Der innere Kritiker ist zu zweit!


Wie er nervt! „Das schaffst Du nicht!“ sagt er. Und: „Du Wurst! Du wertloses Subjekt!“ Wie sehr er einen dabei aufhalten kann, das eigene Leben auszuschöpfen! Und wir glauben, wir kennen den Feind, der in allen Dingen nur das Schlechte sieht. Wir nennen ihn den inneren Kritiker. Und übersehen dabei einen wichtigen Faktor. Der innere Kritiker ist zu zweit!

kritiker

So unangenehm diese zwei Typen auch sein mögen, ihre Existenz hat durchaus Sinn. So halten sie uns von Dummheiten ab, die sehr schnell ins Auge gehen können. Willst Du die Eiger Nordwand in Flip-Flops besteigen, dann sagen sie: „Das schaffst du nicht!“ Und sie behalten recht – lebensrettend! Es ist ihre Funktion, uns vor Schaden zu bewahren. Doch in einer die Physis und Instinkte unterfordernden Welt, in der die höchste Hürde der morgendliche Wecker ist, da suden die Kritiker im eigenen Saft. Letztlich wollen sie ihren Zweck erfüllen und erzeugen Ängste, die nur wenig Sinn machen. Die Kritik wird zum Selbstzweck. Und sie kommt im Zwillingsmodell.

Der Betrachtungsweise von zwei statt einem inneren Kritiker liegt dessen Funktionsweise zugrunde. Es ist fachlich korrekt, von „dem inneren Kritiker“ zu reden, also von einer einzigen Figur. Und doch ist es für ein besseres Verständnis – und damit für einen besseren Umgang damit – sehr hilfreich, den inneren Kritiker in zwei Teile zu schneiden. Die Behauptung der „zwei inneren Kritiker“ ist also eine theoretische Sicht auf einen ganz realen Nervsack.

1.) Der bewusste Kritiker

Der bewusste Kritiker arbeitet im rationalen Denken. Übertreibt er es, ließe sich auch von pseudo-rationalem Denken reden. Er findet Argumente (oder Scheinargumente), um Dich von einer Gefahr (oder scheinbaren Gefahr) abzuhalten. Er spricht mit Dir, er tobt sich im Bewusstsein aus. Gerade die störenden Meldungen des Kritikers sind letztlich meist auf Sand gebaut, zum Beispiel der Gedanke: „Steig nicht in das Flugzeug! Wie unsicher es schon aussieht, es wird sicherlich abstürzen!“ Dieser Gedanke konzentriert sich nämlich gar nicht auf das Flugzeug, auch wenn er so tut. Er konzentriert sich auf das Abstürzen. Ist das Flugzeug nicht wirklich eine vermaledeite Klapperkiste (was nur selten vorkommt), so fällt das Argument des Kritikers damit, dass man sich das Flugzeug tatsächlich anschaut: Wo ist die lockere Schraube? Nirgends! An welcher Stelle ist der Flügel kaputt? An keiner! Fliegen ist besonders gefährlich? Natürlich nicht! Lerne also Argumente von Scheinargumenten zu unterscheiden.

Um eine Hemmung oder Angst wirklich in den Griff zu bekommen, sollten wir allerdings beide Kritiker bekämpfen. Das Flugzeug-Beispiel mag dafür sehr anschaulich sein: Argumente beruhigen zwar, aber sie lösen die Angst letztlich nicht auf. Auch eine Zange zieht deshalb den Zahn, weil sie von beiden Seiten greift – eine psychische Zange greift idealer Weise von der Ratio und vom Gefühl her. Deshalb heißt sie Zange.

2.) Der unbewusste Kritiker

Man könnte ihn auch den „instinktiven Kritiker“ nennen. Ich möchte nun die Hypnose als anschauliches Beispiel für die Trennung des bewussten vom unbewussten Kritiker hernehmen. Ein Zitat aus Wikipedia dient dabei als Steilvorlage: „Die Trance kann nach Belieben vertieft werden, wenn der Proband keine unbewussten Widerstände gegen eine Vertiefung […] leistet. Meistens analog dazu nimmt die Kritikfähigkeit des Bewusstseins ab.“ Das heißt: Je tiefer eine hypnotische Trance, desto geringer ist die bewusste/rationale Bewertung äußerer Eindrücke. Zum Beispiel die Suggestion „Du bist so schwer wie ein Stein, der in einem riesigen Federkissen versinkt“ würde vom bewussten Kritiker als falsch abgelehnt werden: „Ich bin kein Stein und hier liegt nirgends ein Federkissen.“ Das Unbewusste spricht aber eine andere Sprache, es fühlt hinter die Worte und findet darin das, was sie über ihren eigentlichen Fakt (Stein, Kissen) hinaus bedeuten können. (Eine Funktionsweise übrigens, ohne die wir keinen Kinofilm genießen würden.)¹ Wäre die Suggestion aber folgende: „Ich werde dich nun unsittlich berühren,“ dann würde der unbewusste Kritiker mit einem starken Gefühl der Ablehnung reagieren. In der Hypnose heißt das: Die Trance wäre gebrochen, der Hypnotisand plötzlich wach und zur Selbstverteidigung bereit – ohne jemals rational darüber nachgedacht zu haben. In diesem Fall eine gesunde Reaktion. In ungesunder Weise äußert sich der unbewusste Kritiker oftmals in Form von Hemmungen – wer mit Hypnose erfahren ist, kennt es sehr gut. (Eine der weit verbreitesten Hemmungen ist die Scheu davor, in sich selbst zu blicken.)² Doch auch hier liegt die Lösung im Problem: Die eigenen Gefühle zu verstehen und die eigene Charakterstruktur zu erkennen sind zwei wichtige Grundlagen, um die guten, sinnvollen Gefühle auszuleben und die unguten, unsinnigen Gefühle stetig und erfolgreich aufzulösen. Auch jene, die der unbewusste Kritiker bringt.

Für beide Kritiker gilt übrigens: Sind sie gesund, verhindern sie Gefahr, sind sie zu wenig ausgelastet, so machen sie unschöne Sperenzchen. Ganz ähnlich dem Kapitalismus: Hat er keine Kunden mehr, so schafft er eine künstliche Nachfrage. Auf Teufel komm raus! Wer nun wirklich heraus kommt – das liegt ganz in Deiner Hirnfunktion.

teufel

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¹) Unser bewusster Kritiker weiß ganz genau, dass Schauspieler und künstliche Filmsets am Werke sind. Der Kampf, die Liebe sind nicht echt. Und trotzdem berühren sie uns. Wir schalten im Kino den bewussten Kritiker aus. Der unbewusste Kritiker ist dabei – der Hypnose ganz ähnlich – besonders wach: Jede (gespielte) Emotion erreicht uns direkt und sehr intensiv. Man möchte gar soweit gehen und behaupten, dass ein künstlicher Obdachloser im Film, mit dramatischer Musik unterlegt, unserem Herzen näher ist, als der echte Bettler draußen auf der Straße.

²) Einige Hypnotiseure geben dann dem Klienten die Schuld: „Wenn er nicht will, dann kann ich auch nichts machen!“ Doch kann man wirklich von einem Klienten, der freiwillig Geld bezahlt hat, behaupten, dass er nicht will? Ganz im Gegenteil: Er will, er weiß nur nicht wie. Und da – sei es Hyponse, Coaching, Therapie – liegt es in der Verantwortung des Coaches oder Therapeuten, dem Klienten den Weg zu zeigen, die unbewussten (!) Hemmungen zu überwinden. Dies ist ein elementarer Bestandteil des sog. Rapports.

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