Das Gute am Bösen – Sexualität


Konrad Lorenz postulierte einst das „sogenannte Böse“¹ und meinte damit – vereinfacht gesagt – folgendes: So schrecklich die Taten und Gedanken der Menschen sein mögen, sind sie doch Folgen unseres triebgesteuerten Seins. Auch wenn eine Tat zu Recht als abgrundtief böse bezeichnet werden darf, so ist der dahinter stehende Handlungsimpuls doch etwas Anderes. Er hat einen triebhaften Drang zur Grundlage, welchen der Täter nicht unter Kontrolle bringen konnte. So wie das wehrlose Opfer, hatte also auch der Täter ab einem gewissen Punkt keine Chance mehr. Und manchmal ist das sogar gut so…

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Wollen wir das Böse zuerst in zwei sehr unterschiedliche Teilbereiche gliedern. Von Vollständigkeit kann in einem Blogartikel zu einem so weitgreifenden Thema natürlich keine Rede sein.

Gewalt gilt als böse, wobei die körperliche Gewalt oftmals mit einem größeren Vorwurf behandelt wird, als die psychische Gewalt. Gerade im Rahmen von sogenannten gewaltfreien Szenen, herrscht oftmals ein Übermaß an psychischer Gewalt – verschleiert und geduldet. Psychische Gewalt ist meist weniger greifbar als körperliche, denn sie hinterlässt kaum sichtbare Spuren. Ein Schuss in den Bauch hinterlässt eine klaffende Wunde, ein – im übertragenen Sinne – Stich ins Herzen hinterlässt nicht mehr als einen schwer zu deutenden Blick. Gewalt also, egal in welcher Form, fällt, wenn man sie denn moralisch werten möchte, unter den Begriff des Bösen.

Ein gänzlich anders gelagertes Böses als die Gewalt stellt die Sexualität dar. Der sexualfeindliche Einfluss eines gewissen Paulus² auf die christliche Lehre war immens. Die Sexualität galt fast zweitausend Jahre lang als schmutzig, verdorben und – böse. Der Teufel höchstselbst, sowie seine vornehmlich weiblich-sinnlichen Anhänger/innen (z.B. die mittelalterlichen Hexen) sind allesamt sehr sinnliche, freizügige Wesen. Doch wird ihre lustvolle Art nicht positiv gewertet, wie es eigentlich sein sollte, sondern als Mittel zur Verführung zum Bösen. Und wie das Ziel des Werkzeugs ist auch das Werkzeug selbst ein Teil des Bösen. Kurz gesagt: Die Sexualität ist böse, denn sie ist des Teufels. Unzählige christliche Darstellungen belegen diese Sichtweise, wie zum Beispiel folgende von John Roddam Spencer Stanhope:

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Um die Daumenschraube der Pikanterie nun weiter anzuziehen, möchte ich nun Sexualität und Gewalt verbinden.

Beginnen wir mit der psychischen Gewalt. Hierzu gibt es tatsächlich wenig Gutes zu sagen. Psychische Gewalt ist ein erschreckend weit verbreitetes Mittel, um Menschen sexuell gefügig zu machen. Sei es durch eine hierarchische Stellung (man denke nur an solche Typen wie Harvey Weinstein oder Jimmy Savile), sei es durch subtile Beeinflussung, wie sie beispielsweise in der oft zu Unrecht glorifizierten „Kommune 1“ Gang und Gäbe war (der Spruch „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“ spricht Bände). Nicht zuletzt die Jahrtausende alte Unterdrückung der Frau ist eine – perverser Weise institutionalisierte und vergesellschaftlichte – Form der psychischen, sexualisierten Gewalt.

Etwas positiver zu sehen ist natürlich die Master/Slave-Symbiose im BDSM: Der Sklave will gedemüdigt und unterworfen werden, oftmals das Gegenteil zu seinem Alltag. Der Master hingegen steht auf die Kontrolle, die er oder sie über den hörigen Sklaven ausüben kann. Insofern alle Beteiligten sich ihrer Rolle einig sind, gibt es dagegen nicht viel einzuwenden. Doch haben wir es hier mit einer Sonderfrom der Sexualität zu tun, die im Allgemeinen wenig Relevanz besitzt. Bis auf Exoten der Sexualität ist die psychische Gewalt in Verbindung mit der Sexualität folglich klar und deutlich abzulehnen.

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Nun wollen wir zur körperlichen Gewalt im Rahmen der Sexualität übergehen. Hier sind – wie schon bei der psychischen Gewalt – zwei Seiten scharf zu trennen: 1. Gewalt gegen den Willen einer oder mehrerer Personen. 2. Beide Beteiligten wünschen sich die Gewalt als luststeigerndes Element. Dass wir die erste Seite sowohl moralisch als auch kriminologisch deutlich abzulehnen haben, liegt wohl auf der Hand. Niemand darf durch irgend eine Form der Gewalt zu etwas gezwungen werden, was sie oder er nicht wünscht. Gewalt gegen den Willen einer Person ist nicht weniger als Missbrauch.

Wie sieht es nun mit der zweiten Variante aus? Die Gewalt ist gewünscht, sie intensiviert die Lust und wird durch körperliche Grobheiten und passendes Spielzeug gefördert. Selten ist der sogenannte Lustschmerz der zentrale Punkt, der allerdings auch in der „normalen“ Sexualität (was bitte ist normal?) eine Rolle spielt. Sicherlich können Schmerzen erregend wirken: Sie zwingen die Konzentration auf das Körpergefühl und verstärken somit auch die erotischen Gefühle. Des Weiteren erzeugt ein plötzlicher Schmerzreiz etwas ganz Ähnliches, wie es die Desinformation³ in der Kommunikation vermag: Der Mensch möchte heraus aus den Schmerzen – bei Lustschmerz allerdings ambivalent – und nutzt daher jede sich bietende „Ausfahrt“ mit Vollgas. Ist diese Ausfahrt erotischer Natur, so lässt sich leicht ausmalen, wohin die Reise gehen kann.

Ein entscheidendes Element bei lustvoller Gewalt ist die Mischpoke aus Macht, Kontrolle, Ohnmacht und Fallenlassen. Nehmen wir das Fesselspiel als Beispiel. Im Entführer-Entführten-Verhältnis ein rein egoistisches Machtinstrument, an welchem das Opfer sicherlich keine Freude hat, lohnt sich im Rahmen der Sexualität ein genauerer Blick auf das „Opfer“ – das ja keines ist, da es sich diese Rolle wünscht.

Eine relativ normale Vorform des Fesselspiels ist es, einen Partner oder (meistens) eine Partnerin fest am Haar im Nacken zu halten, so dass er oder sie das Gefühl hat, der – wohlgemerkt angenehmen – Situation nicht mehr entrinnen zu können. Trotz des festen, unnachgiebigen Griffs ist die liebevolle Zärtlichkeit dabei nicht ausgeschlossen. Um beim klassischen Bild zu bleiben: Der Mann zeigt der Frau seine Kraft – die Frau möchte von diesem kraftvollen Männerkörper, der ihr absolut überlegen ist, auch kräftig geliebt werden. Der Mann überwältigt und gibt, die Frau lässt sich fallen und nimmt.

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Unterwerfung ist nicht mit Unterdrückung zu verwechseln. Wer als Mann eine Frau unterdrückt (dies gilt übrigens auch anders herum), der zeigt vor allem seine Schwäche im Umgang und seine Angst vor dem weiblichen Geschlecht. Dies ist nicht gerade selten, und sei es nur als ungelebte Phantasie, denn für die meisten Männer sind Frauen unergründliche, dunkle Wesen, die ihn ängstigen. Der arme Mann wird von unserer Gesellschaft zum Herrscher stilisiert, doch viele können – und wollen in ihrem unbewussten Kern! – diese Rolle nicht erfüllen. Kompensationen in diesem Spannungsfeld können die absurdesten Blüten tragen: Jeden Tag tötet in Deutschland ein Mann seine Frau. Sicherlich aus verschiedenen Gründen, oftmals aber mag der Keim im eben skizzierten Dunstkreis liegen.

Nun aber zurück zum Fesselspiel. Nur ein verschwindend geringer Bruchteil an Personen unserer westlichen, vielleicht sogar der gesamten Welt, ist dazu in der Lage, im Alltag loszulassen. Die Dinge laufen zu lassen, ohne sie zu kontrollieren. Mann und Frau müssen in ständiger Selbstkontrolle ihr Leben meistern, oft ist der Partner oder die Partnerin auch ein Teil dessen, was es zu managen gilt. Der Mensch strebt nach Ausgleich, je schwerer das Gewicht auf der einen Seite, desto stärker schlagen natürlich die Spitzen auf der anderen Seite aus. Eine gewaltvolle Unterwerfung kann hier lustvolle Kompensation sein. Fallenlassen und Kontrolle abgeben in extremer Form.

Doch wo bleiben hier die natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau? Warum sehen sich gerade Frauen nach einem Mann, der sie „anpackt“ – ohne dabei unterdrückt oder gebrochen zu werden? Warum sind unterwürfige Männer ungleich weicher und weinerlicher in ihrer Kontrollhergabe (stichwort: Pampern)? Und wo liegt die Grenze zwischen Lust und Schaden, wo die zwischen Normalität und Perversion? Wo bleibt der Vater, wo die Mutter – und ihre Folgen? Und was ist mit all den Spielarten, die bisher nicht zu Wort gekommen sind?

Fragen, die nur ein Buchwerk und das Leben, nicht aber ein Blogartikel beantworten kann…

 

 

¹) Konrad Lorenz „Das sogenannte Böse“ 1963

²) Paulus von Tarsus, christlicher Apostel, 10-60 n.Chr.

³) siehe Paul Watzlawick „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ (1976)

 

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Hypnose und Grenzbereiche


Untersucht werden in diesem Artikel verschiedene parapsychologische Grenzbereiche in Verbindung mit Hypnose. Es soll dabei nicht der Eindruck entstehen, die Hypnose selbst wäre ein parapsychologisches Phänomen. Ganz im Gegenteil dient sie uns hier als Maßstab für die Bewertung (angeblicher) parapsychologischer Erfahrungen.

Lange Zeit galt die Hypnose als ein magisches (Schamanismus, Heilzauber), göttliches (Orakel, Tempelschlaf) oder okkultes (Alchemie, schwarze Messen) Werkzeug. Selbst die heutzutage wissenschaftlich erforschte Hypnose als Coaching- und Therapiewerkzeug hat ihre Anfänge im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Phantasterei. Der sog. „Mesmerismus“ wollte die Wirkung auf eine magnetische Kraft hin deuten, die vom Hypnotiseur ausging. Also der Hypnotiseur als Allmächtiger, dessen Bann der Hypnotisand willenlos ausgeliefert ist: bis heute ein weit verbreitetes Missverständnis. Benannt nach seinem Entdecker Franz Anton Mesmer (1734-1815) wurde die Hypnose damals von offizieller Seite abgelehnt – weniger der unbestreitbaren Erfolge wegen, sondern mehr aufgrund der scheinwissenschaftlichen Erklärungen Mesmers. Dass durch die ursächliche Fehleinschätzung Mesmers methodisch einiges falsch gemacht wurde, liegt natürlich auf der Hand.

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Die roboterhafte Art in Bewegung und Sprache, die scheinbaren Wechsel verschiedener Persönlichkeiten in einem Leib, sowie einige weitere damals unerklärliche Phänomene der Hypnose stützten ihren okkulten, teils gar dämonischen Ruf. Ein Echo des Unwissens, das bis heute nachhallt. Gerade deshalb ist es wichtig, die Grenzbereiche der Wissenschaften im Allgemeinen zu erforschen, und der Hypnose im Speziellen. Tauchen Phänomene auf, sollten sie nicht leichtfertig abgetan werden – schließlich war auch der Blitz einst magisch gedeutet, wurden Sichtungen des Riesenkalmars bis ins 19. Jahrhundert hinein als Spinnerei abgetan, haben wir heute in der Quantenphysik Phänomene, die erwiesen sind und trotzdem unserem Verständnis von Logik und Vernuft zuwider gehen. Und so weiter und so fort. Als interessanten Forscher im Spannungsfeld zwischen Hypnose, Wissenschaft und Parapsychologie soll hier Milan Rýzl (1928-2011) erwähnt werden. Rýzl gilt als einer der seriösesten Forscher wissenschaftlicher Grenzbereiche – wobei auch bei ihm hin und wieder der Wille zur Entdeckung den Blick für die Methodik vernebelte. Als das „Kluge-Hans-Trauma“ ist die Aufdeckung scheinbarer Telepathie bei einem Pferd (dem klugen Hans) im Jahre 1904 bekannt. Auch wenn es sich hierbei nicht um Hypnose handelte, ist dieser Fall durchaus eine Erwähnung wert. Es wurden in dieser Sache feinste Nuancen menschlicher Gemütsregungen von den Forschern übersehen, die dem klugen Hans jedoch nicht entgangen waren. Dies führte zu eben jenem folgenschweren Irrtum, das Pferd könne Gedanken lesen. Da auch die Hypnose sehr eng mit den Gemütsregungen eines Menschen verknüpft ist, sollen gerade in der Erfoschung von Grenzbereichen via Hypnose solcherlei Fehler ausgeschlossen werden. Der Kluge Hans als mahnendes Beispiel.

Nun aber wollen wir zu einigen Beispielen übergehen, die eine Schnittmenge aus Hypnose und wissenschaftlichen Grenzbereichen beinhalten:

Rückführung in frühere Leben

Die Rückführung in frühere Leben ist für Hypnotiseure ein gutes Geschäft. Viele Menschen erfreuen sich an einer scheinbaren Bestätigung ihrer gewünschten Größe – nicht zufällig landen Rückführungen regelmäßig bei solch geschichtlichen Schwergewichten wie Cäsar, Jesus, Gandhi und Konsorten. Es ist ganz erstaunlich, wieviele Reinkarnationen ein und derselben historischen Persönlichkeit heute vermeintlich existieren. Hier sind wohl vielmehr Wunschtraum und mangelndes Selbstbewusstsein die Triebfeder solcher Ergebnisse, denn eine tatsächliche x-fache Wiedergeburt. Wer nun Wünsche erfüllt, der kann dafür ein gutes Honorar verlangen – in diesem Fall der Hypnotiseur. Dass also jenes diffuse Gefühl „Ich bin die Wiedergeburt der Johanna von Orleans!“ von manch fadenscheinigem Hypnotiseur gerne (und nur scheinbar!) bestätigt wird, ist somit kaum verwunderlich.

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Auf der anderen Seite hat noch kein Mensch hinter den Ereignishorizont des Todes blicken können. Wir glauben an gutmütige Götter (trotz des Elends auf der Welt), an Engel, Geister, Hölle, Paradies und eben auch an die Wiedergeburt. Nichts davon kann bewiesen werden und nichts davon wird wohl jemals widerlegt. Es heißt eben nicht umsonst Glauben und nicht Wissen. Auch hier wollen wir der Forschung genüge tun – indem wir von vornherein weder etwas ausschließen noch etwas festlegen. Die Herangehensweise ist dabei klar, Rückführungen in geschichtlich unbekannte Persönlichkleiten geben die Möglichkeit zum Test: Hat diese Person wirklich existiert? Gibt es Aufzeichnungen über Erlebnisse, die in der hypnotischen Rückführung ebenfalls erinnert werden? Oder – bei geschichtlich relevanten Personen – deckt sich die hypnotische Erinnerung mit den erforschten Daten? Ein spannendes Thema, spielerisch von uns beforscht.

Telepathie

Wir wollen für unseren Gedankengang davon ausgehen, dass die Existenz telepathischer Phänomene theoretisch möglich ist. Natürlich ist es ein schwaches Argument, darauf hinzuweisen, dass Telepathie bisher nicht widerlegt wurde. Wenden wir allerdings die Theorie der Einstein-Rosen-Brücke auf nonverbale Kommunikation an, so sind wir der Telepathie schon beängstigend nahe. Interessant sind hierbei die Forschungen von Milan Rýzl (s.o.), welche irgendwo zwischen der statistischen Bestätigung telepathischer Fähigkeiten und dem Klugen-Hans-Phänomen (s.o.) anzusiedeln sind. Die Hypnose wurde von Rýzl jedoch nur nebenbei genutzt. Interessant wäre eine Forschung, die sich konkret dem Werkzeug der Hypnose bedient, um telepathische Fähigkeiten aus dem Menschen heraus zu kitzeln. Denn wer kennt diesen Moment nicht, wenn es irgendwo im Hinterkopf klingelt – und diese Person, an die man so plötzlich denkt, ruft kaum eine Minute später an. Nach Jahren, kann das Zufall sein?

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Ja, es kann Zufall sein. Doch es fühlt sich nicht nach Zufall an. Die Hypnose ist erwiesener Maßen dazu in der Lage, ganz erstaunliche Leistungen und Fähigkeiten zu wecken, weshalb sie z.B. im Leistungssport erfolgreich angewandt wird. Auch sollten wir nicht vergessen, dass der Blitz, das Feuer oder die Geburt einstmals als unerklärliche, magische Elemente unseres Universums betrachtet wurden. Es bleibt also tatsächlich die Möglichkeit der Existenz von Telepathie bestehen. Dies soll keinesfalls die Existenz von Telepathie postulieren. Da wir jedoch neugierige Geister sind, möchten wir auch dieses Feld nicht völlig aussparen. Oder, um ein Zitat des Schweizer Politologen und Gesundheitsökonomen Dr. Gerhard Kocher zu bemühen: „Forschung ist gefährlich: man könnte etwas Neues entdecken.“

Besessenheit

Der Dämonenglaube ist weitgehend erforscht und mit großer Sicherheit durch religiösen Wahn zu erklären. Psychische Erkrankungen und Ausnahmezustände wie die Schizophrenie rufen diesen Wahn durch eine gefährliche Melange aus Unwissen und religiösem Dogma schließlich auf den Plan. Heute wissen wir, dass eine hypnotische Bearbeitung von Schizophrenie stark kontraproduktiv ist und die Leiden eher verschlimmert, denn verbessert. Das ganze Setting eines Exorzismus ist einer spontanen Hypnose sehr zuträglich (gedämpftes Licht, Fixierung der Finger oder des Kruzifix, monotone Litanei des Priesters). Dass die Trance im Exorzismus eine große Rolle spielt, liegt in der Natur der Sache. Kommt es nun zu dieser Situation, so werden die Worte des Priesters als Suggestionen betrachtet – schließlich sind sie klare Handlungsanweisungen an eine bestimmte Region der Psyche des Patienten: „Verlasse diesen Körper, Dämon!“ In diesem Stadium ist eine Trotzreaktion der angesprochenen Region mehr als nur wahrscheinlich: Der angebliche Dämon wehrt sich gegen den Exorzisten, in Wahrheit wehrt sich die Psyche gegen einen unsachgemäßen Eingriff! Im angewandten Exorzisums sehen wir also ein Beispiel des wohl schädlichsten Fehlverhaltens, wie es im Rahmen der Hypnose nur möglich ist. In wenigen Fällen überwindet der Betroffene durch diese intensive Krise sein eigentliches Problem und wird geheilt. In den meisten Fällen jedoch zerbricht er an der Behandlung – die gar keine Behandlung darstellt, sondern eine Misshandlung.

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Nehmen wir nun hypothetisch an, es gäbe tatsächlich dämonische Besessenheit. Die Besessenheit ist in ihrer Theorie ja eine Besitzergreifung der Seele, letztlich also der Gehirnfunktionen. Der hypothetische Dämon stellt einen bösartiger Charakter dar, damit ist er in seiner Persönlichkeitsstruktur wohl ganz anders aufgebaut als sein Opfer. In dessen plötzlich und völlig andersartigem Verhalten ist dieser Aspekt klar erkennbar. Da der Dämon über magische, wenngleich bösartige Kräfte verfügt, wäre er wahrscheinlich immun gegen solch unmagische Waffen, wie sie die klassische Medizin und Pharmazie hergeben. Als wirksames Werkzeug zur Austreibung käme dann wieder die Hypnose auf den Plan, da sie den Weg über das Irrationale geht – so unmagisch sie selber ist, spricht sie doch die Sprache der Magie. An diesem Punkt beißt sich die Katze selbst in den Schwanz: Es bleibt dabei, der Dämon ist eine missverstandene psychische Ausnahmesituation, durch kontraproduktiv angewandte Hypnose wird diese Situation verstärkt. Der nach religiösen Mustern als Beweis für die Besessenheit gewertete Effekt des Sich-Wehrens ist im Grunde nur ein Beweis für die fehlerhafte psychologische Ausbildung des Exorzisten. Und wie so oft: Zum Leidwesen seines „Patienten“.

Probanden und Erlebnisse

Du hast selbst solcherlei – nennen wir sie: parapsychologische – Erfahrungen gemacht, oder machst sie gar regelmäßig? Du bist in keiner langfristigen psychologischen Behandlung, hast weder ein Trauma, noch nimmst Du harte Drogen? Dann bist Du uns als Proband sehr willkommen! Es ist nicht unsere Absicht, Deine Meinung oder Deutung zu bestätigen oder zu widerlegen. Wir wollen vielmehr nach möglichst gesicherter Methodik nach der Wahrheit forschen, den Hintergründen und den daraus folgenden Erkenntnissen.

Schreibe uns eine Mail mit einer kurzen Beschreibung Deiner Sache an: dominic[AT]dwm-coachings.de. Auf schlechte Tricks fallen wir übrigens nicht herein.

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Der Sinn menschlicher Aggression


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Dass Aggression – sei sie physischer oder psychischer Natur – eines der größten Probleme der Menschheit ist, darüber lässt sich kaum streiten. Und doch ist es falsch, so zu tun, als wäre der moderne, aufgeklärte Mensch dazu in der Lage, seine Aggressionen gänzlich zu überwinden. Auch wenn der von Konrad Lorenz postulierte Aggressionstrieb als singulärer Trieb nahezu ausgeschlossen werden kann, so sind es doch viele verschiedene Einflüsse, die uns zu aggressivem Verhalten treiben können. Und sie tun es – seit es Leben auf der Erde gibt. Doch was ist es, das uns zu solch aggressiven Wesen macht?

Der Hauptaspekt aggressiven Verhaltens liegt im Selbstschutz. Im Strafrecht spricht man z.B. von Selbstverteidigung, doch auch die nach der Ausbeutung fremder Ressourcen strebenden Angriffskriege sind von der Sorge motiviert, weniger mächtig zu sein, im Endeffekt: weniger schutzlos. Hier begegnet uns nun das Sprichwort „Angriff ist die beste Verteidigung“. Eine Mutter würde ihr Kind mit allen verfügbaren Waffen verteidigen, was jedem gesunden Menschen sinnvoll erscheinen wird. Selbst der Löwe, der eine Gazelle reißt, beschützt sich dadurch vor dem Hungertod. Selbstschutz ist schließlich ein elementarer Bestandteil der Selbsterhaltung.

Auf der Stufe des Individuums ist Aggression also meist durch den Selbsterhaltungstrieb getriggert, auf Stufe der Gruppe ist es die Erhaltung der Gruppe. Der Familie, der sozialen und/oder ideologischen Gruppe (Nation, Religion, Fußballverein, etc.), nicht zuletzt der eigenen Art. Wir kennen die auf Ideologien basierenden Gewaltexzesse der Geschichte: Kreuzzüge, Genozid, sogenannte Befreiungskriege. Wenn sich Gruppenaggressionen verselbstständigen, so passiert dies stets auf der Basis einer Ideologie. Der sogenannte „Heilige Krieg“ ist dabei ein Paradebeispiel.

Der elementarste Kern des Überlebens liegt in der Sexualität. Wer würde nicht für seine Kinder sterben, wenn es die Situation erfordert? Wer würde nicht für seine Kinder töten? Es ist der Aggressionsforschung bekannt, dass gerade sexuelle Frustration zu starken aggressiven Ausbrüchen führt. Diese reichen sehr weit, Gewalt gegen einen Nebenbuhler kann ebenso eine Folge sexueller Frustration sein, wie auch häusliche Gewalt und Vergewaltigung – was so nahe liegend wie erschreckend ist. Und selbst hier sehen wir Aspekte des Selbstschutzes am wirken: Der Schutz des eigenen Erbgutes vor drohender Ausrottung (durch einenen frustrierenden Mangel an Sexualpartnern, wobei man ja auch sagen könnte: „Selber schuld!“)

Können wir unser Aggressionspotential überwinden? Die Antwort ist einfach: Nein. Doch wir können es in den Griff bekommen. Jedes Lebewesen auf unserem Planeten – vom Einzeller bis zum Säugetier – zeigt aggressive Verhaltensweisen. Es wäre vermessen zu behaupten, wir könnten unsere Aggressionen gänzlich ablegen. Seien sie nach außen oder nach innen gerichtet (Aggression, Autoaggression), Aggressionen sind ein Teil unserer Natur.

Die Existenz aggressiven Verhaltens bei sich selbst zu akzeptieren ist der erste Schritt, sie zu beherrschen. Aggressionen entspringen oft einem Impuls, der schneller ist als das Nachdenken. Auch hier hilft uns eine Redewendung, dies besser einzuordnen: „Ihm ist die Hand ausgerutscht“. Somit liegt ein weiterer Schritt auf dem Weg zu positivem Verhalten in schwierigen Situationen in der sogenannten Impulskontrolle. Wir kennen es von Kleinkindern (und manch Erwachsenem), sie lassen ihre Gefühle stark impulsiv heraus. Manchmal auch aggressiv: Schreien, Beißen, Kratzen, Treten, Zappeln. Erst mit der Zeit lernen Kinder, ihre Impulse zu kontrollieren. Zu kanalysieren – womit wir ein weiteres Werkzeug gegen den Ausbruch von Aggressionen gefunden haben: das Ventil. Wen stört es, wenn eine Person auf einen Boxsack einschlägt? Im Gegensatz zur Gewalt gegen einen Menschen mag die Gewalt gegen Dinge im gewissen Rahmen sehr dazu geeignet sein, aggressive Potentiale zu entladen. Auch Sport ist ein solches Ventil, ebenso wie die Kreativität. Der Vorteil der Kreativität: Sie hinterlässt ein Werk, an dem sich die Ursachen der Aggression ablesen lassen. Und der Königsweg bei der Lösung jeglicher Probleme ist natürlich, ihre Ursache zu beheben.

Nun kann dieser Artikel nicht mehr sein, als ein leichtes Kratzen an der Oberfläche. Und deshalb möchte ich ihn hiermit (und unvollendet) abschließen. Nehme Sie die Fäden auf, die Ihnen sinnvoll erscheinen, und spinnen Sie selbst weiter. Es würde mich sehr freuen, Ihnen den ein oder anderen Impuls mit auf Ihren Weg gegeben zu haben, der auch bei Ihnen zur Entspannung aggressiver Elemente führt.

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Bewusst – Unterbewusst – Unbewusst


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Nur wenige Menschen machen sich Gedanken über die Bewusstseinsebenen, die ihnen zur Verfügung stehen. Selbst eine erschreckend große Anzahl an Coaches, Hypnotiseuren und selbst an Therapeuten glaubt, es gäbe Bewusst und Unterbewusst – und damit wäre es das auch. Schon die Begrifflichkeiten werden hierbei oft falsch verwendet, so ist z.B. die Hirnfunktion, mit der die Zusammensetzung unserer Magensäure gesteuert wird, mitnichten unterbewusst. Für den Laien mag die Unterscheidung zwischen unter- und unbewusstem Material zweitrangig sein. Doch für alle, die beruflich mit solcherlei Bewusstseinsebenen zu tun haben, sollte diese Unterscheidung zum festen Wissensstand gehören. So wie ein Bäcker den Unterschied zwischen Hefeteig und Mürbteig kennen sollte – sonst backe ich mein Brot lieber selbst.

Bewusstsein

Das Bewusstsein braucht nur wenig Erklärung. Jeder kennt es, es beinhaltet alle Gedanken, Gefühle, Instinkte usw., die uns in einem Moment bewusst sind. Sie treten am Strand auf einen spitzen Stein, der Schmerz wird Ihnen bewusst. Sie denken über die Arbeitswoche nach, abwechselnd dringen Aspekte dieser Woche in ihr Bewusstsein. Haben Sie über den Dienstag nun fertig nachgedacht und wenden sich dem Mittwoch zu, so schiebt Ihr Gehirn Ihre Dienstags-Gedanken ins Unterbewusstsein und macht nun Platz für die Gedanken zum Mittwoch. Oftmals funktioniert dieser Wechsel so herum: Ein neuer Gedanke schiebt einen älteren Gedanken aus dem Bewusstsein. Beispiel: Sie haben, kurz bevor Sie am Strand auf den Stein getreten sind, über das Abendessen nachgedacht. Mit dem Dringen des Schmerzes in Ihr Bewusstsein, bleibt kein Platz mehr für das Abendessen. Diese Gedanken verschwinden aus Ihrem Bewusstsein, zumindest für eine kurze Zeit.

Unterbewusstsein

Das Unterbewusstsein ist schon um ein Vielfaches reichhaltiger als das Bewusstsein. Doch auch das Unterbewusstsein ist nur ein kleiner Teil unseres gesamten Gedächtnisses. Dort befinden sich all jene Dinge, die akut nicht im Bewusstsein vorhanden sind, aber sehr leicht (z.B. durch das bezeichnende Wort) ins Bewusstsein geholt werden können. Wenn ich Sie nun an Ihr liebstes Kuscheltier erinnere, dann sehen Sie, wie es sich sofort in Ihrem Bewusstsein manifestiert. Meistens „schläft“ dieses Kuscheltier in Ihrem Unterbewusstsein – doch ein Satz reicht aus, vielleicht sogar ein Wort, und Ihr Kuscheltier taucht in Ihrem Bewustsein auf. All jene relativ leicht ins Bewusstsein holbaren Dinge, sind Teil Ihres Unterbewusstseins: Was Sie gestern zu Abend gegessen haben, wofür die Abkürzung „USA“ steht, die Wandfarbe Ihrer ersten eigenen Wohnung usw. usf.

Unterbewusstes Material

Hier nun befinden wir uns im prägendsten und mit großem Abstand tiefsten Bereich unseres seelischen Seins. Fast alle vom Gehirn gesteuerten Körperfunktionen sind Teil Ihres unterbewussten Materials: Die Verdauung, der Herzschlag, die Zusammensetzung ihrers Blutes, auch die meisten psychosomatischen Prozesse sind dort aufgehoben, wo die so leicht zu beeinflussende und zu Fehlverhalten lockbare Ratio nicht stören sollte. Doch damit nicht genug, sind in diesem gewaltigen Bereich unbewussten Materials neben der Körperfunktionen auch alle vergrabenen, verdrängten und „wirklich vergessenen“ Erinnerungen abgelegt. Und damit ist die Wichtigkeit des Unbewussten längst klar: All jene Verhaltensweisen, die wir als fremdgesteuert wahrnehmen (z.B. der innere Schweinehund), haben dort ihre Ursachen liegen. All jene Einflüsse, die unseren Charakter geformt haben, sind hier verbrogen. Es sind die tiefen Ströme und Prozesse, die unser Sein und unser Leben entscheidend beeinflussen. „Du bist, was Du isst“ sollte heißen: „Du bist, was Du von Dir nicht wahrnehmen kannst.“

Die Hypnose ist der direkteste Draht zu unserem unbewussten Material. Die erweiterte Bildsprache (Bilder, Gefühle, Sinneseindrücke) ist die Sprache, in welcher unser unbewusstes Material kommuniziert. Es ist ebenfalls die Sprache der Hypnose. Und so ist es durchaus möglich, mit unserem unterbewussten Material in Kontakt zu treten, neue Wege mit ihm auszuhandeln und gänzlich unterbewusste Prägungen (wie z.B. irrationale Ängste) zu bearbeiten.

 

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Angst machende Gedanken Pt.I


Der folgende Gedanke könnte erzählerisch eine Dystopie oder Science-Fiction-Geschichte ausfüllen, allerdings mag ich ihn hier lieber als Eassy behandeln, das hat er sich verdient. Es ist die Frage nach einem evolutionären Entwicklungssprung mit weitreichenden Folgen, weitergesponnen aus ein paar Forschungen des Ministeriums zum Thema Aggression.

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Wollen wir davon ausgehen, dass ein spezifisches Verhalten wie die Aggression¹, das in unterschiedlicher Ausprägung bei allen Tierarten sowie beim Menschen inner- und zwischenartlich zu finden ist, keine nutzlose Perversion darstellt. Vielmehr, weil ja absolut artübergreifend und gruppendynamisch sehr differenziert zu beobachten, scheint die Aggression einen evolutionären Zweck zu verfolgen. So treten Aggressionen nicht zuletzt bei der Balz oder bei der Verteilung von Rangordnungen auf (ein alter Leitwolf z.B. wird von seinem Herausforderer gewalttätig von seiner Position vertrieben). Sie unterliegt, je nach Situation, gewissen auslösenden bzw. hemmenden Schwellen, die wiederum auf art- oder zumindest lebenserhaltende Mechanismen zurückzuführen sind. Unterhalb einer gewissen Reizintensität beherrschen Freundlichkeit und Eierkuchen die Szenerie, zumindest aber eine Art pragmatische Kooperation bis hin zum Ignorieren. Darüber, z.B. wenn sich ein Luchs in einen Fuchsbau wagt, bricht das sogenannte Böse (K. Lorenz) zutage: Drohgebärden, probeweises Attackieren, Angriff, … bis hin zur Vernichtung des Gegners ohne Rücksicht auf das eigene Wohl. Wo die ersten drei genannten meist sinnvollen Evolutionsprozessen dienen (z.B. das Revierverhalten bei Katzen) oder zumindest aus solchen resultieren (Sportvereine, Lippenstift, usw.) ist die rücksichtslose Vernichtung rein kontraproduktiv. Hierüber schreibt Paula Heimann²: „In Zusammenhang mit der Entstehung neuer Triebmotivationen im Evolutionsprozeß ergibt sich die Frage, ob nicht auch eine neue Form von Aggression gebildet wurde, bei der die Hemmungstendenzen  […] erniedrigt oder gar außer Funktion gesetzt sind. Diese neue Form von Aggression […] würde die Grausamkeit sein.“

Dies als erster Faden …

… nun aber widmen wir uns den Bienen, genauer: den Killerbienen! Es handelt sich dabei um die Verbreitung der Apis mellifera scutellata auf dem amerikanischen Kontinent, einer afrikanischen, ungewöhnlich mobilen und aggressiven Honigbiene. Es findet dort jedoch keine klassische Invasion statt, sondern eher eine Afrikanisierung der heimischen Bienen, ganz ähnlich zum Verschwinden des Neandertalers, der zu großen Teilen durch Kreuzung im modernen Menschen aufgegangen ist, anstatt von ihm gewalttätig ausgerottet worden zu sein³ – wenn Donald Trump das wüsste, er würde die Apis mellifera scutellata glatt verbieten! Entgegen dem vereinfachenden Gerücht gibt es also nicht DIE EINE Killerbiene, es verbreitet sich hier eine potent-aggressive genetische Linie mit immer neuen Unterarten: In Windeseile und kaum mehr kontrollierbar! Für den Mensch sind die Killerbienen sehr gefährlich, da sie im Gegensatz zu anderen Bienen einen vermeintlichen Störenfried mit dem gesamten Volk attackieren, anstatt nur mit einer kleinen Gruppe. Ab etwa tausend Stichen wird es eng fürs Überleben, doch das gereizte Killerbienenvolk ist zu allem Überfluss ein ungewöhnlich penetranter Verfolger.

 

Was wäre also, wenn …

… eine hier nicht näher spezifizierte Tierart (denken wir uns als Beispiel weiterhin die Killerbiene) ihre Hemmschwelle für aggressives Verhalten – dem Menschen gegenüber! – völlig ablegt. Dies aber nicht nur in Extremsituationen, wie es bei Mensch (z.B. megalomane Schizophrenie) und Tier (z.B. Tollwut) freilich punktuell beobachtet werden kann, sondern als natürliches Verhalten der gesamten Art: Ein giftiges, Kolonien bildendes Insekt, das von seiner instinktiven Beschaffenheit her gar nicht anders kann, als Menschen zu suchen, zu jagen und zu töten! Durch das Bilden von Kolonien (Nester, Höhlen, usw.) stünden die wackeren Verteidiger der menschlichen Gemeinschaft einer quasi-viralen, krebsartigen Ausbreitung gegenüber, die durch ihren exponentiellen Charakter kaum einzudämmen wäre. Was also sollte eine von Killerbienen 3.0 attackierte Gegend unternehmen? Eine Mauer bauen, eine Atombombe werfen oder das Technische Hilfswerk rufen? Schnell würden die Menschen zum Beten übergehen, eine wahrlich hoffnungslose Strategie.

 

Zuletzt sei uns ein kleiner Ausflug in die Science-Fiction gestattet:

Die dominierende Spezies auf unserem Planeten im Jahre 2054 ist die mutierte Killerbiene, man nennt sie nur noch Menschenkiller. Die Gesellschaften sind zusammengebrochen, die wenigen Überlebenden bewohnen eingezäunte Bauernhöfe. Sie leben autark, verlassen ihre Höfe nur noch in Schutzanzügen. Zum Imkern im Wald, denn Honig gibt es wahrlich in Hülle und Fülle, und in die summenden Städte, wo die Bienen wie Asche die Luft vernebeln, um Konserven, Material und Treibstoff zu sammeln. Wenige menschliche Leiber sind da noch zu erkennen, die Reste von Kleidern über rostbraunen Haufen, aus denen hier und da ein Stück Knochen lugt. Die meisten Leute sind zu Hause gestorben, in der irrwitzigen Hoffnung, die kleinen Biester mit Decken und Klebeband aus der Wohnung zu halten. Doch die Sammler machen einen großen Bogen um die Wohnungen, in denen die Nester über Klavieren und Ehebetten in den Zimmerecken kleben, und steuern fast ausschließlich den Großhandel an. Vielleicht, weil es sinnvoll ist, vielleicht aber auch, weil sich reiche Leute in großen Hallen wohler fühlen. Manchmal lächelt einer von ihnen, wenn er zwischen Dosen und Geröll eine alte Zeitschrift findet, die vor dem Aussterben der Honigbiene warnt …

¹ zu unterscheiden sind hier innerartliche (z.B. Balzkämpfe) und zwischenartliche (z.B. Jagd zur Nahrungsbeschaffung) Aggressionen

² Paula Heimann – „Entwicklungssprünge und das Auftreten von Grausamkeit“ (1964/1969)

³ die Gene des homo sapiens sapiens enthalten ca. 1-4% Genmasse des homo neanderthalensis

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Ein paar sinnvolle Vorschläge zum Herbst


Der Herbst kommt nicht, er ist schon da, der hinterlistige Geselle. Das Laub stürzt sich wie die Lemminge in den Tod, der Wind bläst von rechts und lässt uns frösteln, die Sonne schämt sich für ihre Schwächelei, läuft rot an und versinkt lieber am frühen Abend. Anstatt – wie noch im Sommer – der Tagesschau die Schau zu stehlen.

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Was also anfangen mit dieser Zeit der Tristesse, der aufkommenden Kälte und Dunkelheit, wenn unschuldige Kürbisse ausgeweidet werden und die Sonne scheint, aber nicht wärmt? Auswandern? Bewusstlos werden? Oh nein, da gibt es doch noch ein paar andere Dinge, die sehr viel Freude bringen (durch Ablenkung). Denn auch der Herbst besitzt seine ihm eigene Innere Schönheit, wie das MfIS herausfinden konnte. Also denn:

  1. So tun als wäre Sommer: Der Menschliche Geist ist eine einzige Selbstlüge: Vollidio**n halten sich für die Größten, ohne in den Spiegel zu schauen, die Wahrheit glaubt kein Mensch und unsere Erinnerungen sind meistens eine miese Fälschung. Warum also nicht einfach in luftigen Klamotten im Frühnovember ins Schwimmbad gehen und das Schmuddelwetter ignorieren? Glaube fest daran und Du hast Deinen Sommer zurück! Kleiner Tipp am Beckenrande: Wenn anschließend die Nase läuft, das ist kein Nasenschleim, das ist nur Schwimmbadwasser.
  2. Beine Rasieren: Ob Frau oder Mann, wenn es draußen kalt und schmuddelig wird, dann konzentriere Dich auf Dich selbst. Doch wie geht das? Wer hat das in unserer digitalen, schnelllebigen Zeit noch drauf? Haben nicht die alten Chinesen dieses Wissen mit ins Grab genommen? Hier empfiehlt das Ministerium: Einfach mal voller Achtsamkeit die Beine rasieren, so nahe bist Du Dir selten. Kleiner Tipp am Rande: Ein Hörbuch lenkt ab, aber Musik von Bach ist geschwungen wie Deine Unterschenkel.
  3. Windsurfen: Zugegeben, deutsches Windsurfen auf wellenarmen Badeseen sieht bescheuert aus und ist es auch. Ohne Vokuhila oder Dauerwelle hast Du dabei eh nichts verloren. Doch die Windsurf-Haarpracht gibt es beim Friseur für kleines Geld, dann reicht der Rest des Monatslohns auch für das Board. Und wer so scheiße ist, Windsurfen ohne Wind zu betreiben, dem ist sowieso alles egal – auch das Wetter. Kleiner Tipp am Rande zum Hartz IV: Einfach mal Hartz IV beantragen.
  4. Bunga-Bunga mit Berlusconi: Wem gar nichts mehr hilft, dem hilft der Silvio. Am 29. September 2016 feiert der Duce seinen achtzigsten Geburtstag – und wirkt doch jung wie eh und je. Zu Saufen gibt es sicherlich genug, etwas Rumkugeln und Rumhuren garantiert der adrette Italiener ebenso. Wer sich also selbst einmal vergessen will (und damit alles um sich herum, auch das Wetter), Schwimmbäder nicht mag, keine Beine hat und deshalb selbige weder rasieren noch sich auf ein Surfbrett stellen kann: Du hast den Berlusconi! Kleiner Tipp am Rande zum Faschismus: Das Buffet wird stetig aufgefüllt.

Also, liebe sogenannte „Herbstdepressiven“, befolgt den Rat des Ministeriums! Und heult Ihr nächstes Jahr dann wieder rum, dann seid Ihr selber schuld. Doch eines muss dazu noch gesagt werden, ein Hinweis, so wichtig wie der ewige Wandel für den Fortgang des Universums: Und zwaaaaaaaaaahhhhhhrrrghhh….

[[ Anmerkung des zuständigen Ministers: Leider war der Autor dieses Artikels schwer herbstdepressiv und stürzte sich aus dem Fenster, bevor er den Artikel beenden konnte. Ruhe sie in Frieden. Zur Entschädigung hier noch ein paar herbstliche Filmtipps:

  • Wenn die Gondeln Trauer tragen (1973)
  • Der Geschmack von Rost und Knochen (2011)
  • Oktober November (2013)
  • Melancholia (2011)
  • Der Untergang (2004)
  • Watership Down (1978)
  • So finster die Nacht (2008)
  • The Virgin Suicides (1999)
  • Mad Max (1979)
  • Friedhof der Kuscheltiere (1989)
  • Harry und Sally (1989)
  • Halloween (1978)
  • … und natürlich die rinnenden Regentropfen an Deiner herbstlichen Fensterscheibe (2016) ]]
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Die Nähnadel der Wahrheit


„Die Faust der Wahrheit“, „Der Krieg der Gerechten“ und „Das Schwert der Wahrheit“ sind nur drei von ungezählten martialischen Beschreibungen, wie der starke Charakter die Wahrheit in unserer verlogenen Welt zu führen hat: Einer Waffe gleich! Doch diese Denkweise hält das Ministerium für Innere Schönheit für den falschen Ansatz und möchte gerne anders nähen.

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Wozu ist die Wahrheit gut, genauer gefragt: Wozu ist die Suche nach der Wahrheit gut? Ganze Berufszweige haben sich der Suche nach der Wahrheit verschrieben. Das Richterwesen, das Anwaltswesen, das Bildungswesen, die Religion, die Forschung ganz im Allgemeinen. Natürlich stinkt der große Anspruch oft gewaltig, gerade Bildung, Anwälte und Religion nutzen den Wahrheitsanspruch oft nur für die Legitimation diverser eigennütziger Lügengebilde. Doch soll dieses Fass, dessen Boden in den rauchenden Tiefen der Hölle liegt, für den heutigen Gedankengang verschlossen bleiben. Die Suche nach der Wahrheit… tasten wir uns voran.

Der Partner nervt, das Auto ist kaputt, der Arbeitgeber stresst, das Wetter ist scheiße, der Kinofilm, auf den man sich so lange gefreut hat, war eine gewaltige Enttäuschung. Etwas Frust tragen wir doch alle in der Seele. Ungesund ist es, den Frust in sich hinein zu fressen. Ungesund ist es aber auch, sich als Ventil ein unschuldiges Opfer zu suchen. Nun wäre es doch ein Geschenk, unehrlich behandelt zu werden und sich dadurch quasi gezwungen zu fühlen, mal auf den Tisch zu hauen. Oder ins Gesicht! Wer kennt sie nicht, die heiße Wut, von einem anderen Menschen mutwillig ins falsche Licht gestellt zu werden? Der Buhmann, die Schmähfrau zu sein? Quasi Opfer einer Lüge zu werden? Es brodelt in der Seele, man möchte die Faust gegen solcherlei Ungerechtigkeit erheben, am besten hält man noch ein Schwert in dieser Faust: Das Schwert der Gerechtigkeit! Was folgt ist der Krieg, denn (das ist der Wahrheit und der Lüge doch egal, wie herum sie daran beteiligt sind) Gewalt erzeugt Gegengewalt, Gegengewalt erzeugt eine Gewaltspirale – und schon bricht er los, der Kreuzzug der Gerechten! Natürlich nur der Wahrheit wegen, jeder soll doch sehen, dass hier gelogen und betrogen wurde, mit Bumms und Knall und tollen Effekten. Zudem – welch schöner Nebeneffekt – den Frust über den Stress mit Partner oder Chef kann man gleich mit ablassen. Oh Gerechtigkeit, was bist du doch für eine verlogene Sache!

„Das Schwert der Wahrheit“ mag einem ehrenhaften Gedanken folgen: der Suche nach der Wahrheit. Doch bleibt ein Schwert ein Schwert – und Schwerter sind zum Spalten da. Sie trennen nicht zuletzt die Menschen voneinander. „Die Faust der Wahrheit“ mag einem ehrenhaften Gedanken folgen: der Suche nach der Wahrheit. Doch bleibt eine Faust eine Faust – und Fäuste sind zum Zerschlagen da. Sie zerschlagen nicht zuletzt die Beziehungen der Menschen. „Der Krieg der Gerechten“ mag einem ehrenhaften Gedanken folgen: dem Sieg der Gerechtigkeit, somit auch der Wahrheit. Doch Krieg bleibt Krieg, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

„Die Nähnadel der Wahrheit“ benötigt etwas, was eine Faust, ein Schwert und ein Krieg nicht brauchen können: Fingerspitzengefühl. Wer näht, der verbindet, und wer verbindet geht den Weg des Friedens. Er schafft Frieden! Und dient die Suche nach der Wahrheit, so schmerzhaft sie teilweise auch sein mag, nicht letztendlich auch der Suche nach dem Frieden? Dem Frieden nicht nur der Menschen untereinander (dieser Aspekt wäre durchaus kritisch zu diskutieren), vor allem dem Frieden mit sich selbt und mit der Welt? Liegt das Schwert, begründet aus einem diffusen Frust, nicht gerne in der Hand – meinetwegen auch die subtilere Variante: die Giftspritze? Sind das Geschwisterpaar Wahrheit und Gerechtigkeit nicht allzu gerne eine Rechtfertigung dafür?

Einfach wäre es jetzt zu sagen: „Ich muss mich doch verteidigen!“ Aber natürlich! Ist der Angriff da, wird man mit Lug und Trug überzogen, soll man es wehrlos ertragen? Natürlich nicht! Doch mit dem Schwert kann man zertrennen, zerteilen, angreifen, sich wehren… nähen, also verbinden, kann man mit dem Schwert nun einmal nicht. Und mit der Nadel? Verbinden, selbstverständlich. So meint das Ministerium für Innere Schönheit: Das Werkzeug der Wahrheit ist die Nähnadel. Sie verbindet, sie verflechtet die Gedanken und Gefühle zu einem Teppich, auf dem man gut liegen kann. Doch wehrhaft ist die Nadel auch, denn sie ist spitzer als ein Schwert und härter als die Faust.

Nur Thulsa Doom mag dazu seine ganz eigene Sichtweise haben:

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