Hypnose & der Teufel #2 – Höllenreise


Was die Menschen so alles behaupten, wen der Tag lang und das Hirn weich ist. „Meine Seele ist gestern Nacht auf dem Jupiter gewesen,“ mag nur eine von sehr vielen absonderlich anmutenden Aussagen sein. Wir wollen uns hier nun um folgende Behauptung kümmern: „Ich habe die Hölle gesehen. Ich war wirklich dort!“

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Die christliche Hölle ist (vermutlich) ein Glaubenskonstrukt, wie jede andere imaginäre und nicht-sprichwörtliche Hölle. Ob diese Hölle tatsächlich existiert oder nicht, soll für unsere Betrachtung jedoch irrelevant sein. Es geht hier nicht um eine wirkliche Hölle, sondern um die subjektive Erfahrung, diesen unschönen Ort bereist zu haben. Wie ist das möglich? Und was sagt uns das über uns selbst?

Sicherlich hat die eine oder der andere schon einmal von einem Besuch in der Hölle geträumt. Vielleicht nach einem entsprechenden Buch oder Film, vielleicht wie von selbst. Bei einem Traum wollen wir aufgeklärten Menschen natürlich nicht von einer tatsächlichen Hölle sprechen, höchtens von einer imaginären. Und genau hier kommt die titelgebende Hypnose ins Spiel. Zum Verständnis ein paar erklärende Worte:

Im Traum berfinden wir uns in unserem Unbewussten. Doch der Traum legt fest, in welcher Form dies dargestellt wird. Auch unsere Handlungen und Interaktionen sind vom Traum bestimmt. Es ist leider nicht möglich, sich für die Nacht einen Ort auszusuchen und diesen gezielt zu bereisen.¹ Träumen ist ein ungezielter Prozess, der uns seine Bröckchen vorwirft, wie sie ihm gerade passen. Hypnose führt ebenfalls ins Unbewusste, jedoch gezielt und steuerbar. Suggeriere ich meinem Klienten in einer Hypnose, er spaziere eine Wiese entlang, dann spaziert er eine Wiese entlang. Traumhaft und ebenso spürbar und real – wie es uns beim Träumen auch vorkommt. Möchte ich nun, dass mein Klient eine Bodenklappe öffnet und von der Wiese aus ins Erdinnere spaziert (vielleicht eine Wendeltreppe hinab), dann wird auch das passieren. Insofern der Klient keine inneren Hemmungen hat, wird er „meiner Geschichte“ folgen und sie dabei mit eigenen Ideen füllen.

Die Brücke schlägt sich offensichtlich: Ob ich meinem Klienten unter seiner Wiese, nachdem er die Wendeltreppe hinab gegangen ist, eine innere Zauberwelt suggeriere, einen Parkplatz oder die Hölle – methodisch bleibt es gleich. Denken wir an den Traum, der sich nicht in einer fremden Welt abspielt, sondern im Unbewussten. Der Logik der Hypnose folgend, wird also auch die hypnotische Hölle kein tatsächlicher Ort sein, sondern „nur“ ein inneres Abbild. Dies allerdings so real, wie sich auch ein Traum anfühlt, während man ihn träumt. Und damit ist alles gesagt. Alles? Oh nein! Das Wichtigste kommt schließlich immer zum Schluss:

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Die Macht innerer Abbilder ist immens – sie kann bis zum Tode führen. Ein gerne zitiertes, weil bestens belegtes Beispiel ist der arme Mann, der ein Kühlhaus säuberte. Die Türe fiel zu, es gab keinen Notöffner und keine sonstige Hilfe. Am nächsten Tag wurde der Mann tot aufgefunden, gestorben an Unterkühlung. Diese Unterkühlung entstand jedoch „von innen heraus“ – das Kühlhaus war ausgeschaltet und hatte ca. 18°C. Besagter Mann stellte sich die Kälte jedoch vor, die er vermutete, und setzte damit ganz unbewusst einen Auskühlungsmechanismus in Gang. Obwohl es von Außen keinen Grund dafür gab, fuhr sein Kreislauf und seine biologische Temparaturregelung soweit herunter, dass er daran verstarb. Die Kälte, die er zu spüren meinte, war nichts weiter als ein inneres Abbild. Es exisiteren unzählige weitere, bestens belegte Beispiele für solcherlei Effekte. Das bekannteste ist das Placebo.

Aus der Kunst, aus der Therapie (vornehmlich Gesprächs- und Gestalttherapie) und aus den Träumen wissen wir, dass sich psychische Prozesse und Zustände sehr gut in Bildern darstellen lassen. Unsere Psyche spricht keine rationale Sprache, sondern irrational, „magisch“ und bildsprachlich. Auf diese Weise funktioniert übrigens auch das Fernsehen: Bilder bewegen unsere Emotionen, weil sie fühlbar sind, nicht weil sie logisch wären. Der Weg via Hypnose in eine imaginäre, innere Hölle stellt hierbei nicht mehr und nicht weniger dar, als einen Kontakt zwischen sich selbst, den eigenen Dämonen und sonstigen düsteren Aspekten des Charakters. Ebenjene Dinge, die wir im Alltag gerne verdrängen (bei der Lust an Horror, Leid und Gewalt kommen sie zum Vorschein). Und dass hierbei Vorsicht geboten ist, sollte jedem einleuchten.

Nichtsdestotrotz ist eine solche innere Hölle auch „abgesichert“ besuchbar. Hierzu stehen dem methodisch versierten Hypnotiseur eine Vielzahl an Werkzeugen zur Verfügung. Wer sich also traut, seine eigene Hölle zu besuchen, darf sich auf eine intensive wie (positiv!) prägende Erfahrung freuen.

PS: Auch die Sexualität wird (nach christlicher Moralvorstellung) in der Hölle verortet. So schlecht ist diese Hölle nicht – sie ist ein intensiver, animalischer, lustvoller Ort voll kruder Phantasie und tief strömender Energie. Jeder hat seine eigene Assoziation und damit seine eigene Hölle – und vielleicht lädt Dich Dein Teufel dort zu einem Picknick ein…

¹) Die Ausnahme des luziden Träumens mal außen vor.

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