Die „Liebe“ und ein sprachliches Problem


Wer sehnt sich nicht an manch einsamen Tagen nach einer Stimme, die so sanft wie unumwunden ins hungernde Ohr haucht: „Ich liebe dich!“ Natürlich ist das schön, denn es füttert den uns allen anhaftenden Wunsch nach Bestätigung. Hoppla… Bestätigung? Das ist doch egoistisch motiviert, lässt der Liebe also keinen Raum! Oder doch? Oder vielleicht? Wir werden sehen…

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„Du liebst mich doch?“ ist eine Frage, wie sie durch Myriaden belasteter Beziehungen wabert. Und hilft die Antwort darauf weiter? Wohl kaum, denn sie ist nicht mehr als ein „Ja“ auf die Frage: „Wie groß ist das Schwabenland?“ Ich persönlich liebe mein Kind, ich liebe meine Geschwister, meine Familie, einige gute Freunde – und noch ein paar Menschen mehr. Ich liebe aber auch einen Wintertag im Bett und die Fruchtbarkeit meines Gartens. Nebenbei liebe ich manch guten Techno. Und dumme Witze. Aber liebe ich einen Menschen genauso wie einen guten Flachwitz? Manchmal mehr, manchmal weniger.

Wir Menschen machen es uns immer wieder zu einfach – und daran scheitern wir. Es gibt die „Beziehung“ die man führt, wenn man sich „liebt“. Unsere Gefühle verwalten wir dabei in der grobschlächtigen Art und Weise eines On-Off-Schalters. „Sie liebt mich… sie liebt mich nicht… sie liebt mich… sie liebt mich nicht…“ Zwischen den Blütenblättern des Gänseblümchens der Liebe liegt: Nichts. Was im Grunde jeder weiß, dass die Liebe eine weite Skala hat, wird gerne ignoriert. Und hier kommt wieder die Bestätigung ins Spiel.

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Dem Grundgedanken Erich Fromms folgend, dass die Liebe zuvorderst eine Haltung ist, wird es sehr schwierig, „Liebe“ und „Bestätigung“ unter einen Hut zu bekommen. Bestätigung ist ein egoistisches Geschäft: Ich will es mir sehr angenehm machen, in meiner Gefühlswelt. Daher suche ich nach Bestätigung. In „Liebe“ sind meine Gedanken und Gefühle aber auf das Wohl meines Gegenüber gerichtet. Übrigens, für unsere schwarz-weiße (Dienst-)Leistungsgeselschaft kaum denkbar: Diese Ausrichtung auf mein Gegenüber macht mich weder unterwürfig noch abhängig noch sonst etwas. ICH liebe – die Liebe ist MEINE Haltung und MEINE freie Wahl. Ein Sklave liebt den Herren nicht, im besten Falle respektiert er ihn.

Im Grunde möchte ich hier auf ein sprachliches Problem aufmerksam machen:

  • „Liebe“ ist ein Wort ohne Skala

Und daher wird „Ich liebe dich“ gerne mit der Absolutheit verknüpft. „Du liebst mich und daher niemand anderen!“ Aber liebe ich meine Familie nicht ebenso? Und welches meiner Kinder darf ich dann lieben, wenn ich mich entscheiden muss? „Du liebst mich und daher bin ich dein Traumpartner für heute und bis in alle Ewigkeit!“ Darf ich dich nicht nur ein bisschen lieben? Wenn ich dir in Liebe zugewand bin, warum darf ich mich dann niemals wieder abwenden? „Liebst du mich?“ Geht es dir überhaupt um mich? Oder bin ich doch nur Erfüllungsgehilfe deiner Selbstbestätigung – die du dir dadurch holst, dass ich dir regelmäßig sagen muss (hier nun ganz der Diener, denn es ist ja keine echte Liebe): „Ja, ich liebe dich!“

Vielleicht sollten wir die Liebe etwas freundlicher betrachten, sehen wir sie als eine weite Landschaft mit vielerlei schönen Orten. Manche nur für kurze Zeit, manch andere laden zum Verweilen ein. Ungezählte Spielarten, Tiefen, Gefühlslagen… mal leicht, ein Hauch, mal ein alles verschlingender Orkan. Stehen wir uns in unserer stumpfsinnigen Suche nach Absolutheit nicht selbst im Weg, beschränken wir uns nicht auf „Ich liebe dich!“ und „Ich hasse dich!“, sondern leben wir die Liebe. In all ihrer Vielfältigkeit.

liebe2(Ein Apfelbaum hat nicht nur Früchte, er hat auch schöne Blätter.)

Als besonders schöne Sicht zur Liebe sei noch folgende genannt: „Ich liebe nichts. Ich liebe niemanden. Die Liebe ist einfach ein Teil von mir, wie meine Haut. Und kommst du mit ihr in Kontakt, dann bleibt sie ein Teil von mir. Doch kann Haut auf Haut auch sehr erregend, sehr persönlich, sehr intensiv, sehr intim sein. Und trotzdem bleibt es meine Haut und deine Haut, die sich berühren. Zum Glück, denn nur so kommt diese Empfindung zustande, dieses magische Knistern, dass sich grundlegend Getrenntes sehr, sehr nahe ist. Und manchmal ist es eben nicht nur die Haut, das Physische, sondern auch die Fähigkeit zu Lieben, in der sich zwei Menschen berühren – erregend, persönlich, intensiv, intim. Seele auf Seele, Haut auf Haut, das ist die Liebe. Kein Fakt, sondern ein Zustand.“

 

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