Hypnose & der Teufel #1 – Besessenheit


Der Teufel soll hier als Oberbegriff für all die seltsamen Okkultismen und Mystiken stehen, deren Symptome und (scheinbare) Existenz der gläubige Katholik des 17. Jahrhunderts eben jenem Teufel in die Schuhe geschoben hätte. Ob Telepathie oder Besessenheit, ob UFO oder Medium – das Feld ist weit und tief, ein nebeldampfender Acker voller Geheimnisse und Schlaglöcher.

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Nun protzt dieser Artikel nicht nur mit dem Teufel. Zu allem Überfluss wird die Hypnose hinzu geschoben – ein weiteres, sehr diffuses Feld, umschwirrt von Halbwissen und Aberglauben. Ein erster Schritt der Annäherung dieser zwei schattenwürfigen Themen wurde schon getan. Nun aber wollen wir uns dem Eingemachten nähern, der tiefroten Marmelade aus Meister Urians psychosozialem Obstgarten. Und heute soll uns das Beispiel der dämonischen Besessenheit dienen, um die albernen, schädlichen, sinnvollen und nützlichen Verquickungen von Hypnose und Mysterien genauer zu betrachten.

Besessenheit

Der Gedanke ist so einfach wie himmelschreiend: Ein bösartiges Geistwesen (Dämon oder der Teufel himself) dringt in den Körper eines Menschen ein, manchmal auch eines Tieres. Dort verdrängt die angreifende Seele ihr heimisches Pendant und übernimmt die Kontrolle. Der Körper wird also nach christlichem Vorbild als Behälter gesehen, der – einem Weinkrug gleich – mal diesen und mal jenen Inhalt haben kann. Mehr von Meister Urians Marmelade = weniger vom ursprünglichen Charakter. Denn wo „des Teufels Wege unergründlich“ sind, da raubt gerne der Steppenbrand des Wahns dem Geist die Klarheit. Das macht uns aber nichts, denn die Besessenheit wird ungleich spannender, wenn wir sie aus ihrem religiösen Erklärungskontext herauslösen und mit dem scharfen Skalpell der vernunftbetonten Betrachtungsweise ihr Inneres erforschen.

Ein Kind, das schwer mit einem Stock bewaffnet, Cowboys massakrierend durch’s Unterholz stürmt, geht in seiner Indianer-Rolle auf. Wäre das Kind kein Kind, dann würde uns ein solcher Mensch eher ängstigen, als belustigen. Der erwachsene Vorstadt-Indianer würde uns an einen Besessenen erinnern. Wir sehen also schon an diesem frühen Punkt: Besessenheit ist (auch) eine Frage des Alters. Und es gesellen sich weitere Blickwinkel dazu. Zum Beispiel: Was spielt das Kind? Ist mir dieses Spiel angenehm oder unangenehm? Chaotische oder mit scharfem Geist ausgetragene Spiele werden im „richtigen“ (also falschen) Umfeld viel schneller zur Besessenheit umgedeutet, als gesellschaftlich akzeptierte und daher den Eltern angenehme Spiele. Was z.B. im katholischen Christentum des 17. Jhd. den Verdacht einer Besessenheit auslösen konnte, mochte bei den Aborigines nur ein müdes Lächeln hervorgerufen haben. Es sind eben kulturelle, soziale und moralische Vorstellungen der jeweiligen Gesellschaft, die deutlich in diese Wertung mit einfließen.

Ich selbst war zu Beginn des Jahrtausends für mehrere Wochen bei einer Armenischen Familie zu Gast. Die Hausmutter war eine verschrobene, kontrollsüchtige Lady, meine offene und damals noch jugendlich hartnäckige Art, sorgte nicht gerade für eine Verbesserung der Lage. Die Stimmung blieb diffus und vorwurfsvoll. Nach ein paar Tagen wurde das Problem wiefolgt gelöst: Der Dorfpfarrer rückte mit Weihrauch und Gebetsbuch an und säuberte das Haus – vornehmlich meine Schlafstatt – nach allen Regeln orthodoxer Austreibekunst.  Beeindruckend war neben der Ernsthaftigkeit der Lage die konsequente Weiterführung subtiler, indirekter Zurschaustellung. Ich nahm mir ein Stück Kuchen, was niemand registrierte. Das sogenannte Böse wurde also mit großem Aufwand ausgetrieben, während das zu behandelnde Thema, der nervende junge Kerl und die subtilen Assozialitäten des Hauses, verdeckt blieben. Die biestige Alte war anschließend jedoch befriedet, so hat der Pfarrer, der mich seinen gesamten Besuch hinweg keines Blickes würdigte, doch gut gewirkt.

Hypnose

„Du folgst deinem Atem, wie er – einer unterseeischen Welle gleich – tief durch deinen Körper zirkuliert. Du atmest ein … du atmest aus … du atmest ein … du atmest aus … du atmest ein … du atmest aus … du atmest ein … du atmest aus … du atmest ein …“

Bildsprachlich eine Tür öffnen zu wollen, eine aus der täglichen Routine „herausgelöste“ Stimmung und konzentrierte Wiederholungen sind Kernelemente jeder ordentlichen Hypnotisierung durch Verbalsuggestion (=gesprochene Instruktionen). Wer meditiert oder Autogenes Training betreibt, kennt diese Dinge ebenfalls. Ideale Voraussetzungen auch für ein Ritual. Angesprochen werden im hypnotischen Zustand die instinktiven, triebhaften und sonst unbewussten Aspekte des Seins. Dies können rein psychische, rein körperliche (somatisch) oder psycho-somatische Effekte sein, wie z.B. ein einzelnes Muskelzucken, das sich durch die bewusste Beobachtung selbst verstärkt, weil sich ja durchs Beobachten auch der Glaube daran verstärkt. So bewegt sich die Wünschelrute wie von Geisterhand auf ideomotorisch-psychodynamischen Wegen. Auch Pendel, Ouija und das allseits beliebte Tischerücken erzeugen sich vermutlich auf diese oder sehr ähnliche Art und Weise.

In der hypnotischen Trance sind diese natürlichen Wirkungsweisen nicht etwa verstärkt. Es ist die im Wege stehende (analytische, zielorientierte, „kalte“) Ratio, die auf Seite geschoben wurde. So können in der Hypnose ideomotorische Muskelreflexe gezielt angesprochen werden, und sie treten mit Sicherheit auf, wenn nichts „Wichtigeres“ dagegen spricht. Darauf aufbauend lässt sich ein Feedback erzeugen, welches – gut getaktet und methodisch sicher geführt – von Pendel bis Tisch so einiges an Materie zu bewegen weiß. Es bleibt das Gefühl zurück, eine fremde Macht hätte hier ihre Klauen im Spiel.

Nähern wir uns dem Thema der Besessenheit an, so führt uns dies schnell zur hypnotischen Regression. Hierbei handelt es sich um den Blick in die Vergangenheit. Dieser Blick ist viel mehr ein direktes Wiedererleben oder Gegenüberstehen, als nur ein Blick ins bewegte Fotoalbum. Wer z.B. in ein Kindesalter von 11 Jahren zurück geführt wurde, wird während der Rückführung auch mit der damaligen Kinderhandschrift schreiben. Nicht nachgeahmt, sondern die wirkliche Handschrift von damals. Was für die Schrift und für Dialekte gilt, gilt ebenso für „von der Seite herein geschwapptes“ Wissen. So zum Beispiel die fremde Sprache, die ein oder zwei Jahre lang stetig im Radio vom Nachbarn lief. In verschiedensten Trance-Zuständen kann der Mensch auf verborgene Fähigkeiten zurückgreifen, ob gezielt (Hypnose) oder durch Zufall, die in ihrer Summe den Anschein einer ausgetauschten Seele machen. Um dem Fakt einen losen Gedanken anzuhängen: Auch ein hohes Fieber erzeugt eine Trance, auch ein Inneres Kind hatte mal einen sehr schlechten Tag. Wenn das zusammenkommt ist der erste Schritt zur Besessenheit getan.

Zweiter Schritt

Nun sind diese inneren und unbewussten Prozesse, welche immerhin die Grundlagen unseres täglichen Handelns darstellen, zwar wissenschaftlich weit erforscht, der großen Masse jedoch unbekannt. Sie sind ja auch kaum Thema in der Schule, wo kämen wir da hin!? Die Psychologie der Besessenheit wird selbst im Psychologie-Studium kaum angerissen. Mit Wissen und Erfahrung geleitet hingegen, kann eine hypnotisch hervor gerufene „Besessenheit“ sehr aufschlussreich sein. Was ist das für ein Charakter, der da in mir schlummert? Was will er mir sagen? Welchen Nutzen kann ich aus ihm ziehen? Ob es hierbei zu einer Regression kommt (z.B. dein Ich des 11. Lebensjahres), zur Darstellung eines Aspekts in Form einer Person (z.B. der Innere Kritiker) oder zu einer Vermischung verschiedener persönlicher Anteile, wird individuell sehr unterschiedlich sein.

In einem Seminar erzählten die Teilnehmer u.a. folgende Versionen ihres inneren Kritikers:

  • „Ich stand mir selbst gegenüber, aber mein Kritiker war anders angezogen.“
  • „Es war eine Art Cyborg-Ich, super-schnell und präzise.“
  • „Es war ein helles Licht, das später [beim Wecken, Anm.] wie ein Rochen aus Licht in meinen Kopf geschwommen ist.“

Wäre es für jene Teilnehmerin nicht interessant, das Cyborg-Ich „aus ihr“ in eine Kamera sprechen zu lassen?

Wie wir schon beim Fieber und an manch übriggelassenen Stammesriten sehen, muss nicht jede Trance im körperlichen Schlafzustand stattfinden. Auch die Hypnose, die in gewisser Weise als Oberbegriff für alle (nicht durch Drogen indizierte) Trancezustände dienen kann, kennt die Wachtrance. Eingeleitet in einem schweren Sessel bei schummrigem Licht, ist das Augenöffnen nicht Trance-brechend sondern Trance-verschiebend. Ist beim „Besessenen“ der tiefe Wille dafür vorhanden, dann verschiebt sich die Trance auf den gewünschten (oder gewünscht zufälligen) Charakter. Dieser öffnet nun die Augen und spricht.

Das Ganze lässt sich natürlich nach Belieben vertiefen: Interaktion des „Dämons“, aufgeschriebene Fragen, Gegenfragen und Statement in die Kamera, Briefwechsel… Ein automatischer „Chat“ mit Stift und Zettel kann bei stark suggestiblen Personen durch Verankerung fix automatisiert werden, Telepathie vorspielende Haluzinationen, Daumenschrauben, Geister sehen…

Am End‘ vom Schauermärchen bist du es nämlich selbst, der da zum Vorschein kommt.

Ausblick

Freundliches Mondgesicht, sternenklar mit Geisterschlieren, dabei steife Höllenbrise von unten-west. Hin und wieder wehen kleine und mittlere Schauer über den Rücken.

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