Die Kunst des Liebens


Hier findest Du ein paar Gedanken zu dem, was Erich Fromm in seinem Klassiker „Die Kunst des Liebens“ als ebensolche bezeichnet hat: Eine Kunst. Zu seinem Ende hin schlägt der Artikel die Brücke zur Hypnose, die ich in Form einer Veranstaltung mit Fromms Gedanken fühlbar zusammenführen möchte.

KunstDesLiebens II

Die Liebe ist so leicht. Die Liebe ist so schwer. Die Liebe macht glücklich. Die Liebe tut weh. So kann man sicherlich behaupten, dass es die Liebe ist, die am tiefsten in der Psyche gräbt. Und schön ist es, wenn sie dort einen Samen hinterlässt, aus dem ein Pflänzchen wächst, das sich eines Tages zum fest verwurzelten Baum entwickelt. Und doch kann sie auch ein Biest sein, ein gefräßiges Raubtier. Sind wir ihr hilflos ausgeliefert, wenn sie doch so unglaublich stark ist und so tief in unsere Gefühle greift? Nein, das sind wir mitnichten.

Liebe wahrnehmen

Verliebtheit ist noch keine Liebe und sexuelle Lust ist sie erstrecht nicht. Wie schön und kraftvoll diese beiden Elemente auch sein können, sie sind keine Liebe. Wie aber wahrnehmen, ob es eine echte Liebe ist, was du spürst? Dazu gehen wir erstmal einen Schritt zurück. Denn ohne zu wissen, was sie ist, hilft die Wahrnehmung relativ wenig, um sie sicher einordnen zu können.

Was ist Liebe?

Nach Erich Fromm ist Liebe eine Haltung. Und diese Haltung lässt sich sehr vielfältig zu den verschiedensten „Objekten meiner Liebe“ einnehmen. So unterscheiden wir Selbstliebe, Partnerschaft, Familie, Nächstenliebe, Objekt- bzw. Ideenliebe (z.B. Liebe zur Natur), Gottesliebe (die ich persönlich der Ideenliebe zuordnen würde) und die sexuelle Liebe. Diese Unterscheidungen sind klar und richtig, trotzdem haben sie mit der Liebe einen gemeinsamen Kern. Sehr gut zu sehen ist das, wenn ein Haustier das Kind ersetzt: Die familiäre Liebe kann sich nicht Bahn brechen und weicht auf die Tierliebe aus – was übrigens eine gute Sache sein kann und nicht automatisch als „verschroben“ abgetan werden muss. Auch Kinder, die ihr Kuscheltier lieben, „als wäre es lebendig“, wenden die Liebe (Familienliebe? Beziehungsliebe?) auf einen Gegenstand an. Ein Verhalten, das letztlich auch nicht vor Erwachsenen haltmacht. Wir sehen in all diesen Beispielen, dass die Liebe zwar eine Hinwendung darstellt, dabei jedoch nicht völlig frei vom eigenen Nutzen sein muss. Oder sogar kann?

Liebe und Eigennutz

Viele Beziehungen beruhen auf dem Prinzip des Ausgleichs. Dabei füllt der Partner eine Lücke, die man alleine nicht füllen kann (mangelnder Selbstwert, Ansehen, etc.), das meist in gegenseitiger Abhängigkeit. Hier wird die Liebe mit einer Befriedigung verwechselt, die mehr ein Geschäft darstellt, als eine Zuwendung. „Liebe ist selbstlos“ heißt es. Ich würde entgegnen: „Natürlich nicht! Und trotzdem ist ihr Kern wichtiger als das eigene Selbst. Sie ist nicht selbstlos, doch sie steht über dem Selbst.“ Denn – ganz nüchtern gesagt – Ursprung und Zweck von Liebesgefühlen sind Fortpflanzung und Arterhaltung (die Partnerschaft tendiert zur Familiengründung, die Familienliebe erhält die Familie, die Nächstenliebe fördert den sozialen Schutz, die Objektliebe reagiert andere Liebesformen ab). So unromantisch das klingt, darf man nicht vergessen, dass die Fortpflanzung und Arterhaltung in der Natur meistens ohne eine Form der Liebe auskommt: Liebesgefühle sind rein neurobiologisch bei den meisten Tier- und allen Pflanzenarten nicht möglich. Die Fortpflanzung funktioniert trotzdem. Und kann man beim Kuckuck denn von elterlicher Liebe sprechen? Sicher nicht. Die Säugetiere (denen ich auch im Wissen um ihr Verhalten und ihre Hirnstruktur Liebe ganz klar zugestehe) und der Mensch haben sich weit entwickelt. Das Träumen und die Liebe sind hierbei weiterhin ungelöste Rätsel. Wahre Liebe muss zwar nicht selbstlos sein, doch selbst folgender Gedanke ist nicht frei von einem persönlichen Vorteil: „Ich liebe dich so sehr, deshalb lasse ich dich gehen, wenn du gehen möchtest.“ Dieser Gedanke ist nicht zerstörend, sondern erhaltend. Er schränkt nicht ein, er öffnet. Das kann sehr schmerzhaft sein (und ist es oft wohl auch), doch es lässt das Objekt meiner Liebe reifen und gedeihen. Und das ist doch ganz im Sinne des Liebenden – im Gegensatz zum Goldenen Käfig.

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Nächster Versuch: Liebe wahrnehmen

Liebe kann rational umrissen werden, doch sie spielt sich auf der Ebene der Gefühle ab. Die Ratio kann beim Wahrnehmen und Einordnen der Liebe gute Dienste tun, doch stellt sie nur einen Umweg dar, der uns letztlich zu einer Antwort auf der Gefühlsebene führt. Ein Beispiel für die Partnerschaft in Form eines kleinen Fragenkatalogs:

  • Welchen (faktischen) Vorteil habe ich durch meinen Partner? Wäre dieser Vorteil fort, würden sich meine Liebesgefühle verändern?
  • Welchen (emotionalen) Vorteil habe ich durch meinen Partner? Wäre dieser Vorteil fort, würden sich meine Liebesgefühle verändern?
  • Habe ich aus einem konkreten Grund einen Partner gesucht (z.B. Kinderwunsch)? Ist mein Partner „nur“ die beste Wahl aus einem begrenzten Angebot?
  • Mein Partner verhält sich schlecht. Wende ich mich zu oder wende ich mich ab?
  • Warum bin ich (heute!) mit meinem Partner zusammen? Unter welchen Umständen würde ich mich abwenden?
  • Welchen Einfluss haben soziale, politische, ideologische Gedanken auf unsere Partnerschaft?

Man kann diese Liste nahezu beliebig fortsetzen. Und sei nicht gleich in Deinen Grundfesten erschüttert, wenn Dir eine Antwort nicht gefällt. Denn die Liebe hat verschiedene Phasen und Elemente (Verliebtheit, Verständnis, Vertrauen, Freiheit, Rückhalt…), die mal mehr und mal weniger relevant sind. Daher sei noch eine Frage angehängt:

  • Meine Liebe zu ________ befindet sich aktuell in welcher Phase? Welche Phase(n) hat sie schon durchschritten?

Dies sind Gedankengänge, in die Du Dich einfühlen kannst. Wichtig dabei ist: Stelle Dir z.B. etwas vor, was Dir an Deinem Partner nicht gefällt. Was macht diese Vorstellung mit Dir? Wie fühlt sie sich an.

Hypnose nach Erich Fromm – Die Kunst des Liebens

Sowohl das Haben oder Sein, als auch die Liebe spielen ihr Spiel vorallem im Unbewussten. Die akut fühlbare Liebe ist nur die Spitze des Wattebergs. Von unbewusst wahrgenommenen hormonellen Botenstoffen, über die Prägung durch die Eltern, vorherige Liebeserfahrungen bis hin zur eigenen Moralvorstellung schwingt vieles mit, was uns nicht gänzlich bewusst ist. Und das ist nicht weiter schlimm, wir wollen ja im Fluss der Liebe treiben und ihn nicht analysieren, bis er ausgetrocknet ist. Hier schlägt sich die Brücke zu besagter Veranstaltung.

Die Hypnose ist ein traumähnlicher Zustand. Neuronal sind beide sehr verschieden, doch sie spielen sich auf derselben psychischen Ebene ab: dem Unbewussten. Wie auch im Traum können wir in einer hypnotischen Trance ganz bildhaft durch unser Unbewusstes reisen. Im Gegensatz zum Traum: Wir können es gezielt. Und so ist gerade die Hypnose in Form einer bildhaften Reise eine ideale Möglichkeit, die eigene Liebesfähigkeit, die gelebte Liebe, die Selbstliebe und viele weitere Aspekte zu erforschen. Und das ohne der Liebe durch zu nackte Analyse ihren Zauber zu nehmen. Ganz im Gegenteil, in einer gut geführten Hypnose zum Thema Liebe tauchst Du tief ein in ihren Zauber.

Selbstliebe

Zurück zu Erich Fromm, den jeder mal gelesen haben sollte. Nach Fromm ist die Liebe eine Haltung zu etwas oder zu jemandem. Eine seiner Kernthesen ist folgende:

„Nicht nur die anderen, sondern auch wir selbst sind das „Objekt“ unserer Gefühle und Haltungen. Zwischen der Einstellung zu uns selbst und der Einstellung anderen gegenüber besteht kein Widerspruch, sondern ein fundamentaler Zusammenhang. In bezug auf unser Problem heißt das: Liebe zu anderen und Liebe zu uns selbst ist keine Alternative. Vielmehr wird man eine sich selbst gegenüber liebevolle Haltung bei denjenigen feststellen, die zur Liebe zu anderen fähig sind.“ (Erich Fromm – Die Kunst des Liebens)

Und dieser Gedanke ist schlüssig. Denn wenn ich mich selbst lieben kann (nicht verehren, wohlgemerkt), dann kann ich den Menschen lieben, dessen dunkelsten Geheimnisse ich am besten kenne. Dessen Fehler mir am nähesten stehen. Und diesen Menschen zu lieben stellt eine Nähe dar, die näher nicht sein kann. Aus dieser Sicherheit heraus – ich habe ja jemand Geliebten immer bei mir – ist es viel leichter, sich auch der Außenwelt in Liebe zuzuwenden. Es ist wie mit der inneren Stärke: Nur wenn Du selbst stark bist, kannst Du auch für andere stark sein. Nur wenn Du Dich selbst liebst, kannst Du auch andere Lieben. Und so will ich mit einem weiteren fromschen Zitat enden und Dich frei lassen. Auf dass Du die Liebe in Dir trägst…

„Liebe ist eine Macht, die Liebe erzeugt.“ (Erich Fromm – Die Kunst des Liebens)

 

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