Werte die Anderen, werte nicht Dich selbst!


Du wertest Menschen, ich werte Menschen, Klaus-Dieter von der Stadtreinigung wertet Menschen. „Gunther ist mein Freund!“ stellt eine Bewertung dar, die uns nicht weiter (ver)stört. Auch nicht stören sollte. Obwohl das Werten unserer Mitmenschen eine überlebenswichtige Selektivität darstellt, tun wir uns mit diesem Thema sehr schwer. Und: Wir blicken beim Werten des Wertens meist in die falsche Richtung.

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Rassismus ist eine sehr grobe (und sehr dumme) Variante, seine Mitmenschen in Gut und Schlecht zu unterteilen. Der Sexismus steht dem in seiner Idiotie in nichts nach – vielleicht mit dem einzigen Unterschied, dass der Sexismus noch keine KZs hervor gebracht hat. Massenmorde allerdings schon, man denke dabei nur an die Zeit der Hexenverbrennungen. Heute sind die meisten Menschen einen Schritt weiter, denn sie werten ihre Mitmenschen nicht mehr nach solch stumpfen Kategorien. Es wird soft gewertet: Mein bester Freund, meine liebste Kollegin, der witzigste Comedian und die allerbeste Mami von der ganzen Welt. Wir brauchen diese soften Sortierungen, sonst wissen wir ja nicht, an wen wir uns in Krisenzeiten wenden sollen (die gute Freundin oder den schlechten Bekannten).

Nun gibt es mehrere Gründe, warum wir werten. Der eine ist die eben schon erwähnte, sinnvolle Sortierung unserer (sozialen) Umwelt. Der zweite, weitaus dramatischere Grund ist der, dass wir uns durch das Werten besser fühlen können. Der König wertet sich als König, in den krassen Fällen fühlt er sich den Göttern näher als den Menschen, und wertet sein Volk als unter ihm. Und manch bürgerlicher Angestellter wertet auch heute noch den stinkenden Obdachlosen (der stinkt, weil er keine Dusche hat) als weniger fähig als sich selbst – oftmals versteckt sich dahinter eine sanfte Form, wie sie in Rassismus und Sexismus eben deftiger auftritt: Weniger fähig = weniger wert. Dass der arme Kerl vielleicht einfach nur Pech gehabt hat, geht dem Drüberstehenden nur schwer in den Sinn.

Nun ist es sicherlich nicht gut und dem Glück und Erfolg der Menschheit eher abträglich, mit dem Blick nach außen die Menschen um sich herum herab zu werten (oder herauf, im Falle eines bewunderten Superstars). Trotzdem sehe ich hier nicht den Kern des Übels. Dass mir ein Mitmensch weniger wert vorkommt, das führt doch meist dazu, dass ich mich nicht für ihn interessiere. Schön ist das nicht, der Schaden bleibt aber in der Regel eher gering. Ich würde gar etwas flapsig behaupten:

Hört nicht damit auf, die anderen zu werten. Hört damit auf, Euch selbst zu werten!

Wer grün wählt ist der bessere Mensch. Natürlich nicht – und doch fühlen sich viele Menschen genau so: Sie achten auf die Natur, auf das Gegenüber, auf die Ernährung und auf die Intellektualität ihrer Freizeitgestaltung. Andere wiederum zeigen anhand dicker Karren und noch dickerer Geldbeutel nicht nur dem Umfeld, sondern gerade sich selbst, wie wertvoll sie sind. Auch Macht, Status und Ansehen sollen in dieser Aufzählung nicht vergessen werden. Die Menschen erhöhen sich damit – ganz unabhängig von ihrem Umfeld. Sie werten sich selbst anhand der Dinge („Ich bin reich!“) oder anhand ihrer sozialen Nützlichkeit („Ich bin Feminsit!“) und so weiter. Sie vergessen dabei, dass ihr Blick oftmals sehr egoistisch ist, dass die schöne Fassade nicht viel mehr darstellt als ein Schild, auf dem steht, wie unermesslich großartig sie eigentlich sind. Andere Menschen ideell zu erniedrigen ist eben das eine, doch sich selbst ideell zu erhöhen ist das größere Schwein im Sozialgefüge. Und der Wettbewerb ist groß, denn es kaufen viele großartige Weltenretter ihre importierten Lebensmittel im Biomarkt.

Achtung Missverständnis!

Selbstverständlich ist es wichtig, gut und richtig, auf die Natur zu achten, auf die Mitmenschen und all das, was uns sonst noch umgibt. Ich will hier sicherlich niemanden davon abhalten, grün zu wählen (von den – Achtung: Wertung! – Affenköpfen der AfD möchte ich Dich schon viel lieber abhalten) und auch sicherlich den Feminismus nicht beleidigen. Der ist nämlich gut, insofern es dabei um die Sache geht: Die Gleichberechtigung. Doch der Zweck von Menschlichkeit und Naturschutz ist eben die Menschlichkeit und der Naturschutz. Und der Zweck eines Autos ist die Fortbewegung. Das Ego steht da nur im Weg. Und hey, falls Du Dich angesprochen fühlst: Ein Skype-Kurs über Achtsamkeit und das Nachplappern der großen Meister hat noch niemanden vor sich selbst gerettet.

Willst Du reifen, Dein eigenes Ego überwinden, dann musst Du Dich strecken. Mit dem Kopf in den Sternen zu schweben ist ebenso leicht, wie mit den Füßen auf dem Boden zu stehen. Doch wer mit den Füßen auf dem Boden steht und zeitgleich mit dem Kopf in den Sternen schwebt, der kommt um Wachstumsschmerzen nicht herum. Oder, wie es ein alter Meister gesagt hat: „Der Weg zur Erleuchtung führt über die Streckbank.“

 

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