Sprechen über Zen – es geht, was nicht geht! – und die Geschichte vom Mädchen, das einen Apfel essen wollte


Zen-Buddhismus bietet nichts – und alles. Ihn als Religion zu beschreiben ist schon zu viel hinein gelegt, denn es wird nichts angebetet (auch nicht die eigene Seele), es gibt keinen Mythos und keine starren Regeln orthodoxer Religionsformen. Zen wirft dich zurück auf dich selbst. Alles und nichts. Und es heißt, es wäre schon ein Paradoxon, über Zen zu sprechen.

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Denn Zen ist nicht rational, sondern führt in (oder ist?) ein Weg des Fühlens und Empfindens, der Wahrnehmung der Welt und sich selbst. Und da ist der Zen-Buddhismus sehr gut vereinbar mit moderner Wahrnehmungsforschung und Neuroligie: So sehr wir das Bewusstsein und die Wahrnehmung erklären und analysieren können, es ist doch wie mit der Hand, die nach dem Fruchtfleisch eines Apfels greift: Ist der Apfel komplett, so rutschen wir stets an seiner Schale ab und berühren sonst nichts. Um an das Fruchtfleisch zu kommen, müssten wir den Apfel zerreißen oder zerschneiden. Dann ist er kaputt.

Zen ist das Fruchtfleisch. Zen ist die Wahrnehmung. Zen ist mit dem rationalen Griff nicht zu berühren.

Oft wird gesagt (und auch schon sehr lange, hier werde ich mich gegen eine alte Tradition stellen), dass man Zen mit Worten nicht beschreiben kann. Denn Worte sind von Vernunft geprägt, eine nüchterne Beschreibung der Welt. Doch Zen steht jenseits der Vernunft und ist durch die Vernunft der Worte nicht ausrückbar. Diese altehrwürdige Aussage (im Zen existiert die Ehre übrigens nicht, denn Ehre ist eine Bewertung) halte ich für schlichtweg falsch. Falsch in der Form, dass hier möglicherweise nur eine schlechte Übersetzung vorliegt. Und wie uns solch traurige Blüten wie Zen für Manager zeigen, scheint das ganze Konzept des Zen in unserer Kultur schnell missverstanden zu werden – oder eben schlecht übersetzt. „Zen für Manager“ ist ähnlich dumm wie George Orwells „Krieg ist Frieden – Freiheit ist Sklaverei“. Orwell hatte es zumindest ironisch gemeint.

1. Worte sind nicht nur Vernunft

Das einzelne Wort dient der Bezeichnung der Dinge. Die Bezeichnung einer Sache steht dem Erleben der Sache gegenüber. Entweder ich bade im Fluss oder ich spreche über ihn. Mache den Versuch: Bade im Fluss und spreche dabei über ihn. Du wirst merken, dass durch das Sprechen darüber die Konzentration auf das Empfinden schwindet. Und umgekehrt. Hierauf bezieht sich der Gedanke, dass man Zen nicht beschreiben kann. Auch das Empfinden, im Fluss zu baden, ist nicht durch eine Beschreibung desselben zu ersetzen.

Doch neben der sachlichen Beschreibung kann Sprache durchaus mehr. Nehmen wir das Om. Auch wenn es keine einfache Beschreibung ist, so steht es (im Hinduismus) für den göttlichen Klang. So wie das Wort „Apfel“ für jene leckere Baumfrucht steht. Der Klang ist es aber, was das Om dem Zen so unendlich nahe bringt. Tatsächlich kann der menschliche Sprechapparat keinen Laut erzeugen, der eine höhere Vibration im Körper erzeugt, als das Om. Dies ist übrigens ein leicht erklärbarer, physikalischer Effekt. Und trotz der nüchternen Erklärbarkeit dieser Körpervibration durch das Om, erzeugt jene Vibration ein Gefühl: Du spürst deinen Körper intensiv. Denke an ein Festival, du tanzt, die Anlage ist bestens eingestellt, der Beat vibriert in deinem Körper… Physik, die dich deinen Körper spüren lässt. So, wie er ist. Im hier und jetzt. Ein Zen-Erlebnis durch ein Wort: Om.

Auch Worte, die weniger Vibration im Körper erzeugen, können dich auf dich selbst zurück werfen:

  • Spüre deinen Atem!
  • Spüre die Schwere deines Körpers!
  • Schließt du deine Augen, so führt der Blick nach innen, in dich selbst, um 180° gedreht. Schließe nun deine Augen, eine Geschichte erwartet dich!

2. Die Geschichte vom Mädchen, das einen Apfel essen wollte

Es war einmal ein junges Mädchen, das steifte durch die Länder. Da bekam es Hunger und wollte einen Apfel essen. Es setzte sich auf einen Felsen, sah sich um, doch konnte es bei aller Mühe keinen Apfelbaum erkennen. Dabei war es doch beste Apfelzeit. So kramte das Mädchen in seiner Tasche, fand eine Landkarte, entfaltete diese auf dem Felsen in der Sonne und fuhr mit dem Blick darüber, wie mit zwei suchenden Fingern. Da entdeckte das Mädchen eine Apfelplantage, nicht weit von hier, aber hinter einem Hügel, so dass sie diese Plantage von ihrem Platze aus nicht sehen konnte.

Freudig biss das Mädchen in die Apfelbäume, die auf der Karte verzeichnet waren. Doch anstatt des saftigen Fleisches, hatte sie nun ein Stück der Karte im Mund und etwas Blut, denn sie brach sich einen Zahn am Felsen ab. „Oh nein! Oh weh!“ rief das Mädchen und sprang dreimal um den Fels herum.

Da kam eine Kuh vorbei und fragte unser Mädchen: „Was ist, mein Kind? Was hast du nur?“ Das Mädchen aber jammerte, dass es sich einen Apfel einverleiben wollte, weil es solchen Hunger hatte. Und da, auf der Karte, seien doch ganz viele Äpfel! Da lachte die Kuh so sehr, das ihr ein kleines Wölkchen entfuhr, und entgegnete schließlich und endlich: „Mein liebes Kind, die Karte weißt dir deinen Weg. Sie beschreibt das Land, so ist die Karte ein sehr nützliches Werkzeug, das dich Hungernde an dein Ziel führen kann. Aber vergiss nicht: Die Karte zeigt dir das Land, doch es ist das Land selbst, in dem du lebst.“

Und so machte sich das Mädchen auf, dankte der Kuh, folgte der Karte und fand einen so saftigen und so großen Apfel in der Plantage, dass sie noch heute davon essen kann.

Und daher sage ich:

Die Vernunft ist eine Landkarte – sie beschreibt das Land sehr gut. Doch willst du du leben, nicht in Theorie verenden, willst du wahrnehmen, was auf der Karte verzeichnet ist, so musst du die Vernunft, die Ratio, die Landkarte zurück in deine Hosentasche stecken und dich auf das Land einlassen. Die Karte ist leblos, doch um das Land zu beschreiben, in dem du dich bewegst, ist sie gerade recht. Und so ist es mit den Worten, die auch Zen beschreiben können – denn beschreiben und ersetzen sind zwei grundverschiedene Dinge im Universum.

Ein Workshop zum Thema.

 

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