Bias in der Klimablase


Wer sich mit der Klimakrise befasst, wird mit den absonderlichsten Vorwürfen konfrontiert. Doch auch innerhalb der Blase lässt die Argumentationslogik manchmal zu wünschen übrig – oftmals geht es dabei um die öffentliche Kommunikation.

In diesem Artikel möchte ich ein paar solcher Denkfehler aufzeigen. Nicht als Gemeckere (auch wenn der Ärger mal raus muss), sondern als konstruktiver Kompass für die Zukunft, werden hier mehrere Beispiele diskutiert, die entweder in schöner Regelmäßigkeit auftauchen, und/oder in der Schwere ihrer Fehlleistung für größeren Schaden an der Klimadebatte sorgen können. Aber der Reihe nach…

FALSCH: Wir haben noch eine realistische Chance für 1,5°

Beginnen wir mit dem härtesten Brocken, der da heißt: Nein, es gibt keinen realistischen Pfad mehr, in dem wir als Menschheit die Erderwärmung dauerhaft unter der magischen Grenze von 1,5° halten können. Selbst das Umweltprogramm der Vereinten Nationen kommt zu dieser Schlussfolgerung¹. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Die absurde Geschwindigkeit, mit der die Weltgemeinschaft alle Emissionen stoppen müsste, wie auch die massiven Investitionen in eine globale Carbon-Capturing-Industrie, sollen hier beispielhaft genannt werden². Zudem entzieht sich die Komplexität der Kippelemente³ einer genauen Prognose, so dass diese nur unzureichend in die Klimaprognosen eingearbeitet werden können, manche kommen daher schlicht on top. Ein weiteres großes Pfund ist die Menschheit selbst, die mitnichten im nötigen Umfang die Schwere unserer Probleme zu verstanden haben scheint – selbst in einem aufgeklärten Land wie Deutschland sprechen die Rekordwerte an Autozulassungen⁴ eine deutliche Sprache. Von klimafeindlichen Strömungen in Politik und Wirtschaft ganz zu schweigen.

Als Menschen tun wir uns sehr schwer, beängstigende Realitäten zu akzeptieren. Gerade in der Klimaszene ist das Narrativ der 1,5° nicht nur für die Außenkommunikation sehr wichtig, es gibt auch intern Halt und Hoffnung. So ist es auf der emotionalen Ebene nur zu verständlich, dass sich mancherlei Aktive sehr schwer damit tun, dieses Narrativ über Bord zu werfen – es kommt einem fatalen Scheitern gleich, als würde man sich auf der Titanic beim Pumpen von Wasser eingestehen, dass das Schiff letztlich sinken wird. Es ist also sehr schwer, von diesem Narrativ zu lassen, und es scheint ein inneres Festhalten zu sein, das die Außenkommunikation oft steuert. Persönliche Gefühle sollten jedoch (in der Klimadebatte) niemals zu unsachlicher Außenkommunikation führen – die Leugner versuchen uns mit allen Mitteln als Paniker zu degradieren, dem dürfen wir mit falschen Angaben nicht Vorschub leisten. Wie fadenscheinig die Begründungen dann sind, das sehen wir gleich.

FALSCH: 1,5° verloren = alles verloren

Wir laufen schnurstracks in ein ökologisches Desaster, selbst die heute 40-Jährigen werden noch eine Welt erleben, die so sehr aus den Fugen geraten ist, wie wir es uns heute nur schwer vorstellen können. Selbst das Aussterben der Menschheit wird mittlerweile als realistisches Szenario gewertet⁵. Da die Marke von 1,5° eine Schwelle beschreibt, ab der wir mutmaßlich einen umfänglichen Kontrollverlust erleben werden, diese 1,5° jedoch nicht mehr realistisch sind, könnte man nun ableiten, dass sowieso alles verloren ist. Was aber ist dieses „alles“ und warum ist es Quatsch?

Kontrollverlust bedeutet nämlich nicht, dass wir gar nichts mehr beeinflussen können. Warum? Einerseits sind der technischen Kreativität des Menschen nur wenige Grenzen gesetzt, so dass es neben Carbon Capturing weitere Optionen zu geben scheint, die uns einen gewissen Zugriff auf die Erderwärmung auch jenseits von 1,5° gewährleisten könnten⁶. Zugegeben, diese Techniken und Methoden⁷ sind keine Gamechanger – auch wenn den Menschen einen tief verwurzelten Drang dazu innewohnt, Problemen mit „der einen“ Lösung zu begegnen. Trotzdem können jene Techniken und Methoden – nicht zuletzt eine Abkehr vom quantitativen Wirtschaftswachstum – wichtige Blüten eines ganzen Blumenstraußes an Lösungen sein, mit dem wir zumindest Teile des Planeten lebenswert erhalten.

Wie schon erwähnt, ist das Verhalten der Menschen eine wichtige Variable in der Gesamtrechnung. Und wie nun leider die Gefahr besteht, dass eine klimatisch und ökologisch kollabierende Welt in Krieg und Gewalt versinkt, so steht dieser Dystopie ein anderer Aspekt des Menschseins gegenüber: Wir sind soziale Wesen. Tatsächlich ist es zwar die größere Frage, wie sich der Planet selbst entwickeln wird. Trotzdem ist die nächste Frage ebenso relevant für unser Leben und Überleben: Wie gehen wir in einer solchen Welt miteinander um? Und hierauf haben wir sehr wohl einen dauerhaften Einfluss.

Die Gefahren sind also groß und zurecht sehr beängstigend. Die etwas schwammige „Sicherheitsgrenze“ von 1,5° werden wir nicht einhalten können. Alles verloren ist damit aber keineswegs! Was mich zur nächsten Fehleinschätzung führt.

FALSCH: Jetzt ist es auch egal!

Ich weiß nicht, wie oft ich im Privatgespräch gesagt bekommen habe: „Wir werden es nicht schaffen!“ Gemeint ist: Die 1,5° und eine gewichtige Restkontrolle über unser Planetensystem zu (be)halten. Dieselben Leute sagen in der Öffentlichkeit aber oftmals etwas gänzlich anderes: Sie propagieren das Ringen um die 1,5° und kämpfen öffentlich für etwas, das sie persönlich schon aufgegeben haben. Ich rede hier vor allem von Wissenschaftler*innen, die einen guten Einblick in das Thema haben. Aber warum tun sie das?

Eine wahrscheinliche Erklärung ist so einfach wie strategisch unklug: Die Sorge, dass unsere Gesellschaft in einen „Nach mir die Sintflut!“-Modus schaltet, wenn sie mit dem tatsächlichen Stand der Klimakrise konfrontiert wird. Als Gedankenimpuls verständlich, möchte ich hier auf den vorherigen Aspekt verweisen: Es ist eben weiterhin die Frage, wie schlimm das ganze Schlamassel wird. Und hier zählt eben die Schärfe und Schnelligkeit der Reaktion, die man natürlich nur mit dem Hinweis auf die Schärfe und Schnelligkeit des Problems effektiv erzeugen kann. Wie ein Raucher mit Krebs im Anfangsstadium keine Not zu einer Veränderung erlebt, wenn er sich halbwegs gesund wähnt.

Entscheidend ist allerdings, dass man nicht nur die Apokalypse beschreibt, sondern eben auch unseren Einfluss auf ihre Drastik, sowie konkrete Lösungsmöglichkeiten. Wobei die Lösungen nicht unbedingt als Lösungen kommuniziert werden sollten (denn das sind sie nicht), sondern als Abschwächungen der klimatischen und ökologischen Katastrophe – ergo: Erst der Schock, dann die Hoffnung. Wenn allerdings selbst Wissenschaftler*innen aus einer diffusen Angst heraus die Wahrheiten schönfärben, dann machen sie sich angreifbar – und damit nicht zuletzt die so wichtigen Ergebnisse der Klimaforschung selbst.

FALSCH: Oktober 2022 war der wärmste seit 1881

Der Oktober 2022 „wird wohl der wärmste Oktober seit 1881“ schrieb der wirklich großartige Özden Terli auf seinem Twitter-Kanal⁸. Normalerweise kommuniziert Terli sehr konkret und unmissverständlich, dieser (kleine!) Fauxpas ist jedoch sehr anschaulich – denn analoge Fehler werden immer wieder gemacht. Dabei müssen wir den Kopf aus der klimaschlauen Blase ziehen und uns fragen, wie wirkt das auf die vielen Menschen, die deutlich weniger Ahnung haben? Und vor allem auf die, die deutlich weniger Ahnung haben wollen? Genau: Der Oktober 1880 war wärmer als der im Jahre 2022 – obwohl das gar nicht stimmt!

Seit besagtem Jahr 1881 werden in Deutschland die Mittelwerte für Temperaturen berechnet⁹. Das heißt, wenn von Rekorden seit 1881 die Rede ist, dann meint das tatsächlich „seit beginn der Aufzeichnungen“. Obwohl also das Jahr 1881 deckungsgleich mit dem Aufzeichnungsbeginn ist, können diesen Zusammenhang nur Menschen verstehen, die ihn auch kennen. Für alle anderen bedeutet obige Aussage etwas überspitzt formuliert: „1880 war der Oktober ja eh schon wärmer als heute, das ist also ganz normal und den Klimawandel gibt es nicht, weil das Klima hat sich ja schon immer gewandelt, bal bla bla…“

In den Händen von bewussten Klimaleugnern sind solcherlei fehlerhaften Verkürzungen eine wirksame Waffe gegen das Überleben. Also bitte Vorsicht mit den Formulierungen, denn einmal in die Welt gesetzt, treffen sie nicht ausschließlich auf Menschen mit einer gewissen Expertise. Vor allem sind es ja die Ahnungslosen, Blinden und Desinteressierten, die wir dringend erreichen müssen. Und da ist die Aussage „…seit Beginn der Aufzeichnungen…“ nicht nur sachlich korrekter, sondern auch auf der Ebene der rhetorischen Überzeugungskraft das deutlich schärfere Schwert.

FALSCH: Die Attributionsforschung schafft Tatsachen

Ähnlich verhält es sich mit der Attributionsforschung¹⁰, die ich hier kurz beschreiben will: Dieser Zweig der Klimaforschung ermittelt anhand von Datensätzen und Vergleichen die Wahrscheinlichkeit, mit welcher…
· ein vergangenes Ereignis dem Klimawandel zugeordnet werden kann
· Ereignisse zukünftig in der jeweiligen Region auftreten werden
Es geht hierbei also um das Errechnen von Wahrscheinlichkeiten, mit Blick in Zukunft oder Vergangenheit.

Wir haben es also mit Statistiken zu tun, die – so ehrlich muss man bei der Komplexität des Klimasystems sein – auf unvollständige Datensätze beruhen. Das bedeutet nicht, dass die Attributionsforschung nicht wertvoll wäre. Ganz im Gegenteil, gerade mit Blick auf zukünftige Wahrscheinlichkeiten rückt sie vollkommen zurecht immer mehr in den Fokus – schließlich können wir den Klimawandel nur noch bremsen und müssen daher auch die Prophylaxe mehr und mehr im Auge behalten. Hierbei ist die Attributionsforschung ein wichtiger Kompass.

Nun sind mir schon mehrmals Aussagen folgender Art begegnet: „Die Dürre in Madagaskar¹¹ hat nichts mit dem Klimawandel zu tun. Das zeigt die Attributionsforschung.“ Leider sind solche Aussagen unzulässige Verkürzungen einer Beschreibung von Wahrscheinlichkeiten, denn wir müssen klar zwischen Fakt und Wahrscheinlichkeit unterscheiden: Wahrscheinlichkeiten sind der freie Raum zwischen den beiden Polen „ist faktisch richtig“ und „ist faktisch falsch“. Je mehr sich eine Aussage einem dieser Pole nähert, desto signifikanter (wahrscheinlicher in ihrem Wahrheitsgehalt) wird sie. Im Rahmen der Wahrscheinlichkeiten wird sie jedoch niemals zum Faktum. Es ist nämlich ein qualitativer Unterschied, ob man von einer Wahrscheinlichkeit spricht (und sei diese 99,9…%) oder von einer Tatsache, während zwischen 13,5% und 87,55% Wahrscheinlichkeit zwar ein höherer Wert, jedoch nur ein quantitativer Unterschied liegt: „Richtig“ oder „falsch“ ist in keinem dieser Fälle gesichert.

In Sachen Extremwetterereignisse kommt noch eines erschwerend hinzu: Ganz unabhängig davon, wie wahrscheinlich heutige Einzelereignisse auch ohne die Klimakrise wären, ist doch davon auszugehen (also: sehr, sehr, sehr wahrscheinlich), dass die großflächigen klimatischen Veränderungen der in diesem Jahrtausend durchaus eine Auswirkung auf das Auftreten jeglicher (!) Wetterereignisse haben – sei es in der Intensität, in der Häufigkeit oder in ihrem kalendarischen Auftreten. Dies macht folgende Aussage faktisch falsch: „Die Dürre in Madagaskar hat nichts mit dem Klimawandel zu tun. Das zeigt die Attributionsforschung.“ Die Zauberworte heißen Wahrscheinlichkeit und Näherungswert.

Die Klimaveränderungen sind also als Einfluss – welcher Dimension auch immer – auf heutige Extremwetter faktisch nicht mehr auszuschließen. Ein (mir leider nicht mehr geläufiger) Klimaforscher hat hierzu einen schönen Satz gesagt: „Jedes heutige Wetterereignis trägt die DNA des Klimawandels in sich.“ Leider wahr, wie so vieles in der Klimakrise.

FALSCH: Man muss die Menschen immer mit positiven Narrativen abholen

Nichts gegen positive Narrative. Allerdings auch nichts gegen Ehrlichkeit im Angesicht der drohenden Katastrophen. Aber wie passt das zusammen? Das Zauberwort ist eben nicht das ODER sondern das UND. Die Reihenfolge könnte dann ungefähr so aussehen:

1. Problem unmissverständlich klar machen (Schock!)
2. über das Problem informieren (Wissensbasis schaffen)
3. Lösungsmöglichkeiten aufzeigen (zum Handeln aktivieren)

Das positive Narrativ – hier an dritter Stelle (Lösungsmöglichkeiten) – hat übrigens einen Haken, der immer bedacht werden sollte. Einfach erklärt: Ganz unabhängig von Klimawandel und Artensterben lassen sich die Menschen viel leichter von einem in Aussicht gestellten Gewinn anlocken, als von Verlust oder einem Nullsummenspiel. Folgende Frage wird also fast immer mit „Ja!“ beantwortet: „Wollen Sie mehr Klimaschutz, wenn dadurch Ihr Kind auch sicherer zur Schule kommt?“ Das ist schön und richtig, blendet aber zwei wichtige Aspekte aus: Hier wünscht man sich zuvorderst einen sicheren Schulweg, der Klimaschutz wird nebenbei mitgenommen. Und, um wieder eine echte Notwendigkeit im nachhaltigen Umgang mit unserem Planeten zu erwähnen: Den Verzicht.

Stellen Sie doch mal folgende Frage zum Vergleich: „Wollen Sie mehr Klimaschutz, wenn sie dadurch nie mehr in den Urlaub fliegen können?“ Völlig klar, dass hier sehr viel weniger Menschen mitgehen würden, bzw. nicht mitfliegen. Spricht das nun gegen das positive Narrativ? Nein, das Zauberwert heißt UND – in der richtigen Reihenfolge.

FALSCH: Ziviler Ungehorsam ist kein nützliches Werkzeug

Mit diesem recht unsachlich debattiertem Streitpunkt in der Klimablase will ich nun enden. Denn gerade hier geschieht oft etwas sehr Unwissenschaftliches: Fachfremde Wissenschaftler*innen nehmen öffentlich Stellung, ohne sich tiefer in die Materie eingearbeitet zu haben. Dies gilt übrigens vornehmlich für ablehnende Kommentare, die ihrerseits als unbewiesene Behauptungen in den öffentlichen Raum gestellt werden – meist von Naturwissenschaftler*innen, deren Reputation solchen Aussagen dann mehr Gewicht gibt, als sie tatsächlich haben. Schuster, bleib bei Deinen Leisten!

Eine relevanter Faktor ist, dass Natur- und Sozialwissenschaften aufgrund ihres verschiedenen Umfeldes (starre Naturgesetze vs. wechselhafte Gruppen- und Gesellschaftsdynamiken) auch methodisch nicht unbedingt gleich arbeiten¹². Das Sammeln und Auswerten unumstößlicher Daten in den Naturwissenschaften ist als Methodik oftmals nicht auf die Sozialwissenschaften anzuwenden – und vice versa: Die Hermeneutik¹³ hat in vielen Bereichen der Naturwissenschaften nichts verloren. Da wir davon ausgehen sollten, dass es keine mehr oder weniger „wertvollen“ Wissenschaften gibt, sollten bei soziologischen Fragen natürlich die Sozialwissenschaften das letzte Wort haben. Und diese unterstützen gemeinhin die These, dass ziviler Ungehorsam nicht nur ein probates, sondern auch ein wirkungsvolles Mittel für eine schnelle, gesellschaftliche Veränderung darstellt¹⁴.

In Sachen des zivilen Ungehorsams wird oft als Gegenargument ins Feld geführt, dass sich auf diesem Wege schwerlich neue Sympathisanten finden. Dieser „Vorwurf“ ist zwar richtig, nur geht er an der Sache vorbei. Denn ziviler Ungehorsam hat gar nicht das Ziel, in direkter Folge Sympathie und Sympathisanten zu finden. Sein Ziel ist es vielmehr, das Thema des Protests in eine größere gesellschaftliche Debatte hinein zu zwingen. Beispielhaft gesprochen: Weil Greta Thunberg widerrechtlich dem Unterricht fern blieb (auch das war ziviler Ungehorsam), wurden Quaschning, Lesch und Neubauer im so entstandenen Debattenraum zu Markus Lanz geladen¹⁵. Der zivile Ungehorsam hatte sein Thema gesetzt, dadurch neue Räume für Gespräche und Information geöffnet, die in der Folge nicht zuletzt von zuvor ungehörten Wissenschaftler*innen gefüllt werden konnten. Ziel erreicht!

Wenn ziviler Ungehorsam nicht funktioniert, dann deshalb, weil die geöffneten Diskussionsräume nicht gut oder gar nicht bespielt werden – hier sind also die bürgerlichen Akteure gefragt. Die Ablehnung des zivilen Ungehorsams hingegen, in einer Zeit, in der wir mit rasendem Tempo auf eine irreversible Vernichtung unserer Lebensgrundlagen zusteuern, scheint mir viel mehr ein Art mentaler Trutzburg zu sein. Denn würde man gerade aus Sicht der „braven“ Teile der Wissenschaften solcherlei Aktionsformen gutheißen, so müsste man sich natürlich folgende Frage gefallen lassen: „Und warum gehst Du dann nicht selbst auf die Straße?“

Die Antwort könnte übrigens persönliche Gründe innehaben: Angst, Unsicherheit, Krankheit, ein mieses Bauchgefühl. Das ist zwar keine sachliche Begründung (bis auf die Krankheit), aber auch Wissenschaftler*innen sind Menschen, deren Gefühle respektiert werden müssen. Einer Jugend, die um ihr Überleben kämpft, jedoch mit sehr unwissenschaftlichen Gefühlslagen¹⁶ öffentlich die Unterstützung zu versagen, ist nach meiner persönlichen Meinung in der heutigen Lage kaum noch zu rechtfertigen. Dann lieber gar nichts sagen – zumindest nicht zu diesem Thema.

Und nun?

Nun gilt es – denn wir haben keinen Planet B. Es gilt neue, auch unsichere (weil vielleicht noch nie gegangene) Wege einzuschlagen. Und es gilt Risiken auf sich zu nehmen!

Mein in diesem Artikel liegendes Risiko ist, Personen vor den Kopf zu stoßen, denen ich nicht vor den Kopf stoßen möchte. Also einer der Kollateralschäden, die wir im schier aussichtslosen Ringen um eine lebenswerte Welt riskieren müssen: Deinen Ärger, meinen Einfluss, was auch immer. Denn je geringer die Chancen, desto mehr gilt es in die Waagschale zu werfen, und dabei den Realitäten ins Auge zu sehen: Übel enden wird das Ganze sowieso, ein Pfad ohne Druck existiert nicht mehr. Nehmen wir aber den Druck an und nutzen seine Kraft für die gute Sache, dann gibt es Hoffnung!

⁰) „Du linksgrün-versiffter Klimanazi willst die Wirtschaft zerstören, damit du reich wirst, und den Klimawandel gibt es nicht, weil das Klima hat sich schon immer gewandelt, darum heißt ja Grönland auch Grünland, mach dich mal schlau du Klimapanik-Schlafschaf!1!!!11!!1!“
¹) https://news.un.org/en/story/2022/10/1129912
²) Paper der Scientists 4 Future wird demnächst veröffentlicht
³) https://www.pik-potsdam.de/de/produkte/infothek/kippelemente/kippelemente
⁴) https://www.noz.de/deutschland-welt/panorama/artikel/rekord-bei-zulassungen-485-millionen-autos-in-deutschland-43182231
⁵) https://www.cam.ac.uk/stories/climateendgame
⁶) https://www.meer.org/
⁷) https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/moore-als-co2-speicher-renaturieren-und-gleichzeitig-wirtschaften
⁸) https://twitter.com/TerliWetter/status/1585980498920316929
⁹) https://www.quarks.de/umwelt/klimawandel/seit-wann-das-wetter-aufgezeichnet-wird/
¹⁰) https://www.youtube.com/watch?v=JnLgKux60lc
¹¹) https://www.spiegel.de/wissenschaft/duerre-in-madagaskar-nicht-direkt-auf-klimawandel-zurueckzufuehren-a-28901ffa-4254-4b8b-86ed-768cd2e5dfc3
¹²) https://www.philosophie.ch/philosophie-der-sozialwissenschaften
¹³) https://lexikon.stangl.eu/237/hermeneutik
¹⁴) https://www.amazon.com/Poor-Peoples-Movements-They-Succeed/dp/0394726979 / https://interviews-4-future.podigee.io/86-i4f
¹⁵) https://www.youtube.com/watch?v=oLj2jBbMkxI
¹⁶) https://twitter.com/wozukunft/status/1584501956176859136

Über Dominic Memmel

Eine gesunde Mischung aus Kommunikation & Menschenkenntnis
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3 Antworten zu Bias in der Klimablase

  1. G.Schwarz schreibt:

    Argumentationslogik ist in der Tat zu oft durch Vorurteile, Glauben und
    Meinungen nicht logisch.
    Auch das Klima steht überdimensional im Vordergrund, obwohl es nur ein
    *Symptom ist.
    Feste und flüssige Abfälle, Abgase, Abwärme, Lärm und Strahlung belasten
    unsere Umwelt vielseitig.
    Natürlich kann man wie bei einer Krankheit ein einziges Symptom lindern.
    Wichtiger ist jedoch die *Erkennung und Bekämpfung komplexer Ursachen.

    G. Schwarz

    • dwm-coachings.de schreibt:

      Symptome treten ja durchaus gestaffelt auf: Die Übelkeit ist ein Symptom der Vergiftung, das Erbrechen ist ein der Übelkeit untergeordnetes Symptom ihrer selbst. Beim Zustand unseres Planeten gibt es drei übergeordnete Symptome, die sich klar nach ihrer Schadwirkung sortieren lassen:
      · Artensterben
      · Klimawandel
      · Fußabdruck des Menschen (Müll, Asphalt, Feinstaub…)
      Auch wenn das kommunikativ so seine Lücken hat und sicher keine ideale Herangehensweise ist: „Der Klimawandel“ steht oftmals synonym für alle drei Problematiken. Ich würde also nicht sagen, dass das Klima überdimensional im Vordergrund steht – denn es müsste vor den üblichen Themen unserer Medienlandschaft noch viel weiter im Vordergrund stehen. Die anderen Problematiken stehen aber viel zu weit im Hintergrund.

      • G.Schwarz schreibt:

        Natürlich sind Artensterben und Klimawandel herausragende und fatale
        Symptome.
        Der „Fußabdruck des Menschen“ ist jedoch eine sehr verharmloste
        Formulierung.
        Die Aktivitäten des Menschen sind die URSACHE aller Umweltschädigungen.
        Warum aber zerstört der Mensch die Lebensgrundlagen auf der Erde?
        Warum ist es so schwer damit aufzuhören?
        Warum, warum, warum?
        Die konsequente Frage nach dem *WARUM *führt logisch zur eigentlichen
        Ursache!

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