Über das Loslassen


Raffen, halten, Stabilität sind grundlegende Tugenden in unserer kapitalistischen Welt. Gewinnmaximierung als Leitbild: „Was ich habe, das behalte ich.“ So wird es schwierig mit dem Loslassen. Überhaupt: Ist Loslassen nicht irgendwie 19. Jahrhundert?

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Loslassen… wozu?

Zweckdienlich ist das Halten in der äußeren Welt. Arbeiten, um das Einkommen zu halten, macht ebenso Sinn, wie das Kind beim Überqueren einer Kreuzung an der Hand zu halten. Halten – ob bewusst oder unbewusst – ist ein aktiver Prozess. Und wie es aktive Prozesse so an sich haben, dient dieser Prozess einem vorher definierten Ziel: Erhalt des Einkommens, Erhalt des Kinderlebens. Und genau hier unterscheiden sich Halten und Loslassen sehr deutlich.

Das Halten dient einem Ziel. Es ist also möglichst darauf ausgerichtet, keine Überraschungen zuzulassen. Halten ist starr. Durch die Fixierung auf das Ziel werden mögliche Alternativen ausgeschlossen. Im Falle der Eltern, die das Kind sicher über die Kreuzung geleiten möchten, ist dieses Ziel sehr viel wert und das Halten (der Kinderhand) der richtige Weg. Doch leider ist das Halten in unserer Gesellschaft weit über das gesunde Maß hinaus pervertiert (Raffgier, Egoismus, Dogma). Schon einem Fremden die Antwort auf eine unverhoffte Frage zu geben („Wo geht es denn zum Theater?“), fällt vielen Leuten schwer. Geben ist seliger als nehmen: Auf die heutige Zeit kaum anwendbar. Denn: Nehmen ist erfolgreicher denn geben.

Es gibt einen Menschen, der mit 100-prozentiger Sicherheit ein Leben lang bei Dir ist: Du selbst. Willst Du diesen Menschen kennen lernen, so lerne, in ihn einzutauchen. Und dafür ist das Loslassen eine Grundkompetenz.

Wir sind es gewohnt, unser Selbstbild an äußerlichen Dingen festzumachen, zu halten: Status, Schönheit, Likes, Erfolg. Donald Trump hält sich für einen „großen Mann“, weil er äußerlich erfolgreich ist. Doch wer steckt hinter der Fassade? Wer ist diese sogenannte Tiefenperson, wenn die Rationale Person zur Seite tritt? Um diese Person kennen zu lernen – im Grunde Dich selbst – so ist ein erster Schritt, von den Äußerlichkeiten los zu lassen. Bettler oder Kaiserin? Es ist egal. Das Loslassen der Fassade führt dich automatisch zu dir selbst.

Loslassen – aber wie?

Festhalten ist Energieaufwand. Loslassen bedeutet, diese Energie frei zu geben. Hier ein einfaches Beispiel:

Du sitzt in einem Boot auf dem Meer, die Wellen streichen unter dem Boot entlang. Leichtes, angenehmes Schaukeln. In Deiner Hand liegt ein schwerer Stein. Du hältst ihn, deine Hand ist fest um den Stein geschlossen. Nun streckst Du Deine Hand über den Rand des Bootes hinaus. Die Hand mit dem Stein schwebt über dem Wasser. Muskelkraft hält den Stein. Wie genau schaffst Du es nun, den Stein im Meer zu versenken?

Durch Loslassen entlässt Du die Energie (die Muskelkraft, die den Stein hält) aus Deiner Hand. Du löst den unbewussten Prozess des Haltens, indem Du Dir den dahinter steckenden Energieaufwand ins Bewusstsein rufst. Dann lässt Du nicht den Stein los, sondern die Muskelkraft in Deiner Hand. Ganz automatisch, gezogen von der Schwerkraft, entgleitet der Stein und sinkt ins Meer. Dieser Stein könnte eine Last sein: Eine alte Beziehung, an der Du festhältst, ein unsinniges Dogma, ein Verhalten, das längst nicht mehr nützlich ist. Festhalten kostet Energie (z.B. die Arbeitszeit, um das Einkommen festzuhalten), egal ob wir im Guten oder im Schlechten an Menschen oder Dingen festhalten.

Loslassen gibt Energie frei. Loslassen (in der Regel von rational durchdachten Dingen) gibt den Instinkten und der Intuition mehr Freiraum. Ein Freiraum, der in unserer Welt sowieso schon viel zu eng gefasst ist: Die Freiheit der Tiefenperson.

Mein letzter Gedanke

Und das führt mich zu folgendem Gedanken: Wie oft steht der zwanghafte Erwachsene dem Kind gegenüber und ist traurig darüber, diese kindliche Freiheit verloren zu haben. Nur der Dumme sagt dazu: „Na, Kinder müssen halt nicht so viel.“ So ein Quatsch. Kinder müssen ins Bett, wenn es die Eltern bestimmen, Kinder müssen sich anziehen, was ihnen die Erwachsenen kaufen, Kindern wird die Schule vorgeschrieben, Kinder können sich kein Sabbatical nehmen. Und so weiter, und so fort. Die Freiheit des Kindes liegt nicht in den Lebensumständen, sondern im Umgang mit diesen: Eine Haltung, die wenig vordefinierte Ziele beinhaltet. Sondern loslässt vom scheinbaren Zwang. Und was kommt dabei heraus? Reines, spürbares Leben.

Einen tiefen Zugang zu Deinen kindliche Anteilen findest Du in meinem Herbstprogramm 2019: dwm-coachings.de/events

Dein nächster Gedanke

Auch Du hältst unnötigerweise an der ein oder anderen Sache, an dem ein oder anderen Gedanken, an dem ein oder anderen Menschen fest. Geh in Dich…

Kleine Helferlein

Humor: Das Loslassen von Logik, Vernunft und Ernsthaftigkeit.

Fokussierung / Konzentration: Das Loslassen von vielen Sinnes-Eindrücken (Umgebung) zugunsten eines Fokus (z.B. Kerzenflamme, Punkt an der Wand).

Anspannung: Bewusstes Anspannen erleichtert das bewusste Loslassen (Anlauf nehmen).

Wahrnehmen: Entweder werten wir die Welt (festhalten an inneren Vorstellungen) oder wir nehmen die Welt war (loslassen der inneren Vorstellungen).

Verzicht: Der bewusste Verzicht ist eine ideale Übung für die Fähigkeit loszulassen.

Zen: Im Zen-Buddhismus ist das Loslassen ein Kernelement und daher dementsprechend tief verstanden.

Über dwm-coachings.de

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