Haben oder sein?


Dieser Artikel ist offensichtlich von Erich Fromms gleichnamigen Buch „Haben oder Sein“ inspiriert. Gerade in unserem heutigen turbokapitalistischen Wertesystem ist sein dortiger Gedankengang wichtiger denn je. Beisteuern möchte ich nun ein paar eigene Gedanken zur Grundthese Fromms: „Sind wir, was wir sind? Oder sind wir, was wir haben?“ Begleitend zum zugehörigen Event.

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Geist oder Materie

Was macht glücklich? Was gibt Zufriedenheit? Was gibt Sicherheit? Beginnen wir mit der Sicherheit, so stoßen wir schnell auf materielle wie auch auf nicht-materielle Dinge: Eine starke, nicht infrage stehende Liebesbeziehung gibt dem Menschen Sicherheit. Ebenso verhält es sich mit einem eigenen Nest – dem Haus, dessen Raten mittlerweile abbezahlt sind: „Hier bin ich zuhause, hier kann ich sein.“ Wer möchte auf das zwischenmenschliche Heim der Liebesbeziehung verzichten? Wer auf das Wohnhaus, das ihm gehört?

In beidem – dem Haus und der Liebesbeziehung – liegt jedoch ein gleichartiges Problem. Es ist ein großer Unterschied, ob ich meine Beziehung und mein Haus genieße, oder ob ich sie brauche, um mein Leben zu genießen. Braucht man eine Person oder eine Sache, um das eigene Leben genießen zu können, dann hat man sich in eine Abhängigkeit begeben. Eine Abhängigkeit von materiellen und nicht-materiellen Dingen. Doch vielleicht wendet sich meine Geliebte von mir ab. Vielleicht brennt mein Haus nieder. Und dann? Wer bleibt von mir übrig? Was immer übrigbleibt bist Du selbst, egal ob Du Dich von den „großen“ oder den „kleinen“ Dingen trennst.

Halten oder genießen

Der Mensch ist sehr ambivalent. So hat er neben all seiner Neugierde und seinem Forschungsdrang auch einen Hang zum Konservatismus. Konservativ stammt vom lateinischen conservare, was so viel bedeutet wie „bewahren“ oder „erhalten“. Wir kennen dies sehr gut von der Konservendose, die den eingefüllten Status Quo möglichst lange erhält. Frei von Veränderung – das ist für unsere Betrachtung der relevante Aspekt. Wie aber soll ich etwas genießen, wenn ich ihm (der Sache, der Person, der Beziehung) die Veränderung vorenthalte? Auch Wachstum ist eine Form der Veränderung. Dieser intensive Moment, sich beim besten Sex in die Augen zu sehen, ist nicht bis zum nächsten Nachmittag konservierbar. Und das ist gut so, der Wandel gibt diesem Moment erst seine wahre Tiefe. Auf der anderen Seite: Ist es nicht gut, wenn mein Haus fertig ist und ich weiß, woran ich bin? Ist beim Eigenheim die stetige Veränderung nicht auch störend? Und ist es nicht schön, sich beim Sex für lange Zeit in die Augen zu blicken? Je nachdem. Die stetigen Veränderungen der Jahreszeiten geht das Eigenheim mit – was doch sehr angenehm ist. Mal wird der blühende Garten gepflegt, mal werden die Innenräume mit Weihnachtsschmuck dekoriert. Mal wird die Stellung gewechselt und die Augen sind aus dem Spiel. Wir sollten also nicht den Fehler machen, in Absolutheiten zu denken. Das Leben, das Universum und der ganze Rest, sie alle sind nicht absolut. Gesund ist eben eine Mischung aus halten und genießen: Halte die Verliebtheit aufrecht und genieße das Vertrauen, dass sich (positiv) verändert, nämlich vefestigt. Sei froh, dass die Wände deines Heimes unverrückbar und verlässlich bestehen, und genieße die vielen kleinen Veränderungen in Einrichtung und Dekoration, die Dein Leben begleiten. So ambivalent der Mensch an sich ist, so ambilvalent sollte auch die Lebensgestaltung sein.

Loslassen

Hier nun kommt unsere heutige Welt ins Spiel. Sehr laut schreit sie uns an: „Je mehr Du besitzt, desto besser geht es Dir!“ Das ist natürlich ausgemachter Quatsch, trotzdem haben viele Menschen diese Ansicht verinnerlicht und ihr Verhalten in fast manischer Art und Weise darauf abgestimmt: Das Konto wird gefüllt und gefüllt, im Keller stapeln sich die unbenutzten Dinge. Und wer wirklich „groß“ ist – nach kapitalistischem Maßsstab – sammelt leerstehende Häuser wie andere die Ü-Ei-Figuren. Natürlich ist es ganz nett, ein paar Milliönchen auf dem Konto zu haben. Aber was ist „ganz nett“ im Vergleich zu den unendlich vielen Erlebnissen, die man sich dafür „kaufen“ kann? Eine Weltreise zum Beispiel. Oder das glückliche Gesicht einer ums Überleben kämpfenden Mutter, wenn sie plötzlich ein Eigenheim geschenkt bekommt. Doch um diese Erlebnisse zu haben, muss man loslassen können.

Und Du selbst?

Nun sind wir beileibe nicht alle in der schönen Situation, von ein paar Hunderttausend Euro oder ein paar Häusern loslassen zu können. Dieser Überfluss ist sehr einfach zu betrachten. Doch wie ist es beim Normalverbraucher? Wie entscheide ich, was mich belastet? Woran erkenne ich, was ich halten sollte? Und wie lasse ich los? Da führen viele Wege nach Rom. Ein erster Schritt: Denke im Zen. Der Zen-Buddhismus kennt kein Klammern an Besitz. Ganz im Gegenteil, hier hat jedes Ding seinen Raum für Erfahrung, es darf sein, auch intensiv. Aber es wird nicht besessen. Einen weiteren Schritt (oder Weg) will ich Dir aufzeigen, er führt direkt durch das Unbewusste, wo die Bindungen an all die schönen und weniger schönen Dinge verankert sind:

Hypnose nach Erich Fromm #1 – „Haben oder Sein“

Samstag 20. April 2019 ab 18:00 Uhr im Yogarausch (Anna-Kuhnow-Str. 16 in Leipzig)

Link zum Event

Über dwm-coachings.de

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