Hypnose & HTML-Code


Hypnose ist ein Feld voller Individualität. Wie schon jeder Hypnotisand seine persönliche psychosomatische Konstitution mitbringt, seine Bildsprache und so weiter, wendet auch jeder Hypnotiseur seine eigene Technik an. Dies ist absolut zu begrüßen, denn bekanntlich handelt es sich beim Menschen und seinem seelischen Empfinden nicht um ein Fließbandprodukt.

html

Nun werden allerdings viele individuelle Hernaghenesweisen großspurig als besonderer „Code“, „Script“ oder „Protocol“ oder mit ähnlichen Bezeichnungen verkündet. Im Subtext: „Es ist die Lösung für alle Hypnotiseure.“ Und schon geht der Weg in die Irre: Es entsteht der Eindruck, eine komplexe Codierung nach mathematisch genauen Mustern ist die ideale Variante für jeden Hypnotiseur. Wer den „Code“, das „Script“ oder das „Protocol“ beherrscht, kann kaum noch Fehler machen – leicht erlernbar und doch das, worauf die Menschheit gewartet hat.* Fühlst Du Dich jetzt schon an den Da-Vinci-Code erinnert?

Als kleines Beispiel, wie wichtig man daherkommen kann, ohne viel mehr als eine persönlich sinnvolle Herangehensweise gefunden zu haben, möchte ich Euch nun an meinem eigenen Beispiel vorstellen:

das

HTML-Protocol

HTML ist die Programmiersprache des Internets. Neben Erweiterungen wie XHTML, Javascript und einigen mehr, ist HTML seit den Anfängen des WorldWideWeb die Grundlage aller Webseitenprogrammierung. Und HTML beruht auf einer einfachen Logik, die auch in der Hypnose zum Einsatz kommt: Wenn Du einen Befehl geöffnet hast, so schließe ihn auch wieder.

In HTML: Dieses eine Wort ist <b>fett</b>. Die anderen nicht.

In der Darstellung im Netz: Dieses eine Wort ist fett. Die anderen nicht.

Der öffnende Befehl ist <b> (für „bold“, engl. „fett“). Ab diesem sogenannten Tag (engl. „Markierung“) sind alle folgenden Zeichen in fett geschrieben. Bis ich den Tag wieder schließe: </b>. Da ich mich nun auf eine Programmiersprache berufe, ist der Begriff „Protocol“ zumindest angebracht. Den Anfängerfehler, das ganze System „HTML-Script“ zu nennen, habe ich natürlich nicht gemacht. Warum? Recherchiere selbst…

Nun wollen wir das HTML-Protocol auf die Hypnose anwenden.

Eine einfache Übung und gerne gemachte Präsentation der Wirkung von Hypnose ist die Levitation. Dieses schöne Fremdwort (von lat. „levitas“ = Leichtigkeit) beschreibt einen eindrucksvollen Effekt: Durch gezielte Suggestion wird z.B. der Arm des Hypnotisanden so leicht gemacht, dass er wie von alleine zu schweben scheint. In sehr deutlichen Fällen ist es einer dritten Person nur mit großem Kraftaufwand möglich, den Arm des Hypnotisanden herunter zu drücken. Der Ablauf nun wie oben dargestellt:

Suggestion: Dein Arm wird ganz <leicht>.

Hiermit ist der Tag nun geöffnet, der Arm des Hypnotisanden wird mit jeder Wiederholung der Suggestion leichter und leichter – gefühlt ganz außerhalb der Kontrolle des Hypnotisanden. Das Problem an der Sache ist die posthypnotische Wirkung: Auch nach der Hypnose wird der Arm leicht bleiben, was für den Hypnotisanden ganz schön problematisch sein kann. (Stellen wir uns nur vor, es sei der rechte Arm, den der arme Hypnotisand ungewollt nach oben gestreckt die Innenstadt trägt… da freut sich höchstens ein „Bernd“ Höcke.)

Rücknahme: Dein Arm ist nun wieder <so schwer wie zu Beginn>.

Daher ist es wichtig, dass der Hypnotiseur die Suggestion wieder zurücknimmt, so wie der Programmierer den Tag an der richtigen Stelle schließt. Natürlich muss nicht jeder Tag geschlossen und nicht jede Suggestion zurück genommen werden („Du fühlst Dich gut und ausgeglichen,“ kann auch nach der Hypnose bestehen bleiben). Doch gerne werden „nebensächliche“ Suggestionen vergessen – die Folgen können immens sein. Mit dem großartigen HTML-Protocol passiert das nicht mehr, denn es schärft das Bewusstsein für komplexe und verschachtelte Folgeeffekte. Ein großartiges Tool, lerne es in nur einem Kurs (2 Tage, 480,- €)**.

Im Grunde handelt es sich durch die regelmäßige Beschäftigung mit HTML (oder einer beliebigen anderen Programmiersprache) um nicht mehr und nicht weniger als ein rudimentäres Training zum Verstehen und Anwenden von logischen Wenn-Dann-Ketten. Es kann also in der Welt der Hypnose nicht nur das HTML-Protocol teuer verkauft  und als Rettung aller hilflosen Hypnotiseure vermarktet werden (in Form von Kursen), sondern mit dem selben Gedanken und dem gleichen Effekt:

  • der Turbo-Pascal-Code
  • das CNC-Protocol
  • das BASIC-System
  • das Java-Script

Großes Kino, nicht wahr?

*) Eine solche Methode kann sehr gut und wirkungsvoll sein. Es ist nur eben keine Lösung für alle, sondern eine individuelle Herangehensweise. Diese kann gerne geschult werden – doch bitte als das, was sie ist: Eine von vielen Möglichkeiten. Meine Kritik richtet sich hier gegen diese oft zu sehende Elfenbeinturm-Mentalität. Die Technik an sich kann sehr gut sein und ist von der Kritik ausdrücklich ausgespart.

**) Das war ein Witz.

Advertisements

Über dwm-coachings.de

http://dwm-coachings.de https://www.facebook.com/DWM-Coachings-209193643092462
Dieser Beitrag wurde unter dwm-coachings, Uncategorized abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s