Neues Jahr, neues Pech!


Wie alle 365 Tage wird auch dieses Jahr alles anders. Die Gesellschaft wird anders. Die Liebe wird anders. Der berufliche Erfolg wird anders. Die Politik wird anders. Das Leben wird anders. Das Klima wird and… oh nein!

Das Jahr 2021 überrollte die starre Welt des Überkonsums mit bisher unerlebten Grausamkeiten: In Großbritannien wurden Sprit und Waren knapp, die Pandemie sorgte für die Qual des geduldigen Wartens an der Kinokasse, Olaf Scholz wurde Bundeskanzler, sogar Friedrich Merz hat eine Wahl gewonnen. Bei so vielen Überraschungen wünscht man sich für 2022 mal etwas Ruhe, Stagnation und Stillstand.

„Ruhe? Hahahaha!“ scheint sich das neue Jahr zu denken und versenkt erst mal den sogenannten Doomsday-Gletscher in der Irreversibilität seines eigenen Untergangs. Auf mittlere Sicht sind Städte wie Hamburg also Geschichte – was die Wissenschaft schon lange (und leider viel zu leise) ahnt, wird zur Gewissheit. Apropos Gewissheit: Gewiss hat auch schon jemand der Hamburger Perle Olaf Scholz Bescheid gesagt?

Was sonst?

Die Impfungen wirken, Omikron scheint als Gamechanger eher positiv zu sein, die Pandemie wird dieses Jahr vermutlich zu Ende gehen. Russland wird vielleicht ein paar Stücke seiner Nachbarländer annektieren, China wird seine Bevölkerung noch gläserner als gläsern machen, die AfD wird sich wie eh und je in großer Weinerlichkeit suhlen, weil ihr die Hand weh tut, mit der sie ausländische Kinder geschlagen hat – die haben aber auch harte Gesichtsknochen, wenn sie mal drei Wochen nichts gegessen haben. Business as usual!

Und während wir kleine, lächerliche Menschheit auf den Müllbergen der Unterwerfung hocken und nicht vorhandene Skills auf TikTok feiern, geht dieser einzigartige (und leider erstaunlich fragile) Planet weiter den Bach runter. Wobei der Bach zum Fluss anschwillt, der Fluss zum Strom und der Strom zur Flut. Und dann? Wir werden vielen verpassten Chancen hinterher weinen… und es mit den wirren Worten von Marie von Ebner-Eschenbach beschreiben:

„Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.“

Veröffentlicht unter klima, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Wir müssen nicht das Klima ändern, sondern uns selbst!


Der menschgemachte Klimawandel ist kein Zufall. Er ist, wie das vorangestellte Adjektiv schon sagt, vom Mensch gemacht – also eine Tat. Die Schuldfrage ist da zwar fehl am Platz, doch besetzt wird dieser freie Platz von der Verantwortung. Klingt anstrengend? Ist es auch!

Es liegt in der Natur des Menschen, die einzelne Tat auch als „Tat“ zu bezeichnen – moralisch, juristisch, historisch. Die (Un-)Taten der Masse hingegen werden in der Regel viel schicksalhafter beschrieben und öffnen dadurch Tür und Tor für die Flucht aus der Verantwortung. Ein anschauliches Beispiel für diese Art der Fehlinterpretation ist der 1. Weltkrieg, der als Urkatastrophe der Neuzeit gilt. So katastrophal seine Folgen waren, ist der 1. Weltkrieg nicht vom Himmel gefallen. Er war ein staatlich orchestrierter und dabei technisch außer Kontrolle geratener Massenmord. Anthropogen – vom Mensch gemacht.

Wie Kriege also menschliche Taten sind – der Weihnachtsfrieden von 1914 zeigt das sehr anschaulich – so ist es auch der (anthropogene) Klimawandel. Konsequent zu Ende gedacht ist es unser Verhalten als Menschheit, das den Klimawandel noch immer viel zu stark befeuert. Der Kampf gegen den Klimawandel ist also kein Kampf gegen schicksalhaften Ascheregen aus den sieben Mäulern eines Fabelwesens, sondern ein Kampf gegen das vielfache, nicht zuletzt systemische Fehlverhalten des gar nicht mal so klugen Homo sapiens. So weit, so wenig Neues.

Da ich hier nur nebenbei mit alten Erkenntnissen glänzen möchte, kommen wir nun zu dem, worum es in diesem kleinen Essay wirklich geht: Um Lösungen, die im Menschen liegen, und um deren sinnvolle Kategorisierung – verschiedene Kerne eines gemeinsamen Apfels. Denn genügend Arroganz wohnt in meinem Herzen, um diesen Kernen Ratschläge zu geben, ohne mich dabei moralisch schlecht zu fühlen.


Beginnen wir mit…

Kern 1 – PolitikerInnen

Die Maslowsche Bedürfnishierarchie gilt für jeden Menschen gleichermaßen. Sind die physiologischen Bedürfnisse befriedigt, so klopft schon das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Wärme an die unbewussten Hirnfunktionen. Und je höher der Status, desto sicherer ist das soziale Nest – zumindest im Äußeren, wo das Geld regiert. Wer mag es also den PolitikerInnen verdenken, wenn sie nach den hohen, gut dotierten Pöstchen greifen und nicht zuletzt die Chancen einer lebenslangen Rente im Blick haben? Ich finde das verständlich und will es niemandem zum Vorwurf machen, diese Vorzüge nebenbei mitzunehmen. Das Zauberwort ist: Nebenbei!

Wohin die Reise geht, wenn das Nebenbei zur Hauptsache wird, das haben uns die Maskendeals 2021 anschaulich vorgeführt: Die Kernaufgabe wird vernachlässigt, weil die Gier überhand nimmt. Die Nähe zu psychopathischem Verhalten ist da nicht mehr weit, denn wer im Bundestag sitzt, sollte eigentlich begriffen haben, dass die untersten zwei Stufen der Bedürfnishierarchie auf Lebenszeit erfüllt sind und es daher keine rationalen Gründe mehr gibt, zuerst auf deren Befriedigung und anschließend auf die Nöte der Bevölkerung zu blicken. Manche haben das begriffen, andere nicht.

Mein Aufruf ist also der Bodenhaftung gewidmet, und die ist in den höheren Sphären wie die Liebe: Schön, sie zu haben; doch geht der Blick nur auf sich selbst, dann kehrt sie sich ins Gegenteil. Wollen wir den Planeten retten, dann geht das nicht mit Egozentrik und dem Mr.-Burns’schen Wahnsinn eines Friedrich Merz. Daher sollte – neben dem stetigen Hinterfragen des eigenen, sich ewig wandelnden Charakters – auch der Kontakt zum festen Boden nicht vergessen werden. Denn, egal an welchen Stuhl wir uns gewöhnt haben, den Planeten retten wir nur gemeinsam. Oder wir verlieren. Gemeinsam.

Kern 2 – WissenschaftlerInnen

Immer wieder nerve ich im Podcast der Leipziger Scientists 4 Future mit der felsenfesten Überzeugung, die Wissenschaft müsse lauter und deutlicher werden, wenn wir das heutige Klimasystem noch irgendwie retten wollen. Trotzdem ist mir bewusst, dass die Aufgabe der Kommunikation nicht bei den forschenden Nerds liegt, sondern bei Presse (s.u.) und Politik (s.o.). Nun hat uns die Corona-Pandemie aber gezeigt, dass das kleinere Problem journalistisch und politisch fast alles überdeckt, wenn es zeitlich näher liegt. Das menschliche Verhalten ist eben nicht für abstrakte, zukünftige Schwierigkeiten gemacht, sondern für das spürbare Jetzt.

Zurück zur Prophylaxe. Bei einer Welt über plus 2K wird die Frage nach der Aufgabenverteilung obsolet. Wenn uns die Kippkaskaden um die Ohren klatschen, dann haben wir als Menschheit irreversibel versagt. Die Wissenschaft weiß sehr genau, dass wir die Trägheit eines Systems von planetarer Größe nicht unterschätzen sollten. Da verhält es sich mit dem Klimawandel wie mit dem Biss der Schlange: Der Biss tut zwar weh, die großen Schwierigkeiten kommen aber später. Und deutlich heftiger.

Die Ursachen des Klimawandels sind erforscht, die Antworten liegen auf dem Tisch. Unser größtes Problem ist die gesellschaftliche Zerissenheit, die auf viel Unwissen und Missverständnissen beruht. Die Lösung des Problems liegt in der Kommunikation, einer Geisteswissenschaft. Und da die Naturwissenschaften am besten wissen, wie es steht und was zu tun wäre, die hiesige Presse aber viel zu selten und viel zu zaghaft kommuniziert (von der Politik ganz zu schweigen), ist eine klare, empfängerfreundliche Kommunikation keine Frage mehr des Wollens, sondern des Überlebens. Unserer Kinder, by the way.

Kern 3 – AktivistInnen

Die Wissenschaft ist zu leise, die Politik ist inkonsequent, die Wirtschaft und die Gier nach unendlichem Wachstum machen die AktivistInnen schier wahnsinnig. Und sie haben recht, es geht an allen Ecken und Enden viel zu langsam, an manchen Ecken sogar rückwärts. Sehenden Auges spuckt die Welt auf die Gräber ihrer Kinder – was drastisch klingt ist eine messbare Wahrheit.

Was also tun? Dem nächsten SUV-Fahrer mit Schmackes in den (mutmaßlichen) Mikropenis treten und Jair Bolsonaro ein Killerkommando in seine Villa schicken? Nein, das ist sicherlich der falsche Weg. Und so haben gerade die jungen Leute, deren Zukunft deutlich bedrohter ist, als die eines orangegesichtigen Mittsiebzigers, ein doppeltes Problem. Angst vor der Zukunft und den damit gepaarten Handlungsdruck auf der einen Seite, die zwingende Notwendigkeit, strategisch klug und zielführend zu agieren auf der anderen. Emotionalisierungsfalle, ick hör dir trapsen…

Das heißt allerdings nicht, dass die Emotionen unsichtbar sein sollten. Ganz im Gegenteil, sichtbare Emotionen bewegen die Menschen und sind – ganz nebenbei gesagt – der grundlegende Impuls für oder gegen jede Handlung. Und hier ist es meinen ganz persönlichen Emotionen ein Bedürfnis, auf folgende Unterscheidung hinzuweisen: Sind die Emotionen, die ich bei mir und anderen auslöse, bremsende oder motivierende Emotionen? Wo wir wieder beim Killerkommando in Bolsonaros Villa wären: Kämpfen wir nicht gegen etwas, kämpfen wir lieber für etwas. Für eine lebenswerte Zukunft! Und zwar mit stabilen Leitplanken in der emotionalen Achterbahn.

Kern 4 – JournalistInnen

Hier will ich noch einmal die Maslowsche Bedürfnishierarchie erwähnen. Je größer der persönliche Einfluss auf die öffentliche Meinung ist, desto höher steigt man im sozialen Ranking – das mittlere Bedürfnis des Homo sapiens (s.o.). Wie schon bei den PolitikerInnen beobachtet, droht hier die Gefahr des selbstreferentiellen Größenwahns – und das zu Lasten von Sachlichkeit und Themenwahl. Besonders bedenklich ist hierbei das ständige Hereinfallen auf das Problem der False Balance. Einer von vielen vermeidbaren Fehlern.

Journalismus ist – analog zur Politik – eine Aufgabe zum Nutzen der Gesellschaft und nicht für das eigene Ego. Was das Ego als Nebeneffekt für sich mitnimmt, sei ebenso gegönnt wie guter Lohn für gute Arbeit. Doch auch hier – oder gerade im so meinungsbildenden Feld des Journalismus – sollte die Reflexion der eigenen journalistischen Sorgfalt ein elementarer Teil der Arbeit sein. Jeder ehrliche Artikel, jedes Format zu den Themen von Klimawandel und Biodiversitätskrise in allen Ehren… doch wenn wir die aktuellen Pfade betrachten, dann wird deutlich, dass die Drastik der Realität an der Presse zumindest quantitativ weit vorbei geht.

Kommunikationspsychologie ist eine Wissenschaft, die einem sorgfältigen Journalismus nicht fremd sein sollte. Denn bei aller gebotenen Neutralität will jeder Journalismus doch erreichen, dass das Publikum die Nachrichten versteht und ihren Hinweisen vertraut. Was die BILD und deren Freunde absichtlich sehr falsch machen, darauf muss in Sachen Klimajournalismus größter Wert gelegt werden: Ehrlich die Zustände vermitteln, ohne durch deren katastrophalen Ausmaße das Publikum zu verschrecken. Denn wohin sich verschreckte Gesellschaften entwickeln, das ist ja gerade in Deutschland bestens bekannt…

https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/downloads/report/IPCC_AR6_WGI_SPM_final.pdf (S.13)

Fazit

Die Titanic ist schon halb über den Eisberg geschrammt, trotzdem schlürfen wir im Ballsaal Sekt und sind vor allem mit der um sich greifenden Fledermausvergiftung beschäftigt. Weil die fühlen wir ja ganz akut, während das Schiff zwar komisch wackelt, aber noch – gefühlt! – sehr sicher fährt. Aber mal Hand aufs Herz: Wollen wir wirklich unsere Kinder ersaufen lassen, nur weil wir heute nicht zu Potte kommen?

Zuletzt: Bei aller selbstbewussten Meinungsfreude und kritischen Betrachtung, die hinter diesen Zeilen stecken, bitte ich darum, dies als Blickwinkel zu verstehen. Die Menschen, ihre Wege und Gedanken sind verschieden, da gibt es keinen Allmachtsanspruch. Hoppla, hat er das wirklich so geschrieben? Ist ein solcher Satz – bei aller Wahrheit darin – nicht tonnenweise Gletscherschmelze auf die Mühlen der Klimawandelleunger? Ja… und nein. Die Antwort liegt in Hannah Arendts klugen Worten:

„Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der [deutschen] Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.“

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Berliner Coolness & die Psyche


Die coolen Leute in Berlin sind frei, wild und stilbildend in unserer Gesellschaft. Sie leuchten hell in der Nacht, wie die fliegenden Globen im L.A. des Jahres 2049. Doch wo Neonlicht strahlt, da sind auch die Schatten nicht weit.

Zu Beginn will ich das möglichste aller Missverständnisse klären: Ich bin ein Verfechter der Individualität, wünsche mir mehr „seltsame“ Outfits und weniger Krawattenständer auf der Straße und bin meilenweit davon entfernt, auffällige Menschen als psychotisch zu diffamieren. Es liegt vor allem Licht im Individualismus, oftmals sogar ein sehr befreiendes. Trotzdem soll es in diesem kleinen Essay um einen Schatten gehen, der dort ebenfalls zu finden ist. Und – wie ich meine – ganz besonders in Berlin (siehe Studie).

In einer Großstadt wie Berlin, da ist man wer, ohne irgendwer zu sein. Es reicht der Umzug in ein kleines, rumpeliges Zimmer irgendwo am Rande der Stadt, und schon klebt das Etikett „BerlinerIn“ auf der Stirn. Ein schönes Etikett, mit ganz viel Glitzer, Feenstaub und Einhornsperma (vermutlich als Klebstoff). In der Folge steigt das Ansehen in den digitalen Grüppchen weit über Bottrop oder Görlitz hinaus. Ja, selbst das Münchner BMW- und Weißwurst-Etikett ist dagegen wenig wert.

BerlinerIn, HauptstädterIn, vielleicht sogar InfluencerIn. Ein Herrengedeck zum Frühstück, ein Joint zum Mittag, die Sonnenbrille ins Gesicht… was in Görlitz noch zu einem erschrockenen Artikel in der örtlichen Zeitung führen würde, das fällt in Berlin nicht mal im Treppenhaus auf. Freiheit! Seit den Hippies leider viel zu eng mit den Drogen verknüpft, wie schon Hunter S. Thompson hautnah zu berichten wusste.


Der Gipfel der Hippness als ewiger Quell des Glücklichseins? Auch – oder gerade – in Berlin bricht sich die ganz persönliche Welle oftmals am höchsten Punkt und rollt von diesem Punkt mit aller Kraft zurück. Drückt arme, instabile Seelen in muffige Sofas zwielichtiger Keller, und lässt sie am Morgen einsam und gebrochen auf der Straße zurück. Am Bahnhof Zoo und überall: Nicht nur die Revolution, auch Berlin frisst seine Kinder.

Der Moment auf dem Sofa, wenn die depressive Verstimmung in eine handfeste psychische Störung kippt, oder das suizidale Warten an den Gleisen auf den letzten Zug, der nicht kommt… werden unter den Asphalt gekehrt oder mit cooler Musik unterlegt. Das war schon immer so und wird sich im Zeitalter des Homo sapiens kaum ändern. Oder ist es das Zeitalter des Turbokapitalismus: Verdrängen und übertünchen, mit Gucci und Glitzer, was der TEDi hergibt? Wollen wir noch sein oder reicht uns schon der Schein?

Die digitalen Medien sind (wie) dafür gemacht, sich und die Welt mit der bunten Scheinwelt cooler Bilder zu belügen. Instagram ahoi! – die Bilder, Likes und fancy Sprüche sind dabei nichts anderes, als die abperlende Tapete in der WG-Küche. Sie übertünchen den kalten, bröseligen Seelenputz mehr schlecht als recht – den großen, medialen Erfolg hingegen, mit dem man sich ein ganzes Heer an Tapezierern leisten kann, den erreichen nur die Wenigsten.


Hat die Tapete nun Glitzer aus Berlin und ist im Muster der Hauptstadt angelegt, dann lenkt sie besser ab, als triste Raufaser aus Erfurt. Da strahlt die Magie der großstädtischen Zwischenwelten ebenso, wie der Zauber von unendlicher Freiheit, ewiger Jugend, Party, Sex und Rauschzuständen. „Realität ist was für den, der nicht mit Drogen umgehen kann!“ schallt es laut aus Hamburg herüber, und trifft in Berlin auf fruchtbaren Boden.

Auch hier sei noch einmal auf Missverständnisse eingegangen: Party, Sex und Drogen haben unbestreitbare Vorzüge, die in einem jedem Leben ihre Spuren hinterlassen sollten. Schwierig wird es da, wo diese wunderbaren Vorzüge in eine Sucht, in eine Flucht vor der Welt oder sich selbst hinüber diffundieren. Denn kein Leben ist verlorener als das, an dem die Welt unbemerkt vorüber zieht. Nicht, dass die Welt jedes kleine Leben kennen muss, aber jedes noch so kleine Leben sollte doch die Welt erleben.

Und so hoffe ich, bei den vielen starken, liebevollen Charakteren in der Welt, mit diesen Zeilen einen Sinn geschärft zu haben. Einen Sinn für das, was unter der Tapete liegt. Denn Helden müssen wir nicht sein, schon gar nicht nur für einen Tag. Aber schön wäre es doch, wenn wir sind wie wir sind… gesund, zufrieden und ein ganzes Leben lang.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

41 Jahre steter Wandel


Ich bin ein Kind des vergangenen Jahrtausends, geboren zu Beginn des Jahres 1980, gerade an dem Tag, als Abol Hassan Banisadr mit 75,7% die iranischen Präsidentschaftswahlen gewann. Ein interessantes Kerlchen übrigens, das von einer iranischen Zeitung damals als „Stalin plus Abraham Lincoln plus Don Quichotte“ beschrieben wurde. Doch will ich hier nicht über einen alten, iranischen Präsidenten referieren, sondern – aus meiner subjektiven Sicht – über die Veränderungen, die diese Zeit begleiten: Digitalisierung, Artensterben, Klimawandel, Sprache und Gesellschaft.

Da ich stramme 80 Jahre als Lebensalter anvisiere, befinde ich mich nun in der Mitte eines prall gefüllten Lebens. Das ist kein Grund für melancholische Anfälle, aber für einen genaueren Blick zurück und einen ebensolchen Blick nach vorn dann schon. Und da sind es nicht die Erfolge und Verfehlungen der eigenen Vergangenheit und die verlorenen und noch erfüllbaren Träume für die Zukunft, an denen mein Blick haften bleibt. Oh nein – es ist die Relation zur Weltgeschichte, deren Zeuge ich bin. Als handelnde Person natürlich, vor allem aber als ein Zeuge dieser Zeit. Und das ist … ich kann es nicht anders sagen: Faszinierend! Zum staunen fetter Tetris-Klötze!

Was für jüngere Menschen, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, eine Normalität ist, ist für viele 40+ ein Mysterium, das bei der Nutzung von Netflix und WhatsApp schon zu Ende ist. Sehr grobschlächtig gesagt: 40+ bedient die Technik nach Anleitung, die Jüngeren verstehen deren Wirkung und wie man sie sich individuell zunutze macht. Ich stehe mal wieder genau dazwischen: Als Erwachsener habe ich in einer Welt fast ohne Handys und Computer gelebt – Windows XP kam ein viertel Jahr vor meinem 22. Geburtstag auf den Markt, das Nokia 3310 war der allerneueste Hit, Youtube wurde als Unternehmen gegründet, als ich 25 Jahre war und das erste Mal in eine andere Stadt gezogen bin. Als ich erwachsen wurde gab es noch kein Internet, über das man sich mit anderen Menschen austauschen konnte, außer der Email, die fast so langsam war wie ein Brief per Post. Dass diese rasante Digitalisierung in den letzten 20 Jahren die Welt immens verändert hat, das ist klar. Und zwischen diesen beiden Welten zu stehen, das ist – um es mit Schere, Stein, Papier, Echse, Spock zu sagen – faszinierend!

Und jetzt kommt der Klimawandel und ganz nebenbei macht der Kapitalismus die Grätsche. Und auch da liegen meine AltersgenossInnen wieder mitten auf der Straße mit Blick in beide Richtungen. Die Autoscheiben voller Insekten im Sommer sind für mich noch immer eine gefühlte Normalität, weil ich sie einfach viele Jahre lang immer wieder erlebt habe. Hunderte Zitronenfalter in einem Fliederbusch? Heute zu Tränen rührend, in meiner ersten Lebenshälfte nichts wirklich Ungewöhnliches. Beim Kuchen auf der Sommerterrasse brauchtest du eine Abdeckung gegen die Wespen, sonst war der Kuchen schneller weg als Armin Laschets Kanzlerschaft – auch das ist ein Lebensgefühl, das ich weiterhin in mir trage, auch wenn die Realität heute eine andere ist. Heute ist für mich gerade das Insektensterben immens fühlbar – auf meine erhoffte und geplante Lebenszeit gemünzt ist die Spanne von 1980 bis 2060 die Zeit, in der die Insekten verschwunden sind. Vorher und Nachher, das bestimmt nicht nur mein Leben, sondern das Leben aller meiner Altersgenossen.

Die 90er Jahre, in denen ich meine Jugend gelebt habe, die erste Freundin, den ersten Sex, die ersten Partys, das Erwachsenwerden… das war die High Time des Kapitalismus. Auch wenn ich mich schon immer in den alternativen und weniger konsumgeilen Kreisen bewegt habe, kenne ich sie eben noch sehr gut, diese Zeit mit dem Lebensgefühl: „Die Gefahr eines Atomkriegs ist gebannt, jetzt geht die Party los und die Welt wird ein Paradies (der Dinge)!“ Heute bröselt das alles immer deutlicher in sich zusammen – wobei wir mit Digitalisierung, Klimawandel und Kapitalismus nun schon drei Straßen haben, die sich (natürlich zufällig) etwa in der Mitte meines Lebens kreuzen und dabei auch in sich selbst einen Mittel- oder Wendepunkt selbst darstellen. Und das ist faszinierend plus ein Schuss Magie: Amazing! Doch damit nicht genug.

Tatsächlich hat die Digitalisierung und die damit einhergehende weltweite Vernetzung die Kommunikation immens beeinflusst. Die Grenze zwischen Privat und Öffentlich wurde durch die Sozialen Medien auf mehreren Ebenen aufgebrochen (Kommentarspalten, gestreamte Amokläufe, Live-Videos aus der eigenen Wohnung…), die Grenzen zwischen Menschen an verschiedenen Orten des Planeten ebenso. Nicht nur die Welt – Klima und Gesellschaft – sonder auch die Sprache verändert sich in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit: Von der aufgeblähten Moralisierung kleiner sprachlicher Fehltritte, bis hin zur Bereicherung der Sprache durch Einflüsse von außen. Und das ist dann wohl der vierte Wendepunkt in der Geschichte der vergangenen 40 Jahre – auch da liegt mein schönes Alter also ziemlich in der Mitte.

Ich habe zu Beginn gesagt, dass mir die Melancholie der Lebensmitte ziemlich fern ist. Doch das stimmt nicht ganz, denn ein Komplex macht durchaus melancholisch – und zwar der Klimawandel und das Artensterben. Das ist eine ultrabreite Straße (um bei der klimaschädlichen Metapher zu bleiben), die schon für sich ausreicht, um die Zeit, in der man lebt, in ein nahezu überwältigendes Licht zu rücken – leider überwältigend abwärts: Ich erlebe die Zeit, in der sich der Planet verändert und sich mit einer nicht zu unterschätzenden Wahrscheinlichkeit von einer lebensfreundlichen in eine lebensfeindliche Welt verwandelt. Ich erinnere mich gut an die Zeit, als davon außerhalb der HotSpots nichts zu spüren, das Ozonloch wieder geschlossen war und die Natur intakt schien. Dem diametral gegenüber werde ich die Zeit erleben, in der der Klimawandel in jedem Winkel der Welt und des Lebens zu spüren sein wird. Und in der Mitte meines Lebens stehe ich ziemlich genau zwischen diesen beiden Fixpunkten. Wie gesagt, es sind deren vier, die sich kreuzen, wenn ich als mittelalter weißer Mann mal so tue, als würde nicht auch noch der alte weiße Mann just in diesen Zeiten von der jungen, ökologisch bewussten Frau abgelöst werden (was ich übrigens sehr, sehr, sehr gut finde, dass das endlich mal passiert). Hier also nochmal zusammengefasst, die Mitte der Kreuzung, auf der Menschen meines Alters heute stehen:

· nicht vorhandene und in jeden Winkel des Lebens eingedrungene Digitalisierung

· High-Times und Bauchlandung des Kapitalismus

· tiefgreifender Wandel in der Kommunikation in unserer Gesellschaft

· und der nicht spürbare bzw. überall spürbare Klimawandel

Ich finde das faszinierend. Aber dass gerade die, die mindestens in meinem Alter sind und daher diese ganzen Veränderungen ebenso durchlebt haben und noch durchleben, nun gerade beim Klimawandel einfach kein Bock mehr auf rasende Veränderungen haben und daher so tun, als wären die Fridays For Future eine Gemeinschaft doofer Gören ohne Sachverstand, dass muss ich nicht gut finden, kann es aber auf der psychologischen Ebene verstehen. Denn auf dieser Kreuzung zu stehen, auf der der Wind of Change kräftig und aus jeder Richtung weht, das ist für viele einfach zu viel. Da kann ich es gut nachvollziehen, warum in Fragen der Klimagerechtigkeit das Narrativ der „Veränderung zum Guten“ bei den Älteren nicht wirklich greift. Die wollen einfach ihre Ruhe, da hat sich schon zu viel um sie herum verändert, da sind schon zu viele Autos an ihnen vorbei gefahren, als dass sie für Veränderung – ob gut oder schlecht – noch zu motivieren wären. Und ganz klar: Es ist doch gerade aus dieser Altersgruppe, die ihre zweite Halbzeit des Lebens längst erlebt, geradezu mantraartig als Reaktion auf den Klimawandel zu hören: „Ach, lass mich doch in Ruhe mit dem Scheiß!“ Natürlich sollten wir sie nicht in Ruhe lassen. Aber sie zu verstehen, warum und womit sie überfordert sind, das gehört zu unsren Aufgaben. Denn Verständnis fordern wir ja ebenso – und Verständnis ist keine One-Way-Autobahn.

Ich bin jemand, der das Alte schätzt und gerne bewahrt – also ein Mensch mit einer konservativen Ader. Andererseits bin ich offen für Neues, mag die Veränderung zum Guten, habe keine Angst vor sinnvollen Schritten zurück und habe einen tiefen, inneren Drang, diese aus den Fugen geratene Welt zum Besseren zu formen. Stabilität und Veränderung schließen sich nicht aus, sie können und sollten sich ergänzen. Und was das angeht, war die erste Halbzeit meines Lebens schon ziemlich wild und voll – und damit meine ich eben den zeitgeschichtlichen Rahmen, der meine Lebenszeit umfasst. Doch auch die Zukunft wird Veränderungen bringen, wahrscheinlich mehr denn je. Und davon bin ich zur Zeit eben etwas ergriffen, ziemlich genau in der Mitte des eigenen Lebens, wo ich – wie gesagt – auf einer großen zeitgeschichtlichen Kreuzung stehe, auf jeder kreuzenden Straße aus einer Richtung kommend und in die entgegengesetzte Richtung weiter ziehend.

Das ist spannend, das ist berührend, das ist fordernd und das ist ein Teil von mir. Und es ist ein Teil von dir. Nimm es also an, wie es ist, nimm nicht die ganze Welt auf deine Schultern – denn damit nimmst du allen anderen die Möglichkeit, sie ebenso zu formen. Sei trotzdem ein aktiver Teil der Geschichte und sei dir dabei bewusst: Heute ist der Einfluss eines jeden Menschen größer, als er jemals war. Und deshalb möchte ich mit einem Sinnspruch enden, der nicht nur schön klingt, sondern eben auch Sinn enthält:

Willst du die Welt formen, dann forme zuerst das Werkzeug, mit dem du die Welt formen willst. Dieses Werkzeug, das bist du selbst.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Ein Aufruf: Mit der Stimme den Planeten retten!


„Deine Stimme zählt!“ & „Wir müssen laut sein!“ sind zwei von vielen Slogans und Mutmachern, die in der Klimaszene oft und deutlich zu hören sind. Und dann – wenn nicht gerade eine Pandemie durchs Lande fegt – sind wir auch zu hören: Auf der Straße, in einem Chor, da sind wir viele. Doch an anderer Stelle dünnt es sich aus.

Vorneweg sei gesagt, dass jede Demo und jeder griffige Slogan eine gute Sache ist. Gut weil wirkungsvoll – und da es uns engagierten Leuten nicht ums eigene Ego geht, sondern um diesen fragilen Planeten, ist jede Wirkung wünschenswert. Auch sind wir alle Individuen mit den unterschiedlichsten Stärken und Schwächen – die Eine steht gern auf der Bühne (kann aber Sacharbeit nicht leiden), der Andere mag lieber im stillen Kämmerlein die Datensätze visualisieren (würde aber nicht mal auf die Demo gehen). All das ist gut, bunt und wünschenswert.

Und doch – ohne Kommunikation ist alles nichts.

Als sich Greta Thunberg 2018 mit ihrem berühmten Schild Skolstrejk för klimatet vor den schwedischen Reichstag setzte und damit eine weltweite Bewegung auslöste, da tat sie im Grunde eine sehr einfache Sache: Sie kommunizierte. Via Schild. An einem gut gewählten Ort. Hartnäckig an jedem Freitag. Hätte Greta stattdessen die gesammelten Datensätze der Klimafolgenforschung im Briefkasten der schwedischen Regierung abgelegt, dann wäre FFF noch immer die Abkürzung für das (empfehlenswerte!) http://www.fantasyfilmfest.com/, die weltweite Klimabewegung namens Fridays For Future wäre jedoch ausgefallen. Da waren also drei einfache Worte wirkungsvoller als tausend Seiten Datensatz.

Nun hat sich seither viel getan. Die Politik steht unter Druck, unter dem Label https://de.scientists4future.org/ vernetzen sich WissenschaftlerInnen weltweit, die Wirtschaft kommt mit Greenwashing kaum noch hinterher… und die Aktivisten sind immer öfter mit Politik und Wirtschaft im direkten Austausch. Das Thema und seine Dringlichkeit dringt täglich tiefer in Talkshows, Vorstandsetagen und Hinterzimmer – also dort, wo Kandidaten gehyped oder gebrochen und Entscheidungen getroffen werden. Und das ist gut, denn unsere Wirkung wandelt sich vom Gießkannenprinzip der Straßendemo zum zielgenauen Einfluss direkt an der Quelle.

Es ist spannend und motivierend, in der Öffentlichkeit zu stehen. Es ist warm und angenehm, anderen Menschen mit Rat und Tat eine Stütze zu sein. Und es ist geradezu sportlich reizvoll, harte Verhandlungen im Hinterzimmer zu führen. Und doch ist all das schwer. Verantwortung ist eine Bürde, populistischer Gegenwind in den Asozialen Netzwerken eine reale Bedrohung, die Ängste der anderen belasten auch das eigene Gemüt. Greta Thunberg (18), Volker Quaschning (52), Luisa Neubauer (25), Adenike Oladosu (26), Carola Rackete (33)… es sind dann doch nur wenige (und meist recht junge) Schultern, die diese Last zu tragen haben. Den Druck dieser vordersten Frontlinie – mit all seinen Impacts tief in das Private hinein – muss man erlebt haben, um ihn zu verstehen.

Geteilte Last ist halbe Last.

Geschliffene Rhetorik, Bühnensicherheit, Gruppendynamik, Vortragsdramaturgie, Kommunikationspsychologie, Selbstbewusstsein, Impulskontrolle, Leadership… sind die Kompetenzen derer, die als Einzelpersonen so laut und wirkungsvoll auftreten, wie es an anderer Stelle eine ganze Demo schafft – diese Menschen, die wir als Vorreiter und Vorbilder bezeichnen. Doch all ihre eindrucksvollen Kompetenzen sind kein Hexenwerk und auch nicht in die Wiege gelegt. So unterschiedlich Menschen sind, so unüberwindbar sich Ängste und Lampenfieber auch anfühlen mögen: Vom Überwinden des inneren Schweinehundes bis hin zur selbstbewussten, kompetenten Kommunikation reden wir von einem erlernbaren Handwerk. Denn wie hat schon Thomas Alva Edison gesagt: „Ein Prozent Inspiration – neunundneunzig Prozent Transpiration.“ Ja, Handwerk ist Arbeit.

Auch dieser Text besteht aus einem Prozent Inspiration – der Rest war Arbeit. Ich hoffe natürlich, dass die Arbeit erfolgreich war und dabei ein flammender Appell an Dich entstanden ist! Ja, an Dich! Lerne das Handwerk der selbstbewussten Kommunikation, überlasse die Menschen an der vordersten Front nicht sich selbst. Je mehr AktivistInnen den Schritt über den Rand unserer gemütlichen Blase wagen – hinein ins Land der Skeptiker, Leugner, Gegner und Verirrten – desto breiter ist die Front und desto fairer ist die Last verteilt. Und letztlich… wenn wir so willig, wütend und vehement Aug‘ in Aug‘ mit unseren PolitikerInnen diskutieren, in den Talkshows und auf den Podien debattieren, wie wir es im Schutz der Masse auf der Straße sowieso schon tun, dann werden unsre Kinder und Enkelkinder mit Freuden an eine Generation zurück denken, die es geschafft hat, diesen fragilen Planeten zu bewahren: An uns, an Dich – mit Stolz, mit Liebe und mit Dankbarkeit!

Veranstaltungstipp
Die Klimadebatte – Ob Kommunikation den Planeten retten kann?
16.07.2021 von 19:00-21:00
Sitzungssaal Neues Rathaus Leipzig
Anmeldung via: dominic.memmel@gmail.com
Weitere Infos: https://www.wissen-in-leipzig.de/programm-nach-einrichtungen/scientists-for-future/

Buchtipps
• Edelmann, Walter – Lernpsychologie
• Eibl-Eibesfeldt, Irenäus – Liebe und Hass – Zur Naturgeschichte elementarer Verhaltensweisen
• Fletcher, George P. – Loyalität – Über die Moral von Beziehungen
• Hofmeister, Roman – Handbuch der Redekunst
• Piattelli-Palmarini, Massimo – Die Illusion zu wissen: Was hinter unseren Irrtümern steckt
• Riemann, Fritz – Grundformen der Angst
• Roth, Gerhard – Bildung braucht Persönlichkeit
• Rüdiger, Adolf – Stimmbildung im Lied

Veröffentlicht unter klimawandel, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Alleinerziehende Mütter for President!


Die Welt wird seit Anbeginn der Sesshaftigkeit von Männern regiert. Das muss nicht immer schlecht sein, denn letztlich geht es um Charakter und kognitive Eignung, nicht um das Geschlecht. Doch wenn man sich den ganzen Asphalt mal genauer ansieht, den Männer so gerne über Land und Landschaft legen…

Im Sport heißt es gerne: „Never change a winning team!“ Nun ist das Team „Patriarchat“ ein echtes Loosing Team, was im Umkehrschluss natürlich den Gedanken nahelegt, diesem Team nicht länger hinterher zu trotteln. Wir gottgleichen Männer haben es schließlich in (evolutionär gesprochen) allerkürzester Zeit geschafft, nicht nur die Mannschaft zu gefährden, indem wir dem Menschen die Lebensgrundlagen entziehen, wir haben ganz nebenbei schon das halbe Stadion abgefackelt. Und die Feuerwehr wird ausgelacht und mit Steinen beworfen, weil das ja so schön knallt und echt viel Spaß macht – na Bravo! So dumm kann doch eine Frau nicht sein? Doch, kann sie, aber eben nicht jede.

Ist eine Machtposition kein Selbstzweck – was sie auch niemals sein sollte – dann ist ihr Zweck ganz offensichtlich der, dass sie dem Wohl der Menschen dienen soll. Das trieft ja nur so von den Wahlplakaten, auch wenn es selten eingehalten wird. Und warum nicht? Weil ein privilegierter Mann auf seinem Weg durch die Funktionsräume der Republik fürs Leben nicht viel lernt, außer dass es immer Häppchen gibt. Wer aber ein ungeborenes Kind wachsen gespürt hat, wer diesem Kind die Lebensenergie durch den eigenen Körper gespendet hat, wer unter Schmerzen geboren und diese unendlich hilflose Zerbrechlichkeit eines neu geschlüpften Fleischwürstchens wiederum mit dem eigenen Körper genährt hat, der – Entschuldigung: die – mag eine Haltung zum Leben entwickeln, wie sie ein Christian Lindner kaum erahnen und ein Friedrich Merz… nun ja. Ich übrigens auch nicht – da darf ausnahmslos jeder Mann demütig den Schwanz einziehen.

Nun glaube ich kaum, dass es in diesem wunderbaren Universum ein Lebewesen gibt, das ein Kind und seine Zukunft vehementer schützen, erhalten und verteidigen möchte, wie eine Mutter. Kein Gebärroboter a la Ursel von der Leyen, sondern eine echte Mutter, die nicht nur wirft, sondern auch für ihr Kind da ist, wenn es schleimig in die Windel kackt – weil sie will und/oder muss. Und bei all der hippen Gleichheit der Geschlechter lässt sich doch eines mit Sicherheit sagen: Vor der Geburt steht der Mann nur blöde daneben und nach der Geburt verzieht er sich statistisch viel zu oft in sein leichtes Leben als Ernährer. Aber mit den Kollegen vom mittleren Management in der Sauna zu sitzen und zu prahlen, was für ein toller Vater man doch ist… da muss ich schon wieder an Friedrich Merz denken.

Warum nun wünsche ich mir die Lebenserfahrung und innere Haltung einer (liebesfähigen) alleinerziehenden Mutter for President, und nicht per se einer Mutter ganz allgemein?

Erstmal geht es dabei nicht um den faktischen Status, sondern um das Gefühl für Lebenswelten, wie es mir bei alleinerziehenden Müttern deutlich öfter begegnet, als bei jeder anderen sozialen Spezies des Homo sapiens. Auch ein Gandhi scheint eine solche Haltung innegehabt zu haben, auch ein Joe Biden scheint dem nicht völlig fremd zu sein – beiden sei ihre Position also gegönnt. Die Idee ist allerdings die, dass selbst im Jahre 2021 die meisten Familien die junge Mutter an den Herd und an die Nähmaschine stellen, während der Erzeuger für das Einkommen sorgt. Und eben auch die Sorge trägt, genug Geld für Windeln und Familien-Van nach Hause zu bringen und natürlich (nein, das ist eben nicht natürlich) die Finanzverwaltung innehat. Die Mutter ist entlastet, was ja nicht das Schlechteste ist, aber auch geistig unterfordert und von der Welt da draußen ziemlich losgelöst. The little bubble of Kita, Pilates und Babybrei.

Eine alleinerziehende Mutter trägt hingegen das gesamte Paket: Sie ist liebende Beschützerin, begleitende Lehrerin, Verwaltungsbeamte, Arbeitstier, Waschkraft, Familienoberhaupt, Therapeutin für den Erzeuger (damit er das Kind zumindest einmal in der Dekade auch am Wochenende nimmt), Spielgefährtin, Managerin, Frau mit Bedürfnissen ganz außerhalb der Mutterschaft… und vieles mehr. Ich selbst bin immer wieder erstaunt, welche charakterliche Stärke alleinerziehende Mütter mit sich bringen (wen sie nicht daran verrückt geworden sind). Sie denken zielgerichteter und handeln konsequenter als jeder VW-Vorstand der letzten 15.000 Jahre, sind zärtlicher zu Kind, Liebhaber und Ringelblume als jede junge Insta-Schönheit auch nur ansatzweise duckfacen kann, sie können physisch wie sozial fest zugreifen, sind durchsetzungsfähiger als jeder noch so hochbezahlte Trainer von HSV und S04 zusammen, und sie sind dabei mit einem Herzen gesegnet, das stärker schlägt als Mike Tysons Faust und trotzdem weicher ist als Tysons Hodensack nach einem frischen Peeling. Sie sind geduldig und zäh, ohne zu Dörrfleisch zu werden, sind aufmerksam und selbstbestimmt und würden vor allem eines niemals tun: Ihr eigenes Leben über das des Kindes stellen.

Das Kind ist die Zukunft, und die gehört geschützt – wenn das mal kein politischer Kernauftrag ist!

Ein Armin Laschet verhandelt währenddessen noch immer mit dem Zeitungsverkäufer an der Haustür, ein Wolfgang Kubicki starrt der jungen Kindergärtnerin noch immer auf den hübschen Hintern, ein Markus Söder boxt sich noch immer mit dem andren Typ am Autoscooter um den Platz im goldenen Gefährt und ein Bernd Höcke… nun ja, der sucht ja bekanntlich recht erfolglos seine Männlichkeit. Währenddessen hat die alleinerziehende Mutter mal eben ein Kind groß gezogen – nur in der Sauna prahlt sie damit nicht.

.

.

.

PS: Weil gute Gedanken wertlos bleiben, wenn sie sich nicht in Taten kumulieren… diese Macht müsst Ihr Euch schon selber nehmen, liebe Mütter. Von uns Männern ist da nur wenig Hilfe zu erwarten. Denn es ist uns ja bekanntlich ein Graus, wenn Frauen stärke zeigen und uns die Kinder auf das Auge drücken, wenn gerade Wochenende ist. Weil Fußball und Bier und von der schweren Arbeit erholen und so…

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Faschismus – ein Problem im Hirn?


Die Faschisten finden ihn gut, die Anti-Faschisten finden ihn schlecht, Hans-Georg Maaßen sieht ihn nicht: Der Faschismus. Aber wo auch immer er auftaucht, wird er ins Korsett der politischen Betrachtungsweise gepresst. Und somit wird der Faschismus hier zu etwas gemacht, was er gar nicht ist – zu einer politischen Ideologie.

ilsa-she-wolf-of-the-ss_00

Die Frage danach, was etwas wirklich ist, kann natürlich nicht mit dem Symptom beantwortet werden. Wenn ein Hirntumor zu Kopfschmerzen führt, dann hat jemand letztlich keine Kopfschmerzen, sondern einen Hirntumor. Wäre nun der Faschismus im Kern etwas Politisches, dann würde uns die Suche nach seinen Ursachen ebenfalls zu etwas Politischem führen – doch das tut sie nicht.

Nun aber der Reihe nach. Der moderne Faschist bezeichnet seine inländischen Gegner als links-grün versiffte Hysteriker und schreibt diesen Gegnern gewisse Eigenschaften zu. Das ist zwar nicht nett, kann  man aber so machen. Aber wenn Faschisten wie Bernd „Hohlbrot“ Höcke ihre Gegner mit pauschalen Eigenschaften beschreiben, dann sollte das umgekehrt ebenso rechtens sein. Nehmen wir also den handelsüblichen Faschisten des 21. Jahrhunderts, welche Eigenschaften kommen da zustande? Hier eine kleine (unvollständige) Auflistung:

  • Schwarz-Weiß-Denken
  • Einteilung der Welt in gut (Verbündete) und schlecht (Feinde)
  • keine Freunde (Freundeskreis reduziert sich auf ideologisch Verbündete und Blutsbande, stimmen diese Faktoren nicht mehr, dann wird der „Freund“ zum Feind)
  • der Selbstwert ist nicht an sich selbst geknüpft, sondern an den Vergleich mit anderen („Besser als diese…“)
  • Weltbild stark negativ geprägt (Negatives wird erhöht, Positives wird übersehen)
  • Selbstreflexion findet (fast) nicht statt
  • Gewalt wird als legitimes Mittel zur Durchsetzung der eigenen Ziele verstanden
  • Menschen werden als „Mittel zum Zweck“ verstanden
  • Kritik von außen wird als „brutal“ und „unmoralisch“ zurückgewiesen

Ich habe mir den zweifelhaften Spaß gegönnt, diese Liste an Denkmustern und Verhaltensauffälligkeiten unkommentiert in ein Psychologie-Forum zu posten, mit der Bitte um eine mögliche Diagnose. (Ja, ich habe tatsächlich und sehenden Auges den Grundsatzfehler gemacht und Psychologen um eine Art „Ferndiagnose“ gebeten – der Boomerang kam so schnell zurück, wie es zu erwarten war.)

Interessant waren, abgesehen von der leidigen Ferndiagnosen-Debatte*, die psychologischen Einschätzungen. Da wurden interessante Stichworte verwendet, die ich hier mal etwas genauer betrachten möchte. Übrigens gab es keinen Kommentar, der hier auf „psychische Gesundheit“ plädiert hatte – dass ein solches Denken, Fühlen und Verhalten als krankhaft zu beschreiben ist, darin waren sich die Kommentatoren letztlich einig. Hier ein paar häufigere „Ferndiagnosen“:

Borderline

Der etwas verallgemeinernde Begriff des Borderline beschreibt eine ganze Fülle an Persönlichkeitsstörungen bzw. Varianten eines groben Musters. Dieses Muster ist u.A. gekennzeichnet von Geltungssucht, intensiven wie instabilen Beziehungen, Selbsthass (auch gerne auf äußere Bereiche wie Partner, Politik usw. projiziert), deutliche Stimmungsschwankungen, Schwarz-Weiß-Denken, eingeschränkte Empathie und einer ordentlichen Portion Paranoia. Etwas vereinfacht kann man durchaus sagen, dass bei Borderlinern die Fähigkeit zur Liebe (gebend wie nehmend) stark verkümmert ist – Liebe und Vertrauen werden durch Zwang und Kontrolle ersetzt. Na, wer da die Führungsriege unserer Lieblingsfaschisten von der AfD nicht wiedererkennt…

Narzissmus

Der Narzissmus ist eine interessante Form der Selbstbetrachtung. Unreflektiert, sich selbst erhöhend, unfähig zur Selbstkritik und alles ungewünschte Äußere wird entwertet. Auch hier sehen wir eine ganz klare Analogie zu faschistoidem Denken, denn genau da passiert es ja auch, dass die eigene Ideologie, das eigene Land, der eigene sog. Volkskörper ins heilige Walhalla gelobt wird, die ungeliebten Nachbarn aber entmenschlicht ordentlich durch den Dreck gezogen werden. Ein Schwarz-Weiß-Denken, wie wir es auch beim Borderliner antreffen. Beim modernen Faschisten vom Kaliber Höcke kommen wir da schnell zum Stichwort: „links-grün versifft“.

Schamerkrankung

Das fand ich besonders spannend, da es sich hierbei um keine moderne Klassifikation handelt. Und doch scheint mir dieser Begriff durchaus sinnvoll, um eben ein krankhaftes Schamgefühl zu beschreiben. Nun liegt einem solchen Schamgefühl oftmals ein sexueller Defekt oder eine „falsche“ Sexualität zugrunde. Vielleicht steht der Höcke ja auf griechische Jungens? Oder wurde der pubertierende Höcke von Mutti beim Wichsen erwischt? Man weiß es nicht… Scham lässt eigentlich nur zwei Wege zu, mit ihr umzugehen. Zum einen kann man sich ihr stellen und dadurch einen inneren Reifeprozess auslösen. Der faschistoide Weg – in unserem Zusammenhang – ist dann der gegenteilige: Sich von den Ursachen der Scham möglichst lautstark abzulenken.

Ist Dir, geneigter Leser, schon einmal aufgefallen, dass Faschisten ein besonders großes Kontrollbedürfnis in Sachen Sexualität entwickeln? Ich meine, wie will man die „Reinheit der Rasse“ erreichen, wenn nicht über ein Reglementieren der Sexualität? Der gesamte Holocaust samt Euthanasie und den Umsiedlungen blonder Kinder aus dem Osten (die dann an „arische“ Familien abgegeben wurden) waren ein gigantisches Programm zur Reglementierung der Fortpflanzung. Und was ist der Kern jeglicher Fortpflanzung? Natürlich die Sexualität! (Zitat Bernd Höcke: „Wir müssen unsere Männlichkeit wiederfinden!“ Ja, wo hat er seine denn verloren?)

Das Volk ersetzt dabei die Sippe, für die neuer Lebensraum geschaffen werden soll. Die Mechanismen sind nahezu identisch, nur spielt sich alles auf einer größeren Stufe ab – die Armee ersetzt die Horde, der Führer ersetzt das Familienoberhaupt. Was hier erstmal nach natürlicher Auslese und Evolution klingt, ist letztlich das genaue Gegenteil. Denn Evolution – gerade die des Menschen – beruht auf einer immensen Flexibilität des Hirns, der Fähigkeit zur Anpassung, zur objektiven Selbstbeobachtung und – Grundlage jeglicher genetischen Evolution! – eine möglichst große genetische Vielfalt. Faschismus in seiner häufigsten Form ist stark rassistisch. Und Rassismus führt, wenn man ihn zu Ende denkt, zu Inzest und Selbstbefruchtung. Also letztlich zum Aussterben der Art.

Todeswünsche

Man schafft sich bekanntlich seine äußere Welt nach den inneren (psychischen) Gegebenheiten. Von der Totenkopf-SS bis „Sterben für das Vaterland“ ist Faschismus stark durchsetzt mit Todesphantasien. Und überall da, wo der Faschismus weit gekommen ist, da hat er letztlich auch ganz physisch den Tod gebracht. Wie war das damals mit dem schnauzbärtigen Österreicher aus Braunau? Hat der nicht im Angesicht des Untergangs gesagt, dass das Deutsche Volk entweder siegen oder sterben soll? Ja, so ist er halt, der Faschist: Bipolar, sexuell verkrampft und todesdurstig.

Faschismus ist letztlich neben vielerlei anderen Aspekten ein durch sexuelle Degeneration und tiefsitzender lebensfeindlicher Probleme angetriebener Versuch, die Evolution voran zu bringen – indem man genau den entgegengesetzten Weg geht. Faschismus ist der Wunsch nach Untergang, und alle Welt mit hinab zu reißen. Schließlich will der Mensch auf seinem Weg ja nicht alleine sein, egal wie krank er in der Birne ist.

Somit ist dieser kleine Blogartikel ein Aufruf: Sieh, lieber Leser, Faschismus nicht als politischen Akteur, sieh ihn als das was er ist: Ein mögliches Symptom für die Gruppendynamik gewisser psychischer Erkrankungen.

*) Liebe Psychologen, eine Einschätzung ist keine Diagnose. Da die Welt gerade auf der psychologischen Ebene aus den Fugen gerät, sollte Euch und Eurem eisernen Schweigen eine Mahnung sein. Die Welt braucht mehr Wissen über die Psyche, sie braucht mehr Einschätzungen zu den Krankheitsbildern ihrer Führer, wenn sie diese vom Wahn und von Manien geprägten Zeiten überstehen will.

Veröffentlicht unter Bewerte den Politiker, dwm-coachings, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Sport, Sex & Kaugummi – eine Theorie


Wir kennen es von uns selbst, wir kennen es vom Profisport: Das Kauen eines Kaugummis ist gerade unter Stress sehr nützlich. Zwei Vorteile bringt der klebrige Gummi mit sich. Er beruhigt die Nerven. Er hält das nötige Spannungslevel.

murals-2365767_960_720

Was steht dahinter?

Ganz einfach gesagt, ist es die orale Befriedigung. Es gibt beim Menschen (wie übrigens bei jedem Lebewesen) zwei Säulen, auf die alles weitere aufbaut:

  • die Selbsterhaltung
  • die Arterhaltung

Der Mensch ist ein komplexes Lebewesen und hat mit der Kunst, der Muße, dem systematischen Erschaffen und (leider auch) Zerstören einen reichhaltigen Garten auf diese Säulen gepflanzt. Unsere Grundlagen sind weiterhin die Selbsterhaltung (Überleben) und die Arterhaltung (Fortpflanzung) – beide sind interessanter Weise eng mit der oralen Befriedigung gekoppelt. Die Selbsterhaltung durch Nahrung (neben anderen Dingen wie körperliche Unversehrtheit, Temperatur, Lebenssinn) geht den oralen Weg. Wer sich drei oder vier Tage lang nichts in den Mund einflößt, der stirbt. So einfach ist das.

In Sachen Arterhaltung können wir es uns leicht machen und auf das Küssen verweisen. Ich will es ein bisschen schwerer machen und das Küssen auch erklären.

Zärtlichkeiten unter Erwachsenen kennen nur Lebewesen, die Brutpflege betreiben, ihren Nachwuchs also nicht einfach abwerfen, sondern die Brut auch pflegen. Zärtlichkeit wiederum ist ein Kernelement von Flirt und Sexualität. Die Verbindung Küssen-Zärtlichkeit-Sexualität ist übrigens folgendermaßen entstanden (vgl. Eibl-Eibesfeldt „Liebe & Hass“): Die Mutter füttert ihr Junges mit erbeuteter (z.B. Vogel mit Wurm) oder vorgekauter Nahrung. Dieser Prozess des Mund-zu-Mund-Fütterns hat in seiner liebevollen Zärtlichkeit das Küssen entstehen lassen. Wir vergessen ja zu gerne, dass die Sexualität durch die Liebe der Eltern geprägt wird: Die Art und Weise, in der jemand als Kind elterliche Zärtlichkeit erfährt entspricht der Art und Weise, wie sie oder er als Erwachsener den großen Rahmen Sex mit Zärtlichkeiten füllt (nicht eins-zu-eins, es gibt ja neben den Eltern auch das erweiterte Umfeld, die genetischen Vorgaben und die individuelle Selbstregulation). So weit, so erschreckend.

Zurück zur oralen Komponente. Wir sehen nun, dass sowohl die Selbsterhaltung, als auch die Arterhaltung durch orale Reize (Kauen, Lutschen) positiv getriggert werden kann:

  • „Ja fein, ich habe Nahrung im Mund!“
  • „Ja herrlich, ich werde geküsst – und kann mich gleich noch fortpflanzen!“

Dass der bunte Garten des Seins, den uns die Evolution auf diesen beiden Säulen bereit gestellt hat, sehr feinsinnige Nuancierungen zulässt, das weiß jeder für sich und muss hier nicht extra erörtert werden. Wichtig bleibt für uns der Kaugummi – die orale Befriedigung.

Der Sportler

Jeder Sportler hat ein grundsätzliches Problem, dem manche eben recht erfolgreich mit dem Kaugummi begegnen: Das Spannungslevel. Zu wenig Spannung (mental und körperlich) senkt die Leistung deutlich ab. Zu viel Spannung senkt die Leistung zwar nicht im gleichen Sinne, lässt Körper und Geist jedoch „drüber“ gehen, was zu einer erhöhten Fehlerhaftigkeit führt (Krampf, Fahrigkeit). Nun muss sich ein Sportler also einerseits anspannen, andererseits aber auch entspannen, um sein ideales Spannungslevel zu erreichen. (Zudem ist dabei nicht zu vergessen, dass das ideale Spannungslevel zu Beginn eines Marathons ein ganz anderes ist, als auf den letzten Kilometern, was für uns jedoch nebensächlich ist.)

Auf etwas herum zu kauen gibt dem Gehirn die Botschaft: „Alles gut, die Nahrung ist da.“ Das ist gerade beim Kaugummi sehr praktisch, denn man muss in nicht schlucken, sondern kann nahezu ewig (z.B. eine Halbzeit lang) an ihm kauen. Und durch die Süße und Aromen wird auch den Geschmacksnerven permanent suggeriert: „Schön, da strömen Nährstoffe.“ Beim Essen geht der Fokus auf den Teller, wenn der Bissen herunter geschluckt ist. (Der Teller kann übrigens auch das frisch geschlachtete Mammut oder der Apfel am Baum sein.) Diese Ablenkung kann sich ein Sportler nicht leisten – der Kaugummi braucht diese Ablenkung nicht, denn er liegt ja dauerhaft im Mund bereit.

Nebenbei weiß jeder, der schon mal einen Kaugummi im Mund hatte, dass der eigentlich Kau- & Lutschgummi heißen müsste. Und wenn wir beim Lutschen sind, dann sind wir schnell wieder bei der oralen Befriedigung im sexuellen Sinne. Es ist eben sehr lustvoll, an etwas zu lutschen – seien es die äußeren Schamlippen der Partnerin, sei es der Strohhalm im Caipi, sei es ein Eiswürfel im Sommer. Oder eben ein Kaugummi. Gerade beim Lutschen sind sich die Befriedigung durch Nahrungszufuhr (Nippel beim Stillen) und die sexuelle Befriedigung (Nippel beim erotischen Spiel) sehr, sehr nahe. Und das ist eine Situation, für einen Sportler wie gemalt:

  • Auf der einen Seite das beruhigende Gefühl der sicheren Nahrungsquelle. Geist und Körper dürfen entspannen >> der Kaugummi beruhigt die Nerven.
  • Auf der anderen Seite der sexuelle Trigger. Der Körper ist im Lustmodus und seine Anspannung ist kraftvoll, nicht krampfig >> der Kaugummi hält das nötige Spannungslevel.

Abschluss

Sicherlich ist ein Kaugummi nur ein Kaugummi. Er ist weder ein fruchtiger Pfirsich, noch das pulsierende Genital des Sexualpartners. Und er ist sicher nicht das wichtigste Tool im Leben eines Sportlers. Und trotzdem: Eine genauere Betrachtung wert ist er allemal.

Und da meine heiße Knutschpartnerin gerade nicht bei mir ist, greife ich nun zum Ersatz: Dem Kaugummi…

 

Veröffentlicht unter dwm-coachings, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Bielefeld gibt es nicht – der Beweis!


Die angebliche Stadt Bielefeld leidet seit Jahrzehnten unter der Theorie, dass es sie gar nicht gibt. Um diesem Leid endgültig ein Ende zu setzen, hat dieses angebliche Bielefeld nun eine Millionen Euro Preisgeld dafür ausgesetzt, den Beweis für seine Nichtexistenz anzutreten: bielefeldmillion.de. Eigentlich, um das Gerücht endgültig zu beenden. Doch da hat Bielefeld nicht mit der Wissenschaft gerechnet.

Wahrnehmung

Beginnen wir mit der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung einer Sache – ob individuell oder kollektiv – ist kein Beweis für deren Existenz. Das individuelle Beispiel wären hier die berühmten Stimmen im Kopf. Als kollektives Beispiel seien die angeblichen Frequenzen genannt, mit denen „das Volk“ dumm und hörig gehalten wird (HAARP etc.). Es gibt sehr viele Menschen, die felsenfest behaupten, diese Dinge wahrzunehmen. Und das tun sie auch – obwohl weder die Stimmen, noch HAARP etc. nicht wirklich existieren. Um ein Jahrtausende altes Beispiel aufzugreifen, welches permanent individuell wahrgenommen wurde und wird: Die Heiligenerscheinung. Dass also etliche Millionen Menschen Bielefeld wahrgenommen haben, sagt erstmal nichts über die Existenz von Bielefeld aus. Das (etwas vereinfachte) Stichwort ist: Halluzination.

Wie aber funktioniert die Menschliche Wahrnehmung? Hierzu eine Skizze aus Hoymar v. Ditfurth „Der Geist fiel nicht vom Himmel“ (übrigens ein sehr empfehlenswertes Buch):

IMG_20190822_153635

Die Wahrnehmung beginnt bei den Sinnesorganen (Sehen, Schmecken, Hören, Fühlen, Riechen), wobei sich diese Sinnesorgane noch in die Nahsinne (Schmecken, Fühlen – direkter Kontakt zum Organismus) und die Fernsinne (Sehen, Hören, Riechen – kein direkter Kontakt zum Organismus) unterteilen. Doch das nur am Rande.

Die von unten nach oben strebenden Pfeile in  obiger Skizze zeigen die Nervenbahnen an, die zum Zwischenhirn führen. Übrigens führen alle Nervenbahnen (der Sinne) erstmal über das Zwischenhirn, von welchem aus die Signale dann an die Großhirnrinde verteilt werden. Wir sehen also: Alle einkommenden Signale der Sinne (Sinneswahrnehmung entsteht später in der Großhirnrinde) fließen dem Zwischenhirn zu. (Direkte Körperreflexe wie die Irisblende sind hier außen vor, sie funktionieren autonom und landen erst gar nicht im vegetativen Nervensystem. Für unsere Beweisführung der Nichtexistenz von Bielefeld spielen die Reflexe jedoch keine Rolle.) Was aber passiert nun im Zwischenhirn?

Wie es in der Grafik anschaulich dargestellt ist, werden die eingehenden Signale möglichst konzentriert. Bis zur Zwischenhirnebene gilt die Regel „So wenig Außenwelt wie möglich“ (vgl. Ditfurth) – die Konzentration der Signale geht daher mit einer Reduktion der einkommenden Signale einher. Im Zwischenhirn sitzen nämlich die automatisierten, angeborenen Reflexe, die unabhängig von der Individualität des Einzelwesens in der ganzen Art zu finden sind. Aus sehr einleuchtenden Gründen macht es wenig Sinn, das Reflexsystem Zwischenhirn mit einem Berg an Signalen zu fluten. Hier bleiben einzig die Signale hängen, die für das Auslösen des Reflexes nötig sind (z.B. die Form des Raubvogels [kurzer Hals, langer Körper] im Vergleich mit dem „friedfertigen“ Vogel [langer Hals, kurzer Körper]) – alles andere fällt unter den Tisch.

Nun sehen wir in der Skizze sehr schön, was anschließend mit den Signalen geschieht, wenn sie das Zwischenhirn passieren: Sie fächern sich auf, die Reduktion kehrt sich quasi um. In der Hirnrinde gilt das Prinzip „So wenig Außenwelt wie möglich“ nicht mehr. Einfach gesprochen ist die Hirnrinde eine leere Tafel, auf der sich die Welt abbildet. Doch wie soll das gehen, mit all diesen reichhaltigen Wahrnehmungen, wenn die Signale doch vorher durch das Nadelöhr des Zwischenhirns gepresst wurden? Die Antwort ist: Emergenz.

Emergenz (= ein System erzeugt mehr als aus seinen Einzelteilen möglich) kann hier – auch das wieder etwas vereinfacht gesagt – mit Halluzination gleichgesetzt werden. Dies erkläre ich Euch armen „Bielefeldern“ nun am Beispiel der Farbe Blau:

425px-Logo_Arminia_Bielefeld.svg

Die sogenannte Farbe Blau ist in Wirklichkeit eine Lichtwelle (also bewegte Teilchen) im Spektrum zwischen ca. 430 und 500 Nanometern. Bewegte Teilchen (hier: Photonen) sind aber keine Farbe, sondern nichts anderes als bewegte Teilchen. Diese Teilchen – bzw. die aus ihnen entstandene Welle (also ein System aus sich voneinander abhängig bewegenden Teilchen) – trifft auf unsere Netzhaut und reizt die entsprechenden Zäpfchen. Einfach gesagt: Da steigt etwas in unser Auge und wackelt an bestimmten Stellen. Das ist also eine Bewegung und keine Farbe. (Das Wort „Sinnesreiz“ trifft den Nagel auf den Kopf: Der Sinn wird durch etwas Äußeres gereizt.)

Nun ist unser Gehirn ein wahres Wunder der Erzeugung von Halluzinationen. Allein dieses „Wackeln am Zäpfchen“ erzeugt in unserer Wahrnehmung etwas – einen optischen Eindruck – für dessen halluzinatorische Wahrnehmung (wir erinnern uns: Blau ist keine Farbe, sondern eine Wellenbewegung) wir uns das Wort „Blau“ ausgedacht haben. Blau ist eben nicht die Realität, die reizende Welle, Blau ist das, was unser Gehirn aus diesem Reiz macht. Genau genommen – und damit faktisch richtig – existiert Blau also nur als Halluzination in unserem Gehirn, ausgelöst durch einen physischen Reiz. So ist es mit jeder Farbe. So ist es auch mit Tönen, Geschmäckern, Düften und Berührungen. Es existiert ein Reiz, der völlig anders ist als das, was unsere Großhirnrinde daraus macht. Sie muss ja auch halluzinieren, die Sinnesreize geben diese Vielfalt gar nicht her.

Das, was wir „Bielefeld“ nennen, ist eine Kombination aus verschiedenen Signalgebern:

  • die Hauswand, die ich spüre, wenn ich beim Rathaus die Eingangstüre verfehle (Reiz des Fühlens)
  • die dominante Farbe, die ich sehe, wenn Fabian Klos sein Trikot präsentiert (Reiz des Sehens)
  • der Rosenduft im Rosengarten (Reiz des Riechens)
  • das Geräusch der Autos auf den Straßen (Reiz des Hörens)
  • der Geschmack des Teutoburger Wildsaubratens (Reiz des Schmeckens)

Wie wir schon gesehen haben, sind die einzelnen bewussten Sinneswahrnehmungen – also das, was wir so großspurig „existente Realität“ nennen würden – ein halluzinatorisches Potpourri. Und was entsteht, wenn ich die angebliche Stadt „Bielefeld“ mit allen Sinnen wahrnehme? Natürlich eine Potenzierung der Halluzination – denn je mehr Halluzinationen sich zu einem „Bild“ zusammensetzen, desto halluzinatorischer (also weiter Abseits der realen Entsprechung) ist dieses Bild. Existenz (die Grundfrage ist ja „Existiert Bielefeld?“) ist aber genau diese reale Entsprechung, nicht das bunte Abbild davon, das uns unsere Wahrnehmung vorgaukelt.

Das Wort „Blau“ beschreibt etwas, das in der Welt nicht existiert. Es beschreibt keinen Teil dieser Welt, sondern einen Teil unseres Inneren Abdrucks dieser Welt. Wie schon erwähnt führt dies zu einem einzigen logischen Schluss: Blau existiert nicht. Das zugehörige Wort macht nur deshalb Sinn (und nur in unserem begrenzten menschlichen Wahrnehmungs-Kosmos), weil wir uns in dieser Welt, die wir nicht wirklich wahrnehmen, dadurch irgendwie zurecht finden können. Wir tapsen wie die Blinden durch eine Welt, von der wir irrtümlich glauben, dass wir sie sehen können.

Und so ist es mit dem Wort „Bielefeld“ ebenfalls. Es ist zwar ein praktisch nutzbares Tool, entspricht aber nicht der Realität. Es existiert in der Region, die wir der Einfachheit halber „Bielefeld“ nennen, eine Mischung aus Reizgebern für unsere Sinne, die wir (wiederum der Einfachheit halber) unter einen Deckel setzen: Wir nennen das Innere Abbild dieser Reizgeber eben „Bielefeld“. Bielefeld besteht in unserer begrenzten, halluzinatorischen Wahrnehmung. Doch schaut man aus der Objektive, bleibt nur ein logischer Schluss: Bielefeld existiert nicht!

Warum sehen wir Menschen aber diese „Illusionen“ so ähnlich? Warum sieht das nicht jeder Mensch anders? Warum ist Bielefeld auch für einen Münchner Bielefeld und nicht etwa Schondorf am Ammersee? Zuerst einmal sieht tatsächlich jeder Mensch die Welt anders (das gilt auch fürs Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen) – nur eben nicht drastisch, sondern in Nuancen. Und dass es nur Nuancen sind, liegt an einem einfachen Sachverhalt: Wir sind eine biologische Art. Und da wir eine Art sind, sind die artspezifischen Vorbedingungen (beim gesunden Individuum) eben gleich: Zwei Arme, ein Kopf, menschenspezifische Sinneswahrnehmung.

Grenzen

Doch es gibt eine weitere Denkrichtung, welche die Existenz Bielefelds offensichtlich negiert. Vergiss also alles, was mit den Sinnen zu tun hat. Geh eine Rauchen oder eine Katze streicheln. Komme wieder und folge dem weiteren Beweis:

So irreal wie die Farbe Blau ist auch die Grenze eines Stadtgebietes. Und ohne eine Grenze gibt es eben kein Stadtgebiet. Die Grenze besteht auf der Landkarte – im Gegensatz zur menschlichen Haut, die diesen Organismus namens „Mensch“ auch ganz faktisch von seiner Außenwelt abgrenzt. Also ist die Haut eine real existierende Grenze. Doch würde ich – abgesehen von Straßen mit Ortsschild – die Grenze der Stadt überhaupt nicht wahrnehmen, wenn ich es zum Beispiel über eine Wiese verlasse. Ein Huhn nimmt diese Grenzen sowieso nicht wahr. Hierzu wiederum eine erklärende Metapher aus meinen persönlichen Werkzeugkoffer (dwm-coachings.de):

Die Ratio, das Ordnen und Sortieren der Welt (z.B. „Bielefeld geht bis hierhin und nicht weiter“) ist ein sehr nützliches Tool: eine Landkarte. Ich kann mit dieser Landkarte Entfernungen messen und so weiter. Doch das Leben spielt sich nicht in der Ratio ab, sondern im „irrationalen Bereich“: Gefühle, Instinkte, Wahrnehmung. Wenn ich Lust auf einen Apfel habe und auf meiner Landkarte eine Streuobstwiese verzeichnet ist, kann ich noch so oft in meine Landkarte beißen… ich werde keinen Apfel im Mund spüren. Die Landkarte bildet also – hierin verwandt mit der bewussten Wahrnehmung – die wirkliche Welt ab. Doch sie ist nicht die wirkliche Welt. Wer würde auch ernsthaft behaupten, die Verzeichnung des Crüwellhauses auf der Landkarte ist das Crüwellhaus?

So müsste Bielefeld schon physische Grenzen haben, um auch in der Wirklichkeit ein abgegrenztes „Ding“ zu sein. So ähnlich, wie ein Mensch eine Haut hat und sich damit tatsächlich zum eigenen Bereich innerhalb der Welt abgrenzt. Ein zweidimensionaler Ring, wie es die Stadtgrenzen von Bielefeld darstellen (okay, nicht wirklich ringförmig, aber das tut nichts zur Sache), ist keine Abgrenzung zur Welt. Selbst, wenn diese angebliche Grenze aus einer tatsächlich vorhandenen Mauer bestehen würde – was sie ja nicht mal tut. Ganz einfach gedacht, vom Mittelkreis der Bielefelder Alm aus:

  • wie hoch muss ich fliegen, um Bielefeld zu verlassen?
  • wie tief muss ich graben, um Bielefeld zu verlassen?

Und schon sehen wir sehr einfach und klar: Die Stadtgrenzen sind ein theoretisches Konstrukt. Doch bei der Frage nach der Existenz von Bielefeld geht es nicht um das theoretische Konstrukt auf der Landkarte, sondern um ein tatsächliches physisches Existieren (noch einmal sei daran erinnert, die Frage ist: „Existiert Bielefeld?“). Und zuerst einmal stehen wir hier schon wieder dem obigen Problem der Wahrnehmung unlösbar gegenüber. Und des Weiteren existiert keine Grenze, die dieses angebliche „Bielefeld“ gegen den Rest der Welt abgrenzt. Bielefeld hat keine Haut, da kann ich auf die Landkarte malen, was ich will.

Daher lässt sich auch hier nur ein einziger logischer Schluss finden: Bielefeld mag eine (nützliche) theoretische Abstraktion sein. Doch faktisch existiert es nicht. Diese Ansammlung an Häusern, Straßen, Parks und Arminia-Flaggen (die so ja in unserem begrenzten Wahrnehmungs-Kosmos existieren) ergeben eben nicht ein Ganzes. Dieses Ganze ist ein künstliches, theoretisches Konstrukt namens „Bielefeld“. Doch die ausgeschriebene Frage ist die nach der tatsächlichen, objektiven Existenz.

Zwei Gedankenexperimente

Graben wir einen halben Meter unter dem tiefsten Stück Fundament die ganze (angebliche) Stadt aus und zerbröseln all dies, was wir ausgegraben haben, in der Sonne. Ist Bielefeld dann noch existent, nachdem man dort alle Straßen und Häuser entfernt hat? Ist diese Frage überhaupt ganz klar mit „Ja, aber kaputt“ oder „Nein“ zu beantworten? Das ist sie nicht.

Das zweite Gedankenspiel macht es noch viel greifbarer: Benennen wir die Stadt „Bielefeld“ um. Ab dem 03. Mai 2055 heißt Bielefeld nun „Teutowiese“. Damit existiert Bielefeld nicht mehr und wird ein Teil der Vergangenheit. Was ab diesem Datum „existiert“ (wiederum nur in unserer begrenzten menschlichen Wahrnehmung) ist „Teutowiese“. Eine Existenz durch einen Eintrag im Namensregister ändern zu können, ist gleichbedeutend mit: Es hat nie existiert. Nur eine Idee davon, aber die ist ja nicht das Thema der Bielefeldmillion.

Bielefeld ist eine theoretische Konstruktion und nicht das faktische Vorhandensein von Zivilisation auf einem Landstrich. Ja, diese Zivilisation ist da, doch sie ist (wie wir nun wissen) nicht gleichzusetzen mit „Bielefeld“. Und da diese physische Präsenz, die in unserem Gedankenspiel in der Sonne zerbröselt oder in „Teutowiese“ umbenannt wird, nicht mit Bielefeld (einer Abstraktion dieser Präsenz) gleichzusetzen ist, kann diese Frage auch nicht eindeutig beantwortet werden: Existiert Bielefeld nach seiner solaren Zerbröselung oder Umbenennung noch als Bielefeld? Machen Sie den Test in der Kantine… Sie werden sehen, die Meinungen werden auseinander gehen und es wird zu keinem Konsens kommen.

Und dazu kommt noch die nicht vorhandene reale Abgrenzung von Bielefeld zum Rest der Welt. Es sind fließende Übergänge, die kartographischen Grenzen sind nur eine abstrakte Vereinfachung der Realität. Und diese Realität nehmen wir nicht einmal so wahr, wie sie wirklich ist. Bielefeld existiert? Da kann ich nur lachen: „Hahahahaha!“

Andere Städte

Dass diese schlüssige und nachprüfbare Argumentation auch auf jede beliebige „Stadt“ in unserer schönen Welt anwendbar ist, ändert rein gar nichts an der Anwendbarkeit auf Bielefeld. Ganz im Gegenteil wird die Argumentation durch ihre allgemeine Anwendbarkeit sogar gestützt.

Zuletzt

Bielefeld existiert nicht. Was hiermit hinlänglich bewiesen wurde.

Danke für die Millionen. Ich tausche sie ein gegen 750.000€ und eine Jahreskarte im VIP-Bereich der Arminia. Man will ja nicht zu gierig sein.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

GFF – Großeltern For Future!


Teilen wir die Welt in drei Gruppen auf, so haben zwei davon nicht mehr viel Zeit: Die Großeltern, weil ihre Uhr tickt. Die Jugend, weil die Uhr ihres Planeten tickt. Es ist die Uhr der Enkelkinder. Und da ein gemeinsamer Feind (die heutige Erwachsenen-Generation) vereint, ist dies ein Aufruf an alle Großeltern dieser Welt!

gff

„Großeltern (engl.: Grandparents) – Ihr erinnert Euch an diesen magischen Moment, als Ihr das erste Mal Euren Enkel in den Armen halten durftet? Ein neues Leben. Ein Wunder! Doch Eure Kinder rauben diesen kleinen Würmchen ihre Welt, vergiften sie, verbrennen ihre Wälder, überziehen sie mit Angst und Hoffnungslosigkeit. Ob mit rücksichtsloser Absicht, oder aus blinder Ahnungslosigkeit – Eurem Enkel ist das herzlich wurst. Euren Kindern ist es wurst. Und Euch?

Seid nicht wütend auf Eure dummen Kinder. Seid nicht wütend, denn Wut und Tadel haben noch keinen einzigen Baum in dieser Welt gepflanzt. Oder seid wütend. Denn Wut, wenn sie berechtigt ist, ist eine mächtige Energie. Steht also auf und kämpft. Kämpft vereint für eine Welt, in der Eure Enkelkinder leben können! Sollen sie nicht selbst einmal ein Enkelkind in ihren Armen halten, im kühlenden Schatten eines Baumes?

Doch der Gegner ist stark und rücksichtslos. Die Gier, der Mammon, die elende Gewinnmaximierung. Euch treibt dieser Gegner in die Armut und die Einsamkeit – einige wenige macht er reich. Und doch wird es Euren Enkelkindern noch viel schlimmer ergehen. Denn dieser Gegner, diese selbstgerechte Unmenschlichkeit der heutigen Wirtschaft – mehr! mehr! mehr! – hat Euch das Glück geraubt. Euren Kindern raubt sie den Planeten. Und wenn ich in der Schule aufgepasst habe, dann stimmt es wirklich: Wir haben nur diesen einen Planeten. Dieses einzige Geschenk.

Wollen wir einmal ehrlich sein. Ist es wirklich der Sinn des Daseins, zwischen Frühstücksfernsehen und Kaffeklatsch auf das unvermeidliche Ende zu warten? Ist es wirklich ein guter Ausklang eines langen Lebens, in der Bunte die Wäsche fremder Menschen durchzublättern? Leblos den Herbst des Lebens vorbei ziehen zu lassen – wie totes Laub im Wind? Ist es der Sinn des Lebens, einer Welt beim Sterben zuzusehen?

Es sind Eure Jahre. Es ist Eure Entscheidung. Es ist die Zukunft Eurer Enkelkinder. Also steht auf! Vernetzt Euch! Steht Euren Enkelkindern bei!

Es ist nicht mehr viel Zeit…“

Veröffentlicht unter dwm-coachings, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 1 Kommentar