Wille und religiöse Selbstaufgabe


Eine geistreiche Schönheit hat mir ein Buch empfohlen, das ich bisher nicht gelesen habe. Von mir also noch keine Empfehlung, sondern nur ein Hinweis darauf: Dieses Buch existiert. Nun bin ich seit meiner Jugend sehr interessiert an alt-arabischer Mystik, Kultur und Lebensart, so dass mich jene Buchempfehlung in einem freien Moment dazu bewog, den (dort behandelten) Sufismus etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Genauer heißt: Angefangen mit dem doch eher ungenauen Wikipedia-Artikel.

derwisch

Nun ist so ein Wikipedia-Artikel alles andere als ein tiefer, ungetrübter Einblick. Fehler, Vereinfachungen, Verfälschungen und Verwechslungen sind hier bekanntlich gang und gäbe. Und so stieß ich recht schnell auf folgenden Satz:

„Das oberste Ziel der Sufis ist, Gott so nahe zu kommen wie möglich und dabei die eigenen Wünsche zurückzulassen.“

Hier nun wollen wir den Sufismus hinter uns lassen. Denn die erwähnte Ideologie, nach der Vereinigung mit einer Gottheit, dem Universum usw. zu streben, ist in vielen Religionen und Scheinreligionen zu finden. Und oftmals soll der Weg dorthin eben jener sein: Sich selbst aufzugeben, zuerst den eigenen Wille und das eigene Ego. Die ja untrennbar miteinander verbunden sind. Da stellt sich mir schreiend und blinkend die Frage entgegen: Macht dieser Weg eigentlich Sinn?

Und die Antwort ist klar – insofern wir obigen Satz als Wegweiser zu Gott (wer oder was das auch immer sein soll?) betrachten wollen: Nein! Dieser Weg ist sinnfrei. (Im Falle von Wikipedia, liebe Sufis, halte ich ihn für nicht mehr als eine schlechte Übersetzung. Also seht bitte davon ab, mir das Schicksal des ‘Alī ‘Imādu d-Dīn Nasīmī zu wünschen.)

Es ist sehr einfach: Manche Menschen sind gläubig, andere nicht. Manche gläubige Menschen wollen zu Gott, andere nicht. Manch ein Christ will Pabst werden, manch anderer den Teufel beschwören, ein Dritter will nur einfach und zufrieden leben. Wir haben es hier mit verschiedenem Wollen zu tun, so verschieden, wie die Egos der Menschen eben sind. Wenn nun das Ego eines Gläubigen diesen zur „Unio Mystica“ (der Vereinignung mit Gott) führen möchte, dann ist dies sein Wille, gespeist durch sein Ego. Und hier beißt sich die Katze so dolle in den Schwanz, dass ihr Maunzen noch die Ringe des Saturn und die Wülste meiner Geliebten zum Beben bringt:

cat

Es ist doch sehr einfach: Ist der Wille überwunden, so ist auch der Wille, der postulierten Gottheit zu begegnen, obsolet. Ist selbst das Ego überwunden, so gibt es nichts, was diesen Willen von Neuem erzeugen könnte. (Und hier streifen wir einen sehr interessanten Aspekt: Im Zeitalter der High-Speed-Computer wird an allen Ecken und Enden von der „Künstlichen Intelligenz“ geredet. Im Grunde meint man hierbei: „Künstliches Leben“. Und man versucht, dieses Leben auf der Basis der Rationalität zu erzeugen. Doch was ist der Kern einer lebendigen Handlung? Es ist der Wille: „Ich habe durst, ich will trinken!“ Dies ist keine Ratio, hier steuert ein Gefühl. Dass es unsere irrationalen (!) Gefühle sind (Instinkte, Konditionierung, etc.), die uns zur Handlung treiben, wird so offensichtlich wie regelmäßig vergessen. Es geht also beim Erzeugen von künstlichem Leben nicht darum, eine mathematische Super-Intelligenz zu schaffen. Es bringt auch nichts, sofern diese Super-Intelligenz keinen Willen zur Handlung entwickelt: Sie würde existieren ohne zu agieren. Selbst die Kreativität der Kunst-machenden-Maschinen ist eine Scheinkreativität. Der Wille kommt aus dem Gefühl, aber woher kommt nun das Gefühl? Aber zu diesem Thema ein anderes Mal ein eigener Artikel.) Um obigem Satz nun einen wirklichen Sinn zu geben, möchte ich ihn umschreiben:

„Um Gott so nahe zu kommen wie möglich, ist der unbändige Wille das oberste Gebot.“

Es gibt übrigens eine weitaus „schlauere“ Denkrichtung, die vor allem im fernen Osten zu finden ist (Zen, Buddhismus):

„Entferne Dich von Deinem Ego, löse Dich von der materiellen Welt – so findest Du automatisch zu Gott.“

Wobei auch hier gesagt werden muss, dass das Ego mit der unbeherrschten Macht der Triebe nahezu gleich gesetzt wird – Machthunger, Raffgier, Sexualtrieb und so weiter. Was natürlich eine arge Beschneidung des Egos darstellt (wir verwenden das Ego nicht im freudschen Sinne, sondern als Synonym für das eigene Selbst). Und dass sich „Gott“ oder die „Göttlichkeit“ letzten Endes in uns selbst befindet, das klingt uns sowieso tausendfach in den Ohren. Meine persönliche Erfahrung sagt dazu folgendes:

„Löse Dich von äußeren Abhängigkeiten – so findest Du ganz automatisch zu Dir selbst.“

Auch das ist nur eine Meinung, wie es auf dieser Welt so viele Meinungen wie Egos gibt. Und wer weiß, vielleicht liegt die Wahrheit in einer Muschel verborgen, in einer so tiefen Tiefe des Ozeans, dass sie bisher noch niemand gefunden hat…

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