannen, um sein ideales Spannungslevel zu erreichen. (Zudem ist dabei nicht zu vergessen, dass das ideale Spannungslevel zu Beginn eines Marathons ein ganz anderes ist, als auf den letzten Kilometern, was für uns jedoch nebensächlich ist.)

Auf etwas herum zu kauen gibt dem Gehirn die Botschaft: „Alles gut, die Nahrung ist da.“ Das ist gerade beim Kaugummi sehr praktisch, denn man muss in nicht schlucken, sondern kann nahezu ewig (z.B. eine Halbzeit lang) an ihm kauen. Und durch die Süße und Aromen wird auch den Geschmacksnerven permanent suggeriert: „Schön, da strömen Nährstoffe.“ Beim Essen geht der Fokus auf den Teller, wenn der Bissen herunter geschluckt ist. (Der Teller kann übrigens auch das frisch geschlachtete Mammut oder der Apfel am Baum sein.) Diese Ablenkung kann sich ein Sportler nicht leisten – der Kaugummi braucht diese Ablenkung nicht, denn er liegt ja dauerhaft im Mund bereit.

Nebenbei weiß jeder, der schon mal einen Kaugummi im Mund hatte, dass der eigentlich Kau- & Lutschgummi heißen müsste. Und wenn wir beim Lutschen sind, dann sind wir schnell wieder bei der oralen Befriedigung im sexuellen Sinne. Es ist eben sehr lustvoll, an etwas zu lutschen – seien es die äußeren Schamlippen der Partnerin, sei es der Strohhalm im Caipi, sei es ein Eiswürfel im Sommer. Oder eben ein Kaugummi. Gerade beim Lutschen sind sich die Befriedigung durch Nahrungszufuhr (Nippel beim Stillen) und die sexuelle Befriedigung (Nippel beim erotischen Spiel) sehr, sehr nahe. Und das ist eine Situation, für einen Sportler wie gemalt:

  • Auf der einen Seite das beruhigende Gefühl der sicheren Nahrungsquelle. Geist und Körper dürfen entspannen >> der Kaugummi beruhigt die Nerven.
  • Auf der anderen Seite der sexuelle Trigger. Der Körper ist im Lustmodus und seine Anspannung ist kraftvoll, nicht krampfig >> der Kaugummi hält das nötige Spannungslevel.

Abschluss

Sicherlich ist ein Kaugummi nur ein Kaugummi. Er ist weder ein fruchtiger Pfirsich, noch das pulsierende Genital des Sexualpartners. Und er ist sicher nicht das wichtigste Tool im Leben eines Sportlers. Und trotzdem: Eine genauere Betrachtung wert ist er allemal.

Und da meine heiße Knutschpartnerin gerade nicht bei mir ist, greife ich nun zum Ersatz: Dem Kaugummi…

 

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Bielefeld gibt es nicht – der Beweis!


Die angebliche Stadt Bielefeld leidet seit Jahrzehnten unter der Theorie, dass es sie gar nicht gibt. Um diesem Leid endgültig ein Ende zu setzen, hat dieses angebliche Bielefeld nun eine Millionen Euro Preisgeld dafür ausgesetzt, den Beweis für seine Nichtexistenz anzutreten: bielefeldmillion.de. Eigentlich, um das Gerücht endgültig zu beenden. Doch da hat Bielefeld nicht mit der Wissenschaft gerechnet.

Wahrnehmung

Beginnen wir mit der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung einer Sache – ob individuell oder kollektiv – ist kein Beweis für deren Existenz. Das individuelle Beispiel wären hier die berühmten Stimmen im Kopf. Als kollektives Beispiel seien die angeblichen Frequenzen genannt, mit denen „das Volk“ dumm und hörig gehalten wird (HAARP etc.). Es gibt sehr viele Menschen, die felsenfest behaupten, diese Dinge wahrzunehmen. Und das tun sie auch – obwohl weder die Stimmen, noch HAARP etc. nicht wirklich existieren. Um ein Jahrtausende altes Beispiel aufzugreifen, welches permanent individuell wahrgenommen wurde und wird: Die Heiligenerscheinung. Dass also etliche Millionen Menschen Bielefeld wahrgenommen haben, sagt erstmal nichts über die Existenz von Bielefeld aus. Das (etwas vereinfachte) Stichwort ist: Halluzination.

Wie aber funktioniert die Menschliche Wahrnehmung? Hierzu eine Skizze aus Hoymar v. Ditfurth „Der Geist fiel nicht vom Himmel“ (übrigens ein sehr empfehlenswertes Buch):

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Die Wahrnehmung beginnt bei den Sinnesorganen (Sehen, Schmecken, Hören, Fühlen, Riechen), wobei sich diese Sinnesorgane noch in die Nahsinne (Schmecken, Fühlen – direkter Kontakt zum Organismus) und die Fernsinne (Sehen, Hören, Riechen – kein direkter Kontakt zum Organismus) unterteilen. Doch das nur am Rande.

Die von unten nach oben strebenden Pfeile in  obiger Skizze zeigen die Nervenbahnen an, die zum Zwischenhirn führen. Übrigens führen alle Nervenbahnen (der Sinne) erstmal über das Zwischenhirn, von welchem aus die Signale dann an die Großhirnrinde verteilt werden. Wir sehen also: Alle einkommenden Signale der Sinne (Sinneswahrnehmung entsteht später in der Großhirnrinde) fließen dem Zwischenhirn zu. (Direkte Körperreflexe wie die Irisblende sind hier außen vor, sie funktionieren autonom und landen erst gar nicht im vegetativen Nervensystem. Für unsere Beweisführung der Nichtexistenz von Bielefeld spielen die Reflexe jedoch keine Rolle.) Was aber passiert nun im Zwischenhirn?

Wie es in der Grafik anschaulich dargestellt ist, werden die eingehenden Signale möglichst konzentriert. Bis zur Zwischenhirnebene gilt die Regel „So wenig Außenwelt wie möglich“ (vgl. Ditfurth) – die Konzentration der Signale geht daher mit einer Reduktion der einkommenden Signale einher. Im Zwischenhirn sitzen nämlich die automatisierten, angeborenen Reflexe, die unabhängig von der Individualität des Einzelwesens in der ganzen Art zu finden sind. Aus sehr einleuchtenden Gründen macht es wenig Sinn, das Reflexsystem Zwischenhirn mit einem Berg an Signalen zu fluten. Hier bleiben einzig die Signale hängen, die für das Auslösen des Reflexes nötig sind (z.B. die Form des Raubvogels [kurzer Hals, langer Körper] im Vergleich mit dem „friedfertigen“ Vogel [langer Hals, kurzer Körper]) – alles andere fällt unter den Tisch.

Nun sehen wir in der Skizze sehr schön, was anschließend mit den Signalen geschieht, wenn sie das Zwischenhirn passieren: Sie fächern sich auf, die Reduktion kehrt sich quasi um. In der Hirnrinde gilt das Prinzip „So wenig Außenwelt wie möglich“ nicht mehr. Einfach gesprochen ist die Hirnrinde eine leere Tafel, auf der sich die Welt abbildet. Doch wie soll das gehen, mit all diesen reichhaltigen Wahrnehmungen, wenn die Signale doch vorher durch das Nadelöhr des Zwischenhirns gepresst wurden? Die Antwort ist: Emergenz.

Emergenz (= ein System erzeugt mehr als aus seinen Einzelteilen möglich) kann hier – auch das wieder etwas vereinfacht gesagt – mit Halluzination gleichgesetzt werden. Dies erkläre ich Euch armen „Bielefeldern“ nun am Beispiel der Farbe Blau:

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Die sogenannte Farbe Blau ist in Wirklichkeit eine Lichtwelle (also bewegte Teilchen) im Spektrum zwischen ca. 430 und 500 Nanometern. Bewegte Teilchen (hier: Photonen) sind aber keine Farbe, sondern nichts anderes als bewegte Teilchen. Diese Teilchen – bzw. die aus ihnen entstandene Welle (also ein System aus sich voneinander abhängig bewegenden Teilchen) – trifft auf unsere Netzhaut und reizt die entsprechenden Zäpfchen. Einfach gesagt: Da steigt etwas in unser Auge und wackelt an bestimmten Stellen. Das ist also eine Bewegung und keine Farbe. (Das Wort „Sinnesreiz“ trifft den Nagel auf den Kopf: Der Sinn wird durch etwas Äußeres gereizt.)

Nun ist unser Gehirn ein wahres Wunder der Erzeugung von Halluzinationen. Allein dieses „Wackeln am Zäpfchen“ erzeugt in unserer Wahrnehmung etwas – einen optischen Eindruck – für dessen halluzinatorische Wahrnehmung (wir erinnern uns: Blau ist keine Farbe, sondern eine Wellenbewegung) wir uns das Wort „Blau“ ausgedacht haben. Blau ist eben nicht die Realität, die reizende Welle, Blau ist das, was unser Gehirn aus diesem Reiz macht. Genau genommen – und damit faktisch richtig – existiert Blau also nur als Halluzination in unserem Gehirn, ausgelöst durch einen physischen Reiz. So ist es mit jeder Farbe. So ist es auch mit Tönen, Geschmäckern, Düften und Berührungen. Es existiert ein Reiz, der völlig anders ist als das, was unsere Großhirnrinde daraus macht. Sie muss ja auch halluzinieren, die Sinnesreize geben diese Vielfalt gar nicht her.

Das, was wir „Bielefeld“ nennen, ist eine Kombination aus verschiedenen Signalgebern:

  • die Hauswand, die ich spüre, wenn ich beim Rathaus die Eingangstüre verfehle (Reiz des Fühlens)
  • die dominante Farbe, die ich sehe, wenn Fabian Klos sein Trikot präsentiert (Reiz des Sehens)
  • der Rosenduft im Rosengarten (Reiz des Riechens)
  • das Geräusch der Autos auf den Straßen (Reiz des Hörens)
  • der Geschmack des Teutoburger Wildsaubratens (Reiz des Schmeckens)

Wie wir schon gesehen haben, sind die einzelnen bewussten Sinneswahrnehmungen – also das, was wir so großspurig „existente Realität“ nennen würden – ein halluzinatorisches Potpourri. Und was entsteht, wenn ich die angebliche Stadt „Bielefeld“ mit allen Sinnen wahrnehme? Natürlich eine Potenzierung der Halluzination – denn je mehr Halluzinationen sich zu einem „Bild“ zusammensetzen, desto halluzinatorischer (also weiter Abseits der realen Entsprechung) ist dieses Bild. Existenz (die Grundfrage ist ja „Existiert Bielefeld?“) ist aber genau diese reale Entsprechung, nicht das bunte Abbild davon, das uns unsere Wahrnehmung vorgaukelt.

Das Wort „Blau“ beschreibt etwas, das in der Welt nicht existiert. Es beschreibt keinen Teil dieser Welt, sondern einen Teil unseres Inneren Abdrucks dieser Welt. Wie schon erwähnt führt dies zu einem einzigen logischen Schluss: Blau existiert nicht. Das zugehörige Wort macht nur deshalb Sinn (und nur in unserem begrenzten menschlichen Wahrnehmungs-Kosmos), weil wir uns in dieser Welt, die wir nicht wirklich wahrnehmen, dadurch irgendwie zurecht finden können. Wir tapsen wie die Blinden durch eine Welt, von der wir irrtümlich glauben, dass wir sie sehen können.

Und so ist es mit dem Wort „Bielefeld“ ebenfalls. Es ist zwar ein praktisch nutzbares Tool, entspricht aber nicht der Realität. Es existiert in der Region, die wir der Einfachheit halber „Bielefeld“ nennen, eine Mischung aus Reizgebern für unsere Sinne, die wir (wiederum der Einfachheit halber) unter einen Deckel setzen: Wir nennen das Innere Abbild dieser Reizgeber eben „Bielefeld“. Bielefeld besteht in unserer begrenzten, halluzinatorischen Wahrnehmung. Doch schaut man aus der Objektive, bleibt nur ein logischer Schluss: Bielefeld existiert nicht!

Warum sehen wir Menschen aber diese „Illusionen“ so ähnlich? Warum sieht das nicht jeder Mensch anders? Warum ist Bielefeld auch für einen Münchner Bielefeld und nicht etwa Schondorf am Ammersee? Zuerst einmal sieht tatsächlich jeder Mensch die Welt anders (das gilt auch fürs Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen) – nur eben nicht drastisch, sondern in Nuancen. Und dass es nur Nuancen sind, liegt an einem einfachen Sachverhalt: Wir sind eine biologische Art. Und da wir eine Art sind, sind die artspezifischen Vorbedingungen (beim gesunden Individuum) eben gleich: Zwei Arme, ein Kopf, menschenspezifische Sinneswahrnehmung.

Grenzen

Doch es gibt eine weitere Denkrichtung, welche die Existenz Bielefelds offensichtlich negiert. Vergiss also alles, was mit den Sinnen zu tun hat. Geh eine Rauchen oder eine Katze streicheln. Komme wieder und folge dem weiteren Beweis:

So irreal wie die Farbe Blau ist auch die Grenze eines Stadtgebietes. Und ohne eine Grenze gibt es eben kein Stadtgebiet. Die Grenze besteht auf der Landkarte – im Gegensatz zur menschlichen Haut, die diesen Organismus namens „Mensch“ auch ganz faktisch von seiner Außenwelt abgrenzt. Also ist die Haut eine real existierende Grenze. Doch würde ich – abgesehen von Straßen mit Ortsschild – die Grenze der Stadt überhaupt nicht wahrnehmen, wenn ich es zum Beispiel über eine Wiese verlasse. Ein Huhn nimmt diese Grenzen sowieso nicht wahr. Hierzu wiederum eine erklärende Metapher aus meinen persönlichen Werkzeugkoffer (dwm-coachings.de):

Die Ratio, das Ordnen und Sortieren der Welt (z.B. „Bielefeld geht bis hierhin und nicht weiter“) ist ein sehr nützliches Tool: eine Landkarte. Ich kann mit dieser Landkarte Entfernungen messen und so weiter. Doch das Leben spielt sich nicht in der Ratio ab, sondern im „irrationalen Bereich“: Gefühle, Instinkte, Wahrnehmung. Wenn ich Lust auf einen Apfel habe und auf meiner Landkarte eine Streuobstwiese verzeichnet ist, kann ich noch so oft in meine Landkarte beißen… ich werde keinen Apfel im Mund spüren. Die Landkarte bildet also – hierin verwandt mit der bewussten Wahrnehmung – die wirkliche Welt ab. Doch sie ist nicht die wirkliche Welt. Wer würde auch ernsthaft behaupten, die Verzeichnung des Crüwellhauses auf der Landkarte ist das Crüwellhaus?

So müsste Bielefeld schon physische Grenzen haben, um auch in der Wirklichkeit ein abgegrenztes „Ding“ zu sein. So ähnlich, wie ein Mensch eine Haut hat und sich damit tatsächlich zum eigenen Bereich innerhalb der Welt abgrenzt. Ein zweidimensionaler Ring, wie es die Stadtgrenzen von Bielefeld darstellen (okay, nicht wirklich ringförmig, aber das tut nichts zur Sache), ist keine Abgrenzung zur Welt. Selbst, wenn diese angebliche Grenze aus einer tatsächlich vorhandenen Mauer bestehen würde – was sie ja nicht mal tut. Ganz einfach gedacht, vom Mittelkreis der Bielefelder Alm aus:

  • wie hoch muss ich fliegen, um Bielefeld zu verlassen?
  • wie tief muss ich graben, um Bielefeld zu verlassen?

Und schon sehen wir sehr einfach und klar: Die Stadtgrenzen sind ein theoretisches Konstrukt. Doch bei der Frage nach der Existenz von Bielefeld geht es nicht um das theoretische Konstrukt auf der Landkarte, sondern um ein tatsächliches physisches Existieren (noch einmal sei daran erinnert, die Frage ist: „Existiert Bielefeld?“). Und zuerst einmal stehen wir hier schon wieder dem obigen Problem der Wahrnehmung unlösbar gegenüber. Und des Weiteren existiert keine Grenze, die dieses angebliche „Bielefeld“ gegen den Rest der Welt abgrenzt. Bielefeld hat keine Haut, da kann ich auf die Landkarte malen, was ich will.

Daher lässt sich auch hier nur ein einziger logischer Schluss finden: Bielefeld mag eine (nützliche) theoretische Abstraktion sein. Doch faktisch existiert es nicht. Diese Ansammlung an Häusern, Straßen, Parks und Arminia-Flaggen (die so ja in unserem begrenzten Wahrnehmungs-Kosmos existieren) ergeben eben nicht ein Ganzes. Dieses Ganze ist ein künstliches, theoretisches Konstrukt namens „Bielefeld“. Doch die ausgeschriebene Frage ist die nach der tatsächlichen, objektiven Existenz.

Zwei Gedankenexperimente

Graben wir einen halben Meter unter dem tiefsten Stück Fundament die ganze (angebliche) Stadt aus und zerbröseln all dies, was wir ausgegraben haben, in der Sonne. Ist Bielefeld dann noch existent, nachdem man dort alle Straßen und Häuser entfernt hat? Ist diese Frage überhaupt ganz klar mit „Ja, aber kaputt“ oder „Nein“ zu beantworten? Das ist sie nicht.

Das zweite Gedankenspiel macht es noch viel greifbarer: Benennen wir die Stadt „Bielefeld“ um. Ab dem 03. Mai 2055 heißt Bielefeld nun „Teutowiese“. Damit existiert Bielefeld nicht mehr und wird ein Teil der Vergangenheit. Was ab diesem Datum „existiert“ (wiederum nur in unserer begrenzten menschlichen Wahrnehmung) ist „Teutowiese“. Eine Existenz durch einen Eintrag im Namensregister ändern zu können, ist gleichbedeutend mit: Es hat nie existiert. Nur eine Idee davon, aber die ist ja nicht das Thema der Bielefeldmillion.

Bielefeld ist eine theoretische Konstruktion und nicht das faktische Vorhandensein von Zivilisation auf einem Landstrich. Ja, diese Zivilisation ist da, doch sie ist (wie wir nun wissen) nicht gleichzusetzen mit „Bielefeld“. Und da diese physische Präsenz, die in unserem Gedankenspiel in der Sonne zerbröselt oder in „Teutowiese“ umbenannt wird, nicht mit Bielefeld (einer Abstraktion dieser Präsenz) gleichzusetzen ist, kann diese Frage auch nicht eindeutig beantwortet werden: Existiert Bielefeld nach seiner solaren Zerbröselung oder Umbenennung noch als Bielefeld? Machen Sie den Test in der Kantine… Sie werden sehen, die Meinungen werden auseinander gehen und es wird zu keinem Konsens kommen.

Und dazu kommt noch die nicht vorhandene reale Abgrenzung von Bielefeld zum Rest der Welt. Es sind fließende Übergänge, die kartographischen Grenzen sind nur eine abstrakte Vereinfachung der Realität. Und diese Realität nehmen wir nicht einmal so wahr, wie sie wirklich ist. Bielefeld existiert? Da kann ich nur lachen: „Hahahahaha!“

Andere Städte

Dass diese schlüssige und nachprüfbare Argumentation auch auf jede beliebige „Stadt“ in unserer schönen Welt anwendbar ist, ändert rein gar nichts an der Anwendbarkeit auf Bielefeld. Ganz im Gegenteil wird die Argumentation durch ihre allgemeine Anwendbarkeit sogar gestützt.

Zuletzt

Bielefeld existiert nicht. Was hiermit hinlänglich bewiesen wurde.

Danke für die Millionen. Ich tausche sie ein gegen 750.000€ und eine Jahreskarte im VIP-Bereich der Arminia. Man will ja nicht zu gierig sein.

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GFF – Großeltern For Future!


Teilen wir die Welt in drei Gruppen auf, so haben zwei davon nicht mehr viel Zeit: Die Großeltern, weil ihre Uhr tickt. Die Jugend, weil die Uhr ihres Planeten tickt. Es ist die Uhr der Enkelkinder. Und da ein gemeinsamer Feind (die heutige Erwachsenen-Generation) vereint, ist dies ein Aufruf an alle Großeltern dieser Welt!

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„Großeltern (engl.: Grandparents) – Ihr erinnert Euch an diesen magischen Moment, als Ihr das erste Mal Euren Enkel in den Armen halten durftet? Ein neues Leben. Ein Wunder! Doch Eure Kinder rauben diesen kleinen Würmchen ihre Welt, vergiften sie, verbrennen ihre Wälder, überziehen sie mit Angst und Hoffnungslosigkeit. Ob mit rücksichtsloser Absicht, oder aus blinder Ahnungslosigkeit – Eurem Enkel ist das herzlich wurst. Euren Kindern ist es wurst. Und Euch?

Seid nicht wütend auf Eure dummen Kinder. Seid nicht wütend, denn Wut und Tadel haben noch keinen einzigen Baum in dieser Welt gepflanzt. Oder seid wütend. Denn Wut, wenn sie berechtigt ist, ist eine mächtige Energie. Steht also auf und kämpft. Kämpft vereint für eine Welt, in der Eure Enkelkinder leben können! Sollen sie nicht selbst einmal ein Enkelkind in ihren Armen halten, im kühlenden Schatten eines Baumes?

Doch der Gegner ist stark und rücksichtslos. Die Gier, der Mammon, die elende Gewinnmaximierung. Euch treibt dieser Gegner in die Armut und die Einsamkeit – einige wenige macht er reich. Und doch wird es Euren Enkelkindern noch viel schlimmer ergehen. Denn dieser Gegner, diese selbstgerechte Unmenschlichkeit der heutigen Wirtschaft – mehr! mehr! mehr! – hat Euch das Glück geraubt. Euren Kindern raubt sie den Planeten. Und wenn ich in der Schule aufgepasst habe, dann stimmt es wirklich: Wir haben nur diesen einen Planeten. Dieses einzige Geschenk.

Wollen wir einmal ehrlich sein. Ist es wirklich der Sinn des Daseins, zwischen Frühstücksfernsehen und Kaffeklatsch auf das unvermeidliche Ende zu warten? Ist es wirklich ein guter Ausklang eines langen Lebens, in der Bunte die Wäsche fremder Menschen durchzublättern? Leblos den Herbst des Lebens vorbei ziehen zu lassen – wie totes Laub im Wind? Ist es der Sinn des Lebens, einer Welt beim Sterben zuzusehen?

Es sind Eure Jahre. Es ist Eure Entscheidung. Es ist die Zukunft Eurer Enkelkinder. Also steht auf! Vernetzt Euch! Steht Euren Enkelkindern bei!

Es ist nicht mehr viel Zeit…“

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Über das Loslassen


Raffen, halten, Stabilität sind grundlegende Tugenden in unserer kapitalistischen Welt. Gewinnmaximierung als Leitbild: „Was ich habe, das behalte ich.“ So wird es schwierig mit dem Loslassen. Überhaupt: Ist Loslassen nicht irgendwie 19. Jahrhundert?

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Loslassen… wozu?

Zweckdienlich ist das Halten in der äußeren Welt. Arbeiten, um das Einkommen zu halten, macht ebenso Sinn, wie das Kind beim Überqueren einer Kreuzung an der Hand zu halten. Halten – ob bewusst oder unbewusst – ist ein aktiver Prozess. Und wie es aktive Prozesse so an sich haben, dient dieser Prozess einem vorher definierten Ziel: Erhalt des Einkommens, Erhalt des Kinderlebens. Und genau hier unterscheiden sich Halten und Loslassen sehr deutlich.

Das Halten dient einem Ziel. Es ist also möglichst darauf ausgerichtet, keine Überraschungen zuzulassen. Halten ist starr. Durch die Fixierung auf das Ziel werden mögliche Alternativen ausgeschlossen. Im Falle der Eltern, die das Kind sicher über die Kreuzung geleiten möchten, ist dieses Ziel sehr viel wert und das Halten (der Kinderhand) der richtige Weg. Doch leider ist das Halten in unserer Gesellschaft weit über das gesunde Maß hinaus pervertiert (Raffgier, Egoismus, Dogma). Schon einem Fremden die Antwort auf eine unverhoffte Frage zu geben („Wo geht es denn zum Theater?“), fällt vielen Leuten schwer. Geben ist seliger als nehmen: Auf die heutige Zeit kaum anwendbar. Denn: Nehmen ist erfolgreicher denn geben.

Es gibt einen Menschen, der mit 100-prozentiger Sicherheit ein Leben lang bei Dir ist: Du selbst. Willst Du diesen Menschen kennen lernen, so lerne, in ihn einzutauchen. Und dafür ist das Loslassen eine Grundkompetenz.

Wir sind es gewohnt, unser Selbstbild an äußerlichen Dingen festzumachen, zu halten: Status, Schönheit, Likes, Erfolg. Donald Trump hält sich für einen „großen Mann“, weil er äußerlich erfolgreich ist. Doch wer steckt hinter der Fassade? Wer ist diese sogenannte Tiefenperson, wenn die Rationale Person zur Seite tritt? Um diese Person kennen zu lernen – im Grunde Dich selbst – so ist ein erster Schritt, von den Äußerlichkeiten los zu lassen. Bettler oder Kaiserin? Es ist egal. Das Loslassen der Fassade führt dich automatisch zu dir selbst.

Loslassen – aber wie?

Festhalten ist Energieaufwand. Loslassen bedeutet, diese Energie frei zu geben. Hier ein einfaches Beispiel:

Du sitzt in einem Boot auf dem Meer, die Wellen streichen unter dem Boot entlang. Leichtes, angenehmes Schaukeln. In Deiner Hand liegt ein schwerer Stein. Du hältst ihn, deine Hand ist fest um den Stein geschlossen. Nun streckst Du Deine Hand über den Rand des Bootes hinaus. Die Hand mit dem Stein schwebt über dem Wasser. Muskelkraft hält den Stein. Wie genau schaffst Du es nun, den Stein im Meer zu versenken?

Durch Loslassen entlässt Du die Energie (die Muskelkraft, die den Stein hält) aus Deiner Hand. Du löst den unbewussten Prozess des Haltens, indem Du Dir den dahinter steckenden Energieaufwand ins Bewusstsein rufst. Dann lässt Du nicht den Stein los, sondern die Muskelkraft in Deiner Hand. Ganz automatisch, gezogen von der Schwerkraft, entgleitet der Stein und sinkt ins Meer. Dieser Stein könnte eine Last sein: Eine alte Beziehung, an der Du festhältst, ein unsinniges Dogma, ein Verhalten, das längst nicht mehr nützlich ist. Festhalten kostet Energie (z.B. die Arbeitszeit, um das Einkommen festzuhalten), egal ob wir im Guten oder im Schlechten an Menschen oder Dingen festhalten.

Loslassen gibt Energie frei. Loslassen (in der Regel von rational durchdachten Dingen) gibt den Instinkten und der Intuition mehr Freiraum. Ein Freiraum, der in unserer Welt sowieso schon viel zu eng gefasst ist: Die Freiheit der Tiefenperson.

Mein letzter Gedanke

Und das führt mich zu folgendem Gedanken: Wie oft steht der zwanghafte Erwachsene dem Kind gegenüber und ist traurig darüber, diese kindliche Freiheit verloren zu haben. Nur der Dumme sagt dazu: „Na, Kinder müssen halt nicht so viel.“ So ein Quatsch. Kinder müssen ins Bett, wenn es die Eltern bestimmen, Kinder müssen sich anziehen, was ihnen die Erwachsenen kaufen, Kindern wird die Schule vorgeschrieben, Kinder können sich kein Sabbatical nehmen. Und so weiter, und so fort. Die Freiheit des Kindes liegt nicht in den Lebensumständen, sondern im Umgang mit diesen: Eine Haltung, die wenig vordefinierte Ziele beinhaltet. Sondern loslässt vom scheinbaren Zwang. Und was kommt dabei heraus? Reines, spürbares Leben.

Einen tiefen Zugang zu Deinen kindliche Anteilen findest Du in meinem Herbstprogramm 2019: dwm-coachings.de/events

Dein nächster Gedanke

Auch Du hältst unnötigerweise an der ein oder anderen Sache, an dem ein oder anderen Gedanken, an dem ein oder anderen Menschen fest. Geh in Dich…

Kleine Helferlein

Humor: Das Loslassen von Logik, Vernunft und Ernsthaftigkeit.

Fokussierung / Konzentration: Das Loslassen von vielen Sinnes-Eindrücken (Umgebung) zugunsten eines Fokus (z.B. Kerzenflamme, Punkt an der Wand).

Anspannung: Bewusstes Anspannen erleichtert das bewusste Loslassen (Anlauf nehmen).

Wahrnehmen: Entweder werten wir die Welt (festhalten an inneren Vorstellungen) oder wir nehmen die Welt war (loslassen der inneren Vorstellungen).

Verzicht: Der bewusste Verzicht ist eine ideale Übung für die Fähigkeit loszulassen.

Zen: Im Zen-Buddhismus ist das Loslassen ein Kernelement und daher dementsprechend tief verstanden.

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Sprechen über Zen – es geht, was nicht geht! – und die Geschichte vom Mädchen, das einen Apfel essen wollte


Zen-Buddhismus bietet nichts – und alles. Ihn als Religion zu beschreiben ist schon zu viel hinein gelegt, denn es wird nichts angebetet (auch nicht die eigene Seele), es gibt keinen Mythos und keine starren Regeln orthodoxer Religionsformen. Zen wirft dich zurück auf dich selbst. Alles und nichts. Und es heißt, es wäre schon ein Paradoxon, über Zen zu sprechen.

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Denn Zen ist nicht rational, sondern führt in (oder ist?) ein Weg des Fühlens und Empfindens, der Wahrnehmung der Welt und sich selbst. Und da ist der Zen-Buddhismus sehr gut vereinbar mit moderner Wahrnehmungsforschung und Neuroligie: So sehr wir das Bewusstsein und die Wahrnehmung erklären und analysieren können, es ist doch wie mit der Hand, die nach dem Fruchtfleisch eines Apfels greift: Ist der Apfel komplett, so rutschen wir stets an seiner Schale ab und berühren sonst nichts. Um an das Fruchtfleisch zu kommen, müssten wir den Apfel zerreißen oder zerschneiden. Dann ist er kaputt.

Zen ist das Fruchtfleisch. Zen ist die Wahrnehmung. Zen ist mit dem rationalen Griff nicht zu berühren.

Oft wird gesagt (und auch schon sehr lange, hier werde ich mich gegen eine alte Tradition stellen), dass man Zen mit Worten nicht beschreiben kann. Denn Worte sind von Vernunft geprägt, eine nüchterne Beschreibung der Welt. Doch Zen steht jenseits der Vernunft und ist durch die Vernunft der Worte nicht ausrückbar. Diese altehrwürdige Aussage (im Zen existiert die Ehre übrigens nicht, denn Ehre ist eine Bewertung) halte ich für schlichtweg falsch. Falsch in der Form, dass hier möglicherweise nur eine schlechte Übersetzung vorliegt. Und wie uns solch traurige Blüten wie Zen für Manager zeigen, scheint das ganze Konzept des Zen in unserer Kultur schnell missverstanden zu werden – oder eben schlecht übersetzt. „Zen für Manager“ ist ähnlich dumm wie George Orwells „Krieg ist Frieden – Freiheit ist Sklaverei“. Orwell hatte es zumindest ironisch gemeint.

1. Worte sind nicht nur Vernunft

Das einzelne Wort dient der Bezeichnung der Dinge. Die Bezeichnung einer Sache steht dem Erleben der Sache gegenüber. Entweder ich bade im Fluss oder ich spreche über ihn. Mache den Versuch: Bade im Fluss und spreche dabei über ihn. Du wirst merken, dass durch das Sprechen darüber die Konzentration auf das Empfinden schwindet. Und umgekehrt. Hierauf bezieht sich der Gedanke, dass man Zen nicht beschreiben kann. Auch das Empfinden, im Fluss zu baden, ist nicht durch eine Beschreibung desselben zu ersetzen.

Doch neben der sachlichen Beschreibung kann Sprache durchaus mehr. Nehmen wir das Om. Auch wenn es keine einfache Beschreibung ist, so steht es (im Hinduismus) für den göttlichen Klang. So wie das Wort „Apfel“ für jene leckere Baumfrucht steht. Der Klang ist es aber, was das Om dem Zen so unendlich nahe bringt. Tatsächlich kann der menschliche Sprechapparat keinen Laut erzeugen, der eine höhere Vibration im Körper erzeugt, als das Om. Dies ist übrigens ein leicht erklärbarer, physikalischer Effekt. Und trotz der nüchternen Erklärbarkeit dieser Körpervibration durch das Om, erzeugt jene Vibration ein Gefühl: Du spürst deinen Körper intensiv. Denke an ein Festival, du tanzt, die Anlage ist bestens eingestellt, der Beat vibriert in deinem Körper… Physik, die dich deinen Körper spüren lässt. So, wie er ist. Im hier und jetzt. Ein Zen-Erlebnis durch ein Wort: Om.

Auch Worte, die weniger Vibration im Körper erzeugen, können dich auf dich selbst zurück werfen:

  • Spüre deinen Atem!
  • Spüre die Schwere deines Körpers!
  • Schließt du deine Augen, so führt der Blick nach innen, in dich selbst, um 180° gedreht. Schließe nun deine Augen, eine Geschichte erwartet dich!

2. Die Geschichte vom Mädchen, das einen Apfel essen wollte

Es war einmal ein junges Mädchen, das steifte durch die Länder. Da bekam es Hunger und wollte einen Apfel essen. Es setzte sich auf einen Felsen, sah sich um, doch konnte es bei aller Mühe keinen Apfelbaum erkennen. Dabei war es doch beste Apfelzeit. So kramte das Mädchen in seiner Tasche, fand eine Landkarte, entfaltete diese auf dem Felsen in der Sonne und fuhr mit dem Blick darüber, wie mit zwei suchenden Fingern. Da entdeckte das Mädchen eine Apfelplantage, nicht weit von hier, aber hinter einem Hügel, so dass sie diese Plantage von ihrem Platze aus nicht sehen konnte.

Freudig biss das Mädchen in die Apfelbäume, die auf der Karte verzeichnet waren. Doch anstatt des saftigen Fleisches, hatte sie nun ein Stück der Karte im Mund und etwas Blut, denn sie brach sich einen Zahn am Felsen ab. „Oh nein! Oh weh!“ rief das Mädchen und sprang dreimal um den Fels herum.

Da kam eine Kuh vorbei und fragte unser Mädchen: „Was ist, mein Kind? Was hast du nur?“ Das Mädchen aber jammerte, dass es sich einen Apfel einverleiben wollte, weil es solchen Hunger hatte. Und da, auf der Karte, seien doch ganz viele Äpfel! Da lachte die Kuh so sehr, das ihr ein kleines Wölkchen entfuhr, und entgegnete schließlich und endlich: „Mein liebes Kind, die Karte weißt dir deinen Weg. Sie beschreibt das Land, so ist die Karte ein sehr nützliches Werkzeug, das dich Hungernde an dein Ziel führen kann. Aber vergiss nicht: Die Karte zeigt dir das Land, doch es ist das Land selbst, in dem du lebst.“

Und so machte sich das Mädchen auf, dankte der Kuh, folgte der Karte und fand einen so saftigen und so großen Apfel in der Plantage, dass sie noch heute davon essen kann.

Und daher sage ich:

Die Vernunft ist eine Landkarte – sie beschreibt das Land sehr gut. Doch willst du du leben, nicht in Theorie verenden, willst du wahrnehmen, was auf der Karte verzeichnet ist, so musst du die Vernunft, die Ratio, die Landkarte zurück in deine Hosentasche stecken und dich auf das Land einlassen. Die Karte ist leblos, doch um das Land zu beschreiben, in dem du dich bewegst, ist sie gerade recht. Und so ist es mit den Worten, die auch Zen beschreiben können – denn beschreiben und ersetzen sind zwei grundverschiedene Dinge im Universum.

Ein Workshop zum Thema.

 

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Psychologie des Windrades


Bekanntlich sind es die emotional eingeschränkten Geister – von AfD bis Reichsbürer – die in den Windrädern ein arges Problem sehen, das es auszumerzen gilt. Die (vorgeschobenen) Gründe sind vielfältig, die emotionale Reife der Windradgegner scheint durchgehend gering – oftmals an der Grenze zur psychischen Krankheit. Doch warum arbeiten sich diese Leute an etwas so Profanem wie dem Windrad ab?

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Mal heißt es, die Windräder würden unsere Landschaft verschandeln. Tatsächlich aber retten sie diese Landschaft durch die emissionsfreie Erzeugung von Energie. Dann heißt es, Windräder seien laut. Sicherlich ist selbst das Windrad nicht vollkommen geräuscharm (∅ < 45dB), wer aber wegen der Lautstärke von Windrädern auf die Barrikaden geht, der hat wohl vergessen, dass er in einer Welt der Flugzeuge und Autobahnen lebt. Dann wird doch tatsächlich noch behauptet, die Windräder würden gar kein Strom produzieren und sie würden abgeschaltet, wenn keiner hinsieht. Wenn keiner hinsieht? Wie soll das denn bitte funktionieren? Und überhaupt: Warum? Am besten illustriert folgende Aussage aus dem Internet diesen totalen Argumentations-Irrsinn:

„Windräder laufen gar nicht, wenn keiner hinschaut. Das ist Betrug! Ich hab’s selbst gesehen!“

Das Windrad ist zuerst einmal sehr groß und kaum zu übersehen. Wegschauen funktioniert nicht, es dreht und dreht sich in der Höhe eines fünfstöckigen Hochhauses. Diese rein optische Dominanz kann natürlich penetrant wirken, darüber gibt es keine zwei Meinungen. In meinem Fall wirkt sie penetrant angenehm, was mich einst auf die Idee brachte, einmal auf der Wiese vor einem Windpark zu meditieren. Und durch die folgende intensive Beobachtung und Analyse der psychologischen Wirkung des Windrades, kam ich auf den nun folgenden Gedanken.

Windrad und Gehirnwellen

Die Gehirnwellen werden schematisch in mehrere Bereiche unterteilt (Delta, Theta, Alpha, Beta, Gamma), wobei die Alphawellen einen Entspannungszustand darstellen, deren „übernächster Schritt“ mit den Thetawellen in einer tiefen Meditation oder hypnotischen Trance liegt. Die Richtung Delta>Gamma ist also grob gesagt die Richtung Stress>Ruhe. Es ist hinlänglich bekannt, dass der Blick auf eine stetige, vorhersehbare Bewegung das Gehirn vom normalen Wachmodus (Beta-Wellen) zur Entspannung (Alpha-Wellen) tendieren lässt. Mit der Tendenz, sich dem Stress abzuwenden und der Entspannung zuzuwenden, führt die Fokussierung des Bewusstseins ganz automatisch von der (alarm- und handlungsbereiten) Beobachtung der Umwelt hin zur Innenschau. Ein Effekt, der übrigens auch für akustische (Uhrenticken, Metronom), haptische (Kraueln, Streicheln) und imaginative (Schäfchen zählen) Reize gilt und in Hypnose, Mentalem Training, Meditation usw. reichhaltig genutzt wird. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Konzentration auf das stetige Auf und Ab der eigenen Atmung.

Eine elementare Eigenschaft des Windrades ist genau so eine stetige, vorhersehbare Wiederholung einer sanften Bewegung (Drehbewegung), wobei neben dem direkten Blick auf das sich drehende Rad auch der Schattenwurf zu beachten ist. Kurz gesagt: Der Blick auf ein sich drehendes Windrad löst einen Prozess der Entspannung aus und fördert damit deutlich die Selbstwahrnehmung. Bei der Größe eines Windrades ist es tatsächlich schwer, sich diesem Sog zu entziehen, hat man erstmal für ein paar Augenblicke hingesehen. Stell Dir ein windradgroßes Pendel vor, das in der Landschaft stetig schwingt, und wir haben einen vergleichbaren Effekt.

Entspannung ist gut, Selbstwahrnehmung ist besser – wo ist das Problem?

Die Angst ist ein Teil der menschlichen Psyche. In einer gesunden Psyche erfüllt sie eine wichtige Funktion, indem sie uns vor Gefahren halt machen lässt, durch Adrenalin den Körper für Kampf oder Flucht aktiviert, und so weiter. Nun gibt es aber Menschen, die man umgangssprachlich als „angstgesteuert“ bezeichnet. Hier hat die Angst die Kontrolle übernommen und stürzt sich auf alles, was zu finden ist. Um nun etwas zu oberflächlich einen feingliedrigen Aspekt über einen groben Kamm zu scheren: Diese Dauerangst hat eine wichtige Funktion, indem sie von inneren (also im Zustand der Entspannung fühlbaren) Problemen ablenkt.  Übrigens ist dieser Kamm so grob, dass auch Personen in diese Kategorie fallen, die mitnichten angstgesteuert sind, trotzdem aber die Innenschau scheuen wie der Teufel das Weihwasser: Narzissmus, Borderline und so manch weitere Störung der Selbstwahrnehmung seien hier genannt. Eine gestörte Selbstwahrnehmung führt übrigens ganz automatisch zu einem gestörten Selbst – denn was ich nicht richtig wahrnehme, das kann ich auch nicht richtig bearbeiten.

Und genau hier liegt das Problem. Windräder sind keine Entspannungs-Videos auf Youtube, die man einfach wegklicken kann. Windräder sind überall und kilometerweit zu sehen. Für die Wirkung auf Gehirn und Psyche ist es dabei irrelevant, ob Windräder oder oben erwähnte windradgroße Pendel in der Landschaft stehen. Beides drängt die Psyche in einen Zustand der Selbstwahrnehmung. Doch ist das Selbst schwer beschädigt, dann gehört es paradoxerweise zum Selbstschutz, sich selbst eben nicht wahrzunehmen – das oftmals hysterische Verhalten der Windradgegner zeigt den deutlichen Versuch, sich von sich selbst möglichst dauerhaft abzulenken. Die ablehnende und teils aggressive Haltung innerlich kaputter Menschen zu den Windrädern, lässt sich also sehr schön mit einem verwursteten Zitat der Band „Ton , Steine, Scherben“ beschreiben:

„Macht kaputt, was euch entspannt!“

PS: Dies soll kein Aufruf gegen die Windräder und dadurch für den Schutz solch selbstwahrnehmungsgestörter Personen sein. Ganz im Gegenteil: Die Lösung liegt nicht im Schutz des Gestörten – sondern in dessen Heilung. Und ganz am Rande sei gesagt: Subjektiv ist die Selbstwahrnehmung schon in ihrer Grundstruktur. Bei jedem Menschen also latent gestört.

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Notre Dame & die Dummheit einer Debatte


Der Gipfel der Dummheit sind die üblichen Reflexe, der Brand von Notre Dame wäre ein terroristischer Anschlag, ein Inside-Job oder das Werk der Impf-Mafia. Dies sind Reflexe, wie auch ein oder zwei Schafe furzen müssen, wenn der Blitz einschlägt. Doch die größte Debatte – sind die Spenden okay oder asozial? – ist das typischste Beispiel für die dauernden Denkfehler des Homo Digitalis.

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Was ist passiert?

Am späten Abend des 15. April 2019 ist der Dachstuhl eines Gebäudes niedergebrannt. Eines historisch bedeutsamen und zudem noch wunderschönen Gebäudes, das Frankreichs Geschichte und große Architektur verbindet. Notre Dame, die „liebe Frau von Paris“, liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Die Welt ist geschockt – kaum 24 Stunden später war eine halbe Millarde Euro an Spendengeldern eingetrieben, mittlerweile schleichen wir auf die Millarde zu. Soweit, so bekannt.

Die Debatte

A: „Das ist sooo toll, dass sooo viele Menschen sooo viel Geld für sooo ein großartiges Gebäude spenden!“

B: „Das ist doch perveeers! Sooo viel Geld, mit dem man sooo viele sooo gute Sachen tun könnte!“

A: „Ja, heilig’s Crossaint, Du blöder Neider! Lass doch jeden mit seinem Geld machen, was er will!“

B: „Und dabei schön zuschauen, wie alle fünf Minuten ein Kind verhungert, du Trüffelhirn!? Geht’s noch!?“

Jeder möchte die eigene Überzeugung in die Suppe hinein rühren. Die Argumente sind gesetzt und ihnen ist kaum zu widersprechen: Jeder darf spenden, wofür er möchte. Trotzdem wird das Geld anderswo dringender gebraucht. Hier ist keine Einigung möglich, denn es gibt kein argumentatorisches „richtig“ oder „falsch“, es gibt verschiedene Meinungen davon, was „richtig“ und was „falsch“ eigentlich ist. Und damit wird sich die Debatte im Kreis drehen, bis alle ihre Meinung dreimal gepostet haben und sich die Tarte wieder beruhigt. Dann kommt der nächste Meinungsscheider – und ewig grüßt das Internet…

Die Alternative zur Debatte

Ich persönlich sehe die Alternative zur Debatte in der Analyse. Dass den Reichen eine Kirche wichtiger ist als Menschenleben, das ist ja zum einen sowieso bekannt und zum anderen durch einen Spendenvergleich deutlich darstellbar. Dass auch ein Großteil der weniger Reichen dazu tendiert, lieber für ein Gebäude zu spenden, das einer billionenschweren Vereinigung gehört (Frankreich, in dem Fall nicht die Katholische Kirche), ist ebenso offensichtlich und nachprüfbar. Gähnend langweilig ist hier die aus jedem Flämmchen scheindende Frage nach dem „richtig“ oder „falsch“ daran. Viel interessant wäre die Frage: Warum ist das eigentlich so?

Ein Beispiel: Friedrich „Freddy“ Merz

Nehmen wir als Beispiel unseren innig geliebten Friedrich „Freddy“ Merz, der in einem Tweet zur Brandkatastrophe schrieb: „Wir sollten eine Bürgerinitiative ins Leben rufen, die im ganzen Land Spenden sammelt für den Wiederaufbau dieses überragenden europäischen Kulturguts. …“ Für das Ehrengebäude des Nachbarstaates will Merz also Spenden sammeln, für die Mutti und den Vati in der Sozialstation eher nicht. Aber warum? Was treibt einen Merz zu solch einer Haltung – ganz unabhängig davon, ob diese nun „richtig“ oder „falsch“ ist, oder gar im Einhornkot dazwischen liegt. Schauen wir also genauer hin…

Freddy Merz ist ja ein klassischer (Wirtschafts-)Konservativer. Ein Grundelement des Konservativen des „Typs Freddy“ ist es, im Kopf wenig flexibel zu sein. Neuerungen nur, wenn es nicht anders geht und ansonsten bitte nichts Unkontrollierbares. Nun ist ein Sozialverbund sehr ambivalent und im ständigen Wandel begriffen, im Grunde unkontrollierbar. Je mehr „Soziales“ wir zulassen, desto „wilder“ wird es eben auch. Das widerspricht dem, was einem „Typ Freddy“ gut tut. (Aufgemerkt: Das ist die EMOTIONALE Ebene.) So versucht er, das Sozialgefüge in möglichst starre und auf Ausrechenbarkeit ausgelegte Regeln zu pressen. Bzw. ganz, ganz billig: Es einfach zu unterdrücken, egal wie. Dies ist sein Kampf dagegen.

Nun zu Notre Dame, dem Kampf dafür: Was kann starrer und unbeweglicher – für Herrn Freddy also befriedigender und beruhigender – sein, als ein Teil aus Stein, das sich seit knapp 800 Jahren nicht bewegt hat? Notre Dame ist für die Glatze mit der eng sitzenden Krawatte ein Abbild der eigenen inneren Starre – und das in Form von etwas blendend Großartigem. Da sollte es keine zwei Meinungen geben: Notre Dame ist großartig! „Die liebe Frau von Paris“ gibt seiner inneren Starre also einen sehr hohen künstlerischen, religiösen und geschichtlichen Wert, quasi eine mehrgleisige Absolution und Aufwertung. Auch wenn Notre Dame auf Freddy scheißt, scheißt Freddy darauf, dass Notre Dame auf Freddy scheißt. Das heißt: Friedrich Merz ist einer der Abermillionen, die Notre Dame emotional kidnappen und einen gefühlsmäßigen Bezug herstellen, der gar nicht existiert – zum Glück hat Notre Dame weder Wahrnehmungsorgane, noch eine eigene Meinung, noch Gefühle, und interessiert sich nicht dafür.

Freddy will also den Stillstand, Bewegung liegt ihm nicht. Ein Grundgefühl also, das in einer geschichtlich relevanten Kirche bestens verweigt ist. Bis das Feuer kam und Bewegung in die Sache brachte. Es ist das ultimative Böse, es bringt eine Veränderung in rasender Geschwindigkeit, gegen die der Mensch nahezu wehrlos ist. Denn was verbrennt, verbrennt sehr schnell, und was verbrannt ist, ist verbrannt. Nicht umsonst ist die christliche Hölle ein ewig währendes Bad aus Feuer, davor liegt – wen überrscht’s – das Fegefeuer. Freddy M. will nun durch Spenden das Feuer ungeschehen machen. Und durch den Wiederaufbau Notre Dames wäre genau das erreicht: Der 15. April hat nie stattgefunden. Der größtmögliche Stillstand.

Weitere Denkanstöße

Frei nach Kant, bediene Dich Deines eigenen Verstandes. Und mit etwas Glück und Hartnäckigkeit findest auch Du in den Trümmern Notre Dames ein paar tiefere Höhlen und sprudelndere Quellen als das allgemeine mediale Moral-Gewichse. Und falls nicht, es gibt ja noch youtube (übrigens genauso schützenswert wie Notre Dame, wenn man den aktuellen Debatten glauben darf):

 

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