„Dancing near the cliff!“


„Nothing wrong with dancing near the cliff, it is a kind of special dance. Have your eyes open and respect the wind… and it will be fine,“ schrieb ich einer guten Freundin und will diesen spontanen, lyrischen Erguss ein wenig ausführen.

Natürlich geht es auch in diesem kleinen Essay um den Homo sapiens und sein Funktionieren. Du bist ein Homo sapiens, ich bin ein Homo sapiens, die besten und schlechtesten Tänzer der Welt… alle sind Homo sapiens. Und: Wir alle leben und wollen dieses Leben spüren – doch der Wegwerf-Kapitalismus und seine oft sinnlosen Mechanismen fühlen sich kaum nach Leben an, sondern nach roboterhaftem Funktionieren. Das Menschsein wie ein Uhrwerk, bei dem sich die Freiheit auf das freie Konsumieren reduziert. Im Gegenzug setzen wir uns für kurze Zeit dem Dämon aus, dem wir – neben all der Langeweile – ebenfalls entkommen wollen (wenn vom Hamsterrad die Rede ist): Dem Stress!

Und schon sind wir an einer entscheidenden Weggabelung angekommen: Chronischer Stress ist unangenehm, ungesund und zum Davonlaufen. Akute Stressspitzen tun uns jedoch gut – nicht nur (neuro)biologisch sondern auch psychologisch. Denn gerade in diesen Situationen fühlen wir das Leben intensiv, erleben wir das Gegenteil von eintöniger Langeweile. Wer kennt es nicht, dieses pulsierende und intensive Gefühl nach der Achterbahn? Diesen archaischen Kitzel beim Verlassen des Kinos nach einem guten Horrorfilm? Die fast schon körperliche Lust, die so unscheinbar darunter schwingt?

Wenn wir es herunterbrechen, dann bedeutet Stress nämlich nicht mehr als „erhöhte Beanspruchung, Belastung physischer oder psychischer Art“ (siehe Duden). Auch Sex ist Stress, nur eben nicht die angstmachende Sorte. Und doch: Wer pausenlosen Sex über die gesamte Wachphase eines Tages hinweg genießen kann, ohne mit gewissen Mitteln nachzuhelfen, werfe den ersten Mahagoni-Dildo. Sex ist eine Form des Sports, also eine körperliche und mentale Überlastung, die nicht dauerhaft gehalten werden kann. Und dass ist gar nicht schlimm, denn man freut sich ja auf weitere Runden des Liebesspiels. Wo wir wieder bei der Achterbahn wären, Loopings inklusive.


Der Tanz am Rande der Klippe

Gerade jetzt, nach dieser zehrenden Pandemie der Selbstbeherrschung und geschlossenen Orte des pulsierende Lebens, sehnen sich die Menschen nach einem Frühling, der zurück gibt, was die lange und entbehrungsreiche Winterzeit genommen hat. (Ja, es ist und bleibt ein Jammern auf sehr hohem Niveau, während die Menschen an der belarussischen Grenze in den Wälder erfrieren!) Viele Menschen stehen also kurz davor, die Vernunft beiseite zu legen und mit geschlossenen Augen kopfüber ins Leben zu tauchen – so viele Adrenaline, Östrogene und Androgene vom Kassenband zu lecken, wie die Apotheke der zwischenmenschlichen Interaktion nur hergibt. Und wer kann (oder will) da auch nur ansatzweise Spielverderber sein?

Damit der wilde Tanz an der Klippe kein Sprung ohne Wiederkehr wird, habe ich mich (wie anfangs erwähnt) der lyrischen Sprechweise bedient. Denn die rettet viel, was sachlich nicht zu kitten ist:

„Es ist nichts falsch daran, nah an der Klippe zu tanzen, wo du das Salz der See auf der Zunge und das heiße Leben in den Adern spürst. Halte die Augen offen und respektiere den Wind, dann wird es ein guter Tanz! Ja, tanz, tanz, tanz!“

Über Dominic Memmel

Eine gesunde Mischung aus Kommunikation & Menschenkenntnis
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