Humor, Probleme und Hypnose


Oftmals werden Hypnosen, Coachings, Selbstfindungs-Seminare und Konsorten mit einem heiligen Ernst verkauft. Man solle die Psyche, die Seele und das Universum so ernst nehmen, wie es nur eben geht. Immerhin ist der Grund der Teilnahme an solcherlei Maßnahmen meist ein „Problem“. Überhaupt sollte ja jeder Mensch ernst genommen werden. Ob so viel Ernsthaftigkeit dem ernst genommenen Klienten nun gut tut, sei dahingestellt. Und überhaupt – schließt der heilige Ernst nicht einen elementaren Aspekt des Menschseins aus?

lachen

„Lachen ist gesund!“ Das wusste schon unsere Großmutter – sofern sie denn gesund war. (Ich möchte hier nicht über körperliche Gesundheit reden, sondern über emotionale Gesundheit – dies vorneweg.) Was genau beinhaltet nun dieser lockere Spruch im Detail?

  • Lachen entspannt das Gehirn. Ist das Gehirn mit Informationen überflutet, dann sucht es nach einer Möglichkeit, zu verarbeiten. Der Input soll sich „setzen“, das heißt: Die Informationen werden je nach Relevanz in verschiedene Bereiche des Erinnerungsvermögens verschoben. Was präsent bleiben soll, bleibt sehr am oder gar im Bewusstsein. Unwichtige Informationen werden fallen gelassen. Informationen, die später wichtig werden können, verschieben sich ins Langzeitgedächntis. Für eine solche Sortierung nach ca. 20 Minuten Input benötigt das Gehirn knapp 5 Minuten Ruhe. Was nun sehr erstaunlich ist, ist die Tatsache, dass einmal herzlich lachen den selben Effekt hervorruft, wie 5 Minuten gezielte Entspannung. Kurz gesagt: Lachen ist Doping für ein ausgelasteten Gehirns. Der einzigen Nebeneffekte dabei sind die damit einher gehende gute Laune und Entspannung.
  • Humor ist der gegenteilige Blickwinkel. Habe ich ein Problem, so betrachte ich das Problem instinktiv aus einer negativen Position heraus. Schaden, Stress und Folgeschäden liegen in meinem Fokus. Schaue ich wieder und wieder und wieder auf diese Aspekte, so ist die Gefahr groß, dass ich mir dadurch eine Art negative Echobox baue. Eine Negativität entsteht, die auf Bereiche meines Lebens abstrahlen kann, die an sich mit meinem ursächlichen Problem nichts zu tun haben. Über das eigene Problem nun zu lachen, bedeutet keineswegs, es zu verharmlosen. Humor ist hier vielmehr als eine Art Advocatus Diaboli zu verstehen – also eine Umkehr der Sichtweise um 180 Grad. Es ist bekannt, dass wir armen, leidgeprüften Bewohner eines der wohlhabendsten Länder der Welt gerne aus der Mücke einen Elefanten machen. Und zwar nur aus der negativen Mücke. Humor gibt uns die Möglichkeit, die Sicht wieder umzukehren. Und je vielfältiger die Blickwinkel auf ein Problem sind, desto klarer ist der Gesamteindruck. Dass ein möglichst klarer Gesamteindruck bei der Problemlösung sehr förderlich ist, versteht sich ja von selbst.
  • Humor untergräbt Denkverbote. Viele emotionale Probleme entstehen dadurch, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Wer es sich verbietet, moralisch fragwürdige Gedanken zu hegen, der verschiebt diese Gedanken ins Unbewusste. Dort, in der Welt der Gefühle, gedeihen sie nun ungesehen und treiben die wildesten Blüten. Was zu Anfang vielleicht noch lösbar gewesen wäre, entläd sich mit der Zeit auf gnadenlose Art und Weise. Humor gibt uns die Möglichkeit, Gedanken (und Gefühle) auszuleben, die z.B. dem gesellschaftlichen Kodex widersprechen. Ob gerechtfertigt oder nicht, der Hass auf eine Person sucht nach Entladung. Sich diese Entladung aus moralischen Gründen durch eine Negierung der Hassgedanken zu verwehren, kann zu sehr viel Schlimmeren führen. Eine Möglichkeit der schadlosen Entladung ist die Kreativität. Kreativprozesse werden von der psychologischen Forschung vornehmlich als Verarbeitungsprozesse angesehen – unabhängig davon, ob ein negatives oder ein positives Erlebnis verarbeitet werden möchte. Ebenso wirkt aber auch Humor als ein entladender Prozess zur Verarbeitung inneren Drucks. Und gerade bei Leidensdruck (zu dem auch unausgelebte Hassgefühle gehören) ist Humor sehr effektiv. Und der ideale Nebeneffekt ist der, dass Humor zwar eine ebenso scharfe Klinge wie ein Küchenmesser haben kann: Der Schaden hält sich im Gegensatz zur Entladung durch das Küchenmesser doch deutlich in Grenzen.
  • Schräger Humor fördert assoziatives Denken. Eine einfachere Beschreibung für das assoziative Denken ist die Kombinationsgabe. Eine Besonderheit, die wir uns auf der Welt nur mit ein paar Primaten, den Krähen, Oktopoden und wenigen anderen Lebewesen teilen. Ohne diese Gabe wäre der Mensch evolutionär auf der Strecke geblieben. Denn diese Gabe lässt uns aus Tierfell Kleidung machen, aus Steinen Werkzeug, aus Höhlen eine Behausung und so weiter. Selbst heute sind wir ohne eine gesunde Fähigkeit zur Assoziation nahezu Nichts. Schon der Gedanke, mit einem Schraubenzieher eine Farbdose zu öffnen, ist komplett assoziativ: Es werden zwei voneinander unabhängige Dinge zu einem passenden Gesamtbild verbunden. Gerade der schräge oder absurde Humor fördert diese Gabe intensiv. So ziemlich jeder gute Witz von Monty Python beinhaltet einen assoziativen Faktor. Es ist also keineswegs nur seichte Unterhaltung, wenn wir zwischen Monty Python und der Nackten Kanone hin und her schalten. Es ist in manchen Szenen reinstes Training für das Gehirn.

 

Natürlichn sind dies nicht alle positiven Aspekte des Humors. Trotzdem möchte ich nun zum Thema „Humor und Hypnose“ übergehen.

Wie wir schon gesehen haben, dient Humor der Entspannung. Kann ich über das Problem lachen, das mich mit akuter Anspannung beschenkt, so werde ich durchs „drüber lachen“ diese Anspannung für kurze Zeit los. Das Problem tritt in den Hintergrund, ich kann mich auf mich selbst und das Jetzt konzentrieren. Und genau damit arbeitet die Hypnose-Induktion: Mit der Konzentration auf das Jetzt und auf sich selbst in diesem Jetzt. Nun dient das befreite Lachen sowohl einer emotionalen, wie auch einer physischen Entspannung. Und da die Hypnose-Induktion genau das darstellt, eine emotionale wie physische Entspannung, kann ein gewisser Humor zu Beginn einer Hypnose-Sitzung sehr förderlich sein. Allerdings ist die körperliche Entspannung eine Folge des Lachens – es ist also nicht möglich, sich in eine Hypnose hinein zu lachen. Die Hypnose sollte also nicht während, sondern nach einem entspannenden Gelächter eingeleitet werden. Und wie mit allen Dingen im Leben: Das Maß macht die Musik!

Humor fördert das assoziative Denken. Dies nicht nur langfristig, auch auf momentane Sicht ist dieser Effekt bemerkbar. Erlauben wir es uns, über einen absurden oder hintersinnigen Witz zu lachen, so erlauben wir es uns ebenfalls, „unlogische“ Suggestionen aufzunehmen. Hält also das Vorgespräch einer Hypnose hier und da eine kleine Albernheit parat, so lässt sich der Hypnotisand bei der Induktion der Hypnose auch gerne solcherlei Beschreibungen unterjubeln: „Sie schwimmen immer weiter aufs Meer hinaus, werden dabei immer schwerer und schwimmen bergab.“ So absurd der Gedanke auf der rationalen Ebene auch sein mag, so wirkungsvoll ist er auf der emotionalen Ebene. (Hier sei daran erinnert, dass die Rationalität und das damit eng verbundene Bewusstsein einer Nussschale auf dem Ozean des Unbewussten gleicht.)

Es sich zu erlauben, herzlich und ungebremst zu lachen, hängt sehr eng mit der Fähigkeit „sich fallen zu lassen“ zusammen. Beim schamlosen Gelächter spricht man auch gerne davon, „sich gehen lassen“. Ein Ausdruck, der fast eins zu eins durch „sich fallen lassen“ ersetzt werden kann. Ganz unabhängig vom Lachen ist die Fähigkeit, sich fallen zu lassen, für einen mittleren bis tiefen hypnotischen Zustand unabdingbar: Der Hypnotisand lässt die Logik fahren und „fällt“ in sich selbst. Auch hier ist Humor natürlich nicht zwingend nötig – im Vorfeld förderlich ist er allemal. Je absurder der Humor, desto instiktiver verstehen wir ihn. Wie auch bei der Wirkungsweise einer Hypnose-Induktion tritt bei einer wirkungsvollen Albernheit die rationale Logik in den Hintergund. Sowohl bei einem guten Witz, als auch bei einer Blitz-Induktion der Hypnose wird die Ratio überrumpelt. Ein Aspekt, bei dem es sich wohl lohnen mag, genauer hinzusehen (wenngleich hier der Raum dafür fehlt).

An dieser Stelle nun soll der Artikel lose enden. Mit einer einfachen Fragestellung: Willst Du bei einer solch tief in Deine Seele führenden Sache wie der Hypnose nicht als der Mensch wahrgenommen werden, der Du wirklich bist? Und ist Dein Humor denn kein Teil von Dir? Wieviel mehr hinter einem einfachen Scherzchen stecken kann, beschreibt dieser kleine aber feine Film sehr anschaulich:

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