„Mainz scheibt einen…“ (kleiner Einblick)


Schwert war sauer und man sah es ihm an. Er spuckte auf den frisch gewischten Boden seines Lokals. „Was soll die Scheiße hier?“

„Ich… der… die…“ stammelte Tedy und blickte tragisch drein. Ein unschuldiger Entdecker.

Gestern war Donnerstag gewesen. Konzert, Disco, ein guter Abend, guter Umsatz, keine Probleme. Keine Probleme?

„Da liegt eine Leiche im Biergarten! Hat die da jemand hingelegt oder ist die von selbst da hin gekommen?“ Die Frage war höchst rhetorisch, war die Leiche doch eingewickelt bis kurz vor die Unkenntlichkeit. Schwert setzte an und machte das volle Glas Whiskey in einem Zug leer. Dann gingen sie wieder nach draußen.

„Fass da an!“ flüsterte Schwert.

Tedy nahm die Beine, Schwert den Kopf. Gemeinsam trugen sie das Bündel in den Keller und legten es auf den großen Tisch, wo gestern noch die Band gespielt hatte. Tedy machte die Lampen an, Schwert begann mit seinem Klappmesser das Bündel auszupacken. „Ob das überhaupt ’ne Leiche ist?“ fragte er vor sich hin, während die Spitze seines Messers das Leinentuch durchtrennte.

„Na fühl doch mal!“ rief Tedy und ging, den Blick abwendend, sich eine Whiskey-Cola zu mischen. Ihn grauste es. Verdammt, wo kam die Leiche her? Tedy hatte aufgeschlossen und damit begonnen, klar Schiff zu machen. Das Lager sortieren, eine Lieferung annehmen, nichts Aufregendes. Dann eine Zigarette, natürlich im Biergarten… das Eis fiel zischend ins Glas, Tedy schlürfte. „Da, also…“ hörte er seinen Chef sagen.

„… da ist ’n Typ drin. ’n alter Mann.“ Schwert schüttelte sich. „Bring mir mal ’n Gaffa, ich mach den wieder zu.“

Tedy ging nach hinten, ließ das Grauen auf der Schwelle hinter sich.

Im Lager war es angenehm muffig. Dort fühlte er sich schon viel besser, fort von der Leiche, und nahm einen tiefen, beruhigenden Zug von seiner Whiskey-Cola. Heiß und kalt, sie war sehr stark gemischt, und erfrischend bitzelte das Getränk seine Speißeröhre hinab und legte sich sanft ins warme Bett der Magensäure, wo es begann, sich aufzulösen, wie es die Gedankengänge tun, wenn man so eben in den Schlaf hinüber gleitet. Der Alkohol gab Tedy Mut und so suchte er nun zielgerichtet nach dem Gaffa, einer breiten Rolle sehr robusten Klebebands. Er fand es im Regal, wo es mit diversem Werkzeug zusammen gelagert war. Noch einen Schluck, dann ergriff er die Rolle und ging wieder nach draußen.

„Hier!“ Schwert blickte zu Tedy hinüber und im selben Moment kam das Gaffa schon geflogen. Schwert fing es mit einer Hand, riss ein paar lange Streifen ab und ‚machte die Leiche wieder zu‘.

„So, das hätten wir. Der Alte ist so tot wie ein Soldatenfriedhof,“ sinnierte er, halb auf dem Tisch und halb auf dem Alten hockend.

„Was jetzt?“ Tedy wollte die Leiche los werden, egal wie. Recht und Gesetz kümmerten ihn nicht, was Schwert traditionell ebenso sah. Schwert verstand und lächelte. Sie gingen an die Planung.

Advertisements

Über mfis

http://ohrengold.de http://twitter.com/#!/ohrengold https://www.facebook.com/innereschoenheit http://www.myspace.com/ohrengold
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s