Bielefeld gibt es nicht – der Beweis!


Die angebliche Stadt Bielefeld leidet seit Jahrzehnten unter der Theorie, dass es sie gar nicht gibt. Um diesem Leid endgültig ein Ende zu setzen, hat dieses angebliche Bielefeld nun eine Millionen Euro Preisgeld dafür ausgesetzt, den Beweis für seine Nichtexistenz anzutreten: bielefeldmillion.de. Eigentlich, um das Gerücht endgültig zu beenden. Doch da hat Bielefeld nicht mit der Wissenschaft gerechnet.

Wahrnehmung

Beginnen wir mit der Wahrnehmung. Die Wahrnehmung einer Sache – ob individuell oder kollektiv – ist kein Beweis für deren Existenz. Das individuelle Beispiel wären hier die berühmten Stimmen im Kopf. Als kollektives Beispiel seien die angeblichen Frequenzen genannt, mit denen „das Volk“ dumm und hörig gehalten wird (HAARP etc.). Es gibt sehr viele Menschen, die felsenfest behaupten, diese Dinge wahrzunehmen. Und das tun sie auch – obwohl weder die Stimmen, noch HAARP etc. nicht wirklich existieren. Um ein Jahrtausende altes Beispiel aufzugreifen, welches permanent individuell wahrgenommen wurde und wird: Die Heiligenerscheinung. Dass also etliche Millionen Menschen Bielefeld wahrgenommen haben, sagt erstmal nichts über die Existenz von Bielefeld aus. Das (etwas vereinfachte) Stichwort ist: Halluzination.

Wie aber funktioniert die Menschliche Wahrnehmung? Hierzu eine Skizze aus Hoymar v. Ditfurth „Der Geist fiel nicht vom Himmel“ (übrigens ein sehr empfehlenswertes Buch):

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Die Wahrnehmung beginnt bei den Sinnesorganen (Sehen, Schmecken, Hören, Fühlen, Riechen), wobei sich diese Sinnesorgane noch in die Nahsinne (Schmecken, Fühlen – direkter Kontakt zum Organismus) und die Fernsinne (Sehen, Hören, Riechen – kein direkter Kontakt zum Organismus) unterteilen. Doch das nur am Rande.

Die von unten nach oben strebenden Pfeile in  obiger Skizze zeigen die Nervenbahnen an, die zum Zwischenhirn führen. Übrigens führen alle Nervenbahnen (der Sinne) erstmal über das Zwischenhirn, von welchem aus die Signale dann an die Großhirnrinde verteilt werden. Wir sehen also: Alle einkommenden Signale der Sinne (Sinneswahrnehmung entsteht später in der Großhirnrinde) fließen dem Zwischenhirn zu. (Direkte Körperreflexe wie die Irisblende sind hier außen vor, sie funktionieren autonom und landen erst gar nicht im vegetativen Nervensystem. Für unsere Beweisführung der Nichtexistenz von Bielefeld spielen die Reflexe jedoch keine Rolle.) Was aber passiert nun im Zwischenhirn?

Wie es in der Grafik anschaulich dargestellt ist, werden die eingehenden Signale möglichst konzentriert. Bis zur Zwischenhirnebene gilt die Regel „So wenig Außenwelt wie möglich“ (vgl. Ditfurth) – die Konzentration der Signale geht daher mit einer Reduktion der einkommenden Signale einher. Im Zwischenhirn sitzen nämlich die automatisierten, angeborenen Reflexe, die unabhängig von der Individualität des Einzelwesens in der ganzen Art zu finden sind. Aus sehr einleuchtenden Gründen macht es wenig Sinn, das Reflexsystem Zwischenhirn mit einem Berg an Signalen zu fluten. Hier bleiben einzig die Signale hängen, die für das Auslösen des Reflexes nötig sind (z.B. die Form des Raubvogels [kurzer Hals, langer Körper] im Vergleich mit dem „friedfertigen“ Vogel [langer Hals, kurzer Körper]) – alles andere fällt unter den Tisch.

Nun sehen wir in der Skizze sehr schön, was anschließend mit den Signalen geschieht, wenn sie das Zwischenhirn passieren: Sie fächern sich auf, die Reduktion kehrt sich quasi um. In der Hirnrinde gilt das Prinzip „So wenig Außenwelt wie möglich“ nicht mehr. Einfach gesprochen ist die Hirnrinde eine leere Tafel, auf der sich die Welt abbildet. Doch wie soll das gehen, mit all diesen reichhaltigen Wahrnehmungen, wenn die Signale doch vorher durch das Nadelöhr des Zwischenhirns gepresst wurden? Die Antwort ist: Emergenz.

Emergenz (= ein System erzeugt mehr als aus seinen Einzelteilen möglich) kann hier – auch das wieder etwas vereinfacht gesagt – mit Halluzination gleichgesetzt werden. Dies erkläre ich Euch armen „Bielefeldern“ nun am Beispiel der Farbe Blau:

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Die sogenannte Farbe Blau ist in Wirklichkeit eine Lichtwelle (also bewegte Teilchen) im Spektrum zwischen ca. 430 und 500 Nanometern. Bewegte Teilchen (hier: Photonen) sind aber keine Farbe, sondern nichts anderes als bewegte Teilchen. Diese Teilchen – bzw. die aus ihnen entstandene Welle (also ein System aus sich voneinander abhängig bewegenden Teilchen) – trifft auf unsere Netzhaut und reizt die entsprechenden Zäpfchen. Einfach gesagt: Da steigt etwas in unser Auge und wackelt an bestimmten Stellen. Das ist also eine Bewegung und keine Farbe. (Das Wort „Sinnesreiz“ trifft den Nagel auf den Kopf: Der Sinn wird durch etwas Äußeres gereizt.)

Nun ist unser Gehirn ein wahres Wunder der Erzeugung von Halluzinationen. Allein dieses „Wackeln am Zäpfchen“ erzeugt in unserer Wahrnehmung etwas – einen optischen Eindruck – für dessen halluzinatorische Wahrnehmung (wir erinnern uns: Blau ist keine Farbe, sondern eine Wellenbewegung) wir uns das Wort „Blau“ ausgedacht haben. Blau ist eben nicht die Realität, die reizende Welle, Blau ist das, was unser Gehirn aus diesem Reiz macht. Genau genommen – und damit faktisch richtig – existiert Blau also nur als Halluzination in unserem Gehirn, ausgelöst durch einen physischen Reiz. So ist es mit jeder Farbe. So ist es auch mit Tönen, Geschmäckern, Düften und Berührungen. Es existiert ein Reiz, der völlig anders ist als das, was unsere Großhirnrinde daraus macht. Sie muss ja auch halluzinieren, die Sinnesreize geben diese Vielfalt gar nicht her.

Das, was wir „Bielefeld“ nennen, ist eine Kombination aus verschiedenen Signalgebern:

  • die Hauswand, die ich spüre, wenn ich beim Rathaus die Eingangstüre verfehle (Reiz des Fühlens)
  • die dominante Farbe, die ich sehe, wenn Fabian Klos sein Trikot präsentiert (Reiz des Sehens)
  • der Rosenduft im Rosengarten (Reiz des Riechens)
  • das Geräusch der Autos auf den Straßen (Reiz des Hörens)
  • der Geschmack des Teutoburger Wildsaubratens (Reiz des Schmeckens)

Wie wir schon gesehen haben, sind die einzelnen bewussten Sinneswahrnehmungen – also das, was wir so großspurig „existente Realität“ nennen würden – ein halluzinatorisches Potpourri. Und was entsteht, wenn ich die angebliche Stadt „Bielefeld“ mit allen Sinnen wahrnehme? Natürlich eine Potenzierung der Halluzination – denn je mehr Halluzinationen sich zu einem „Bild“ zusammensetzen, desto halluzinatorischer (also weiter Abseits der realen Entsprechung) ist dieses Bild. Existenz (die Grundfrage ist ja „Existiert Bielefeld?“) ist aber genau diese reale Entsprechung, nicht das bunte Abbild davon, das uns unsere Wahrnehmung vorgaukelt.

Das Wort „Blau“ beschreibt etwas, das in der Welt nicht existiert. Es beschreibt keinen Teil dieser Welt, sondern einen Teil unseres Inneren Abdrucks dieser Welt. Wie schon erwähnt führt dies zu einem einzigen logischen Schluss: Blau existiert nicht. Das zugehörige Wort macht nur deshalb Sinn (und nur in unserem begrenzten menschlichen Wahrnehmungs-Kosmos), weil wir uns in dieser Welt, die wir nicht wirklich wahrnehmen, dadurch irgendwie zurecht finden können. Wir tapsen wie die Blinden durch eine Welt, von der wir irrtümlich glauben, dass wir sie sehen können.

Und so ist es mit dem Wort „Bielefeld“ ebenfalls. Es ist zwar ein praktisch nutzbares Tool, entspricht aber nicht der Realität. Es existiert in der Region, die wir der Einfachheit halber „Bielefeld“ nennen, eine Mischung aus Reizgebern für unsere Sinne, die wir (wiederum der Einfachheit halber) unter einen Deckel setzen: Wir nennen das Innere Abbild dieser Reizgeber eben „Bielefeld“. Bielefeld besteht in unserer begrenzten, halluzinatorischen Wahrnehmung. Doch schaut man aus der Objektive, bleibt nur ein logischer Schluss: Bielefeld existiert nicht!

Warum sehen wir Menschen aber diese „Illusionen“ so ähnlich? Warum sieht das nicht jeder Mensch anders? Warum ist Bielefeld auch für einen Münchner Bielefeld und nicht etwa Schondorf am Ammersee? Zuerst einmal sieht tatsächlich jeder Mensch die Welt anders (das gilt auch fürs Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen) – nur eben nicht drastisch, sondern in Nuancen. Und dass es nur Nuancen sind, liegt an einem einfachen Sachverhalt: Wir sind eine biologische Art. Und da wir eine Art sind, sind die artspezifischen Vorbedingungen (beim gesunden Individuum) eben gleich: Zwei Arme, ein Kopf, menschenspezifische Sinneswahrnehmung.

Grenzen

Doch es gibt eine weitere Denkrichtung, welche die Existenz Bielefelds offensichtlich negiert. Vergiss also alles, was mit den Sinnen zu tun hat. Geh eine Rauchen oder eine Katze streicheln. Komme wieder und folge dem weiteren Beweis:

So irreal wie die Farbe Blau ist auch die Grenze eines Stadtgebietes. Und ohne eine Grenze gibt es eben kein Stadtgebiet. Die Grenze besteht auf der Landkarte – im Gegensatz zur menschlichen Haut, die diesen Organismus namens „Mensch“ auch ganz faktisch von seiner Außenwelt abgrenzt. Also ist die Haut eine real existierende Grenze. Doch würde ich – abgesehen von Straßen mit Ortsschild – die Grenze der Stadt überhaupt nicht wahrnehmen, wenn ich es zum Beispiel über eine Wiese verlasse. Ein Huhn nimmt diese Grenzen sowieso nicht wahr. Hierzu wiederum eine erklärende Metapher aus meinen persönlichen Werkzeugkoffer (dwm-coachings.de):

Die Ratio, das Ordnen und Sortieren der Welt (z.B. „Bielefeld geht bis hierhin und nicht weiter“) ist ein sehr nützliches Tool: eine Landkarte. Ich kann mit dieser Landkarte Entfernungen messen und so weiter. Doch das Leben spielt sich nicht in der Ratio ab, sondern im „irrationalen Bereich“: Gefühle, Instinkte, Wahrnehmung. Wenn ich Lust auf einen Apfel habe und auf meiner Landkarte eine Streuobstwiese verzeichnet ist, kann ich noch so oft in meine Landkarte beißen… ich werde keinen Apfel im Mund spüren. Die Landkarte bildet also – hierin verwandt mit der bewussten Wahrnehmung – die wirkliche Welt ab. Doch sie ist nicht die wirkliche Welt. Wer würde auch ernsthaft behaupten, die Verzeichnung des Crüwellhauses auf der Landkarte ist das Crüwellhaus?

So müsste Bielefeld schon physische Grenzen haben, um auch in der Wirklichkeit ein abgegrenztes „Ding“ zu sein. So ähnlich, wie ein Mensch eine Haut hat und sich damit tatsächlich zum eigenen Bereich innerhalb der Welt abgrenzt. Ein zweidimensionaler Ring, wie es die Stadtgrenzen von Bielefeld darstellen (okay, nicht wirklich ringförmig, aber das tut nichts zur Sache), ist keine Abgrenzung zur Welt. Selbst, wenn diese angebliche Grenze aus einer tatsächlich vorhandenen Mauer bestehen würde – was sie ja nicht mal tut. Ganz einfach gedacht, vom Mittelkreis der Bielefelder Alm aus:

  • wie hoch muss ich fliegen, um Bielefeld zu verlassen?
  • wie tief muss ich graben, um Bielefeld zu verlassen?

Und schon sehen wir sehr einfach und klar: Die Stadtgrenzen sind ein theoretisches Konstrukt. Doch bei der Frage nach der Existenz von Bielefeld geht es nicht um das theoretische Konstrukt auf der Landkarte, sondern um ein tatsächliches physisches Existieren (noch einmal sei daran erinnert, die Frage ist: „Existiert Bielefeld?“). Und zuerst einmal stehen wir hier schon wieder dem obigen Problem der Wahrnehmung unlösbar gegenüber. Und des Weiteren existiert keine Grenze, die dieses angebliche „Bielefeld“ gegen den Rest der Welt abgrenzt. Bielefeld hat keine Haut, da kann ich auf die Landkarte malen, was ich will.

Daher lässt sich auch hier nur ein einziger logischer Schluss finden: Bielefeld mag eine (nützliche) theoretische Abstraktion sein. Doch faktisch existiert es nicht. Diese Ansammlung an Häusern, Straßen, Parks und Arminia-Flaggen (die so ja in unserem begrenzten Wahrnehmungs-Kosmos existieren) ergeben eben nicht ein Ganzes. Dieses Ganze ist ein künstliches, theoretisches Konstrukt namens „Bielefeld“. Doch die ausgeschriebene Frage ist die nach der tatsächlichen, objektiven Existenz.

Zwei Gedankenexperimente

Graben wir einen halben Meter unter dem tiefsten Stück Fundament die ganze (angebliche) Stadt aus und zerbröseln all dies, was wir ausgegraben haben, in der Sonne. Ist Bielefeld dann noch existent, nachdem man dort alle Straßen und Häuser entfernt hat? Ist diese Frage überhaupt ganz klar mit „Ja, aber kaputt“ oder „Nein“ zu beantworten? Das ist sie nicht.

Das zweite Gedankenspiel macht es noch viel greifbarer: Benennen wir die Stadt „Bielefeld“ um. Ab dem 03. Mai 2055 heißt Bielefeld nun „Teutowiese“. Damit existiert Bielefeld nicht mehr und wird ein Teil der Vergangenheit. Was ab diesem Datum „existiert“ (wiederum nur in unserer begrenzten menschlichen Wahrnehmung) ist „Teutowiese“. Eine Existenz durch einen Eintrag im Namensregister ändern zu können, ist gleichbedeutend mit: Es hat nie existiert. Nur eine Idee davon, aber die ist ja nicht das Thema der Bielefeldmillion.

Bielefeld ist eine theoretische Konstruktion und nicht das faktische Vorhandensein von Zivilisation auf einem Landstrich. Ja, diese Zivilisation ist da, doch sie ist (wie wir nun wissen) nicht gleichzusetzen mit „Bielefeld“. Und da diese physische Präsenz, die in unserem Gedankenspiel in der Sonne zerbröselt oder in „Teutowiese“ umbenannt wird, nicht mit Bielefeld (einer Abstraktion dieser Präsenz) gleichzusetzen ist, kann diese Frage auch nicht eindeutig beantwortet werden: Existiert Bielefeld nach seiner solaren Zerbröselung oder Umbenennung noch als Bielefeld? Machen Sie den Test in der Kantine… Sie werden sehen, die Meinungen werden auseinander gehen und es wird zu keinem Konsens kommen.

Und dazu kommt noch die nicht vorhandene reale Abgrenzung von Bielefeld zum Rest der Welt. Es sind fließende Übergänge, die kartographischen Grenzen sind nur eine abstrakte Vereinfachung der Realität. Und diese Realität nehmen wir nicht einmal so wahr, wie sie wirklich ist. Bielefeld existiert? Da kann ich nur lachen: „Hahahahaha!“

Andere Städte

Dass diese schlüssige und nachprüfbare Argumentation auch auf jede beliebige „Stadt“ in unserer schönen Welt anwendbar ist, ändert rein gar nichts an der Anwendbarkeit auf Bielefeld. Ganz im Gegenteil wird die Argumentation durch ihre allgemeine Anwendbarkeit sogar gestützt.

Zuletzt

Bielefeld existiert nicht. Was hiermit hinlänglich bewiesen wurde.

Danke für die Millionen. Ich tausche sie ein gegen 750.000€ und eine Jahreskarte im VIP-Bereich der Arminia. Man will ja nicht zu gierig sein.

Über dwm-coachings.de

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