Hypnose und Grenzbereiche


Untersucht werden in diesem Artikel verschiedene parapsychologische Grenzbereiche in Verbindung mit Hypnose. Es soll dabei nicht der Eindruck entstehen, die Hypnose selbst wäre ein parapsychologisches Phänomen. Ganz im Gegenteil dient sie uns hier als Maßstab für die Bewertung (angeblicher) parapsychologischer Erfahrungen.

Lange Zeit galt die Hypnose als ein magisches (Schamanismus, Heilzauber), göttliches (Orakel, Tempelschlaf) oder okkultes (Alchemie, schwarze Messen) Werkzeug. Selbst die heutzutage wissenschaftlich erforschte Hypnose als Coaching- und Therapiewerkzeug hat ihre Anfänge im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Phantasterei. Der sog. „Mesmerismus“ wollte die Wirkung auf eine magnetische Kraft hin deuten, die vom Hypnotiseur ausging. Also der Hypnotiseur als Allmächtiger, dessen Bann der Hypnotisand willenlos ausgeliefert ist: bis heute ein weit verbreitetes Missverständnis. Benannt nach seinem Entdecker Franz Anton Mesmer (1734-1815) wurde die Hypnose damals von offizieller Seite abgelehnt – weniger der unbestreitbaren Erfolge wegen, sondern mehr aufgrund der scheinwissenschaftlichen Erklärungen Mesmers. Dass durch die ursächliche Fehleinschätzung Mesmers methodisch einiges falsch gemacht wurde, liegt natürlich auf der Hand.

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Die roboterhafte Art in Bewegung und Sprache, die scheinbaren Wechsel verschiedener Persönlichkeiten in einem Leib, sowie einige weitere damals unerklärliche Phänomene der Hypnose stützten ihren okkulten, teils gar dämonischen Ruf. Ein Echo des Unwissens, das bis heute nachhallt. Gerade deshalb ist es wichtig, die Grenzbereiche der Wissenschaften im Allgemeinen zu erforschen, und der Hypnose im Speziellen. Tauchen Phänomene auf, sollten sie nicht leichtfertig abgetan werden – schließlich war auch der Blitz einst magisch gedeutet, wurden Sichtungen des Riesenkalmars bis ins 19. Jahrhundert hinein als Spinnerei abgetan, haben wir heute in der Quantenphysik Phänomene, die erwiesen sind und trotzdem unserem Verständnis von Logik und Vernuft zuwider gehen. Und so weiter und so fort. Als interessanten Forscher im Spannungsfeld zwischen Hypnose, Wissenschaft und Parapsychologie soll hier Milan Rýzl (1928-2011) erwähnt werden. Rýzl gilt als einer der seriösesten Forscher wissenschaftlicher Grenzbereiche – wobei auch bei ihm hin und wieder der Wille zur Entdeckung den Blick für die Methodik vernebelte. Als das „Kluge-Hans-Trauma“ ist die Aufdeckung scheinbarer Telepathie bei einem Pferd (dem klugen Hans) im Jahre 1904 bekannt. Auch wenn es sich hierbei nicht um Hypnose handelte, ist dieser Fall durchaus eine Erwähnung wert. Es wurden in dieser Sache feinste Nuancen menschlicher Gemütsregungen von den Forschern übersehen, die dem klugen Hans jedoch nicht entgangen waren. Dies führte zu eben jenem folgenschweren Irrtum, das Pferd könne Gedanken lesen. Da auch die Hypnose sehr eng mit den Gemütsregungen eines Menschen verknüpft ist, sollen gerade in der Erfoschung von Grenzbereichen via Hypnose solcherlei Fehler ausgeschlossen werden. Der Kluge Hans als mahnendes Beispiel.

Nun aber wollen wir zu einigen Beispielen übergehen, die eine Schnittmenge aus Hypnose und wissenschaftlichen Grenzbereichen beinhalten:

Rückführung in frühere Leben

Die Rückführung in frühere Leben ist für Hypnotiseure ein gutes Geschäft. Viele Menschen erfreuen sich an einer scheinbaren Bestätigung ihrer gewünschten Größe – nicht zufällig landen Rückführungen regelmäßig bei solch geschichtlichen Schwergewichten wie Cäsar, Jesus, Gandhi und Konsorten. Es ist ganz erstaunlich, wieviele Reinkarnationen ein und derselben historischen Persönlichkeit heute vermeintlich existieren. Hier sind wohl vielmehr Wunschtraum und mangelndes Selbstbewusstsein die Triebfeder solcher Ergebnisse, denn eine tatsächliche x-fache Wiedergeburt. Wer nun Wünsche erfüllt, der kann dafür ein gutes Honorar verlangen – in diesem Fall der Hypnotiseur. Dass also jenes diffuse Gefühl „Ich bin die Wiedergeburt der Johanna von Orleans!“ von manch fadenscheinigem Hypnotiseur gerne (und nur scheinbar!) bestätigt wird, ist somit kaum verwunderlich.

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Auf der anderen Seite hat noch kein Mensch hinter den Ereignishorizont des Todes blicken können. Wir glauben an gutmütige Götter (trotz des Elends auf der Welt), an Engel, Geister, Hölle, Paradies und eben auch an die Wiedergeburt. Nichts davon kann bewiesen werden und nichts davon wird wohl jemals widerlegt. Es heißt eben nicht umsonst Glauben und nicht Wissen. Auch hier wollen wir der Forschung genüge tun – indem wir von vornherein weder etwas ausschließen noch etwas festlegen. Die Herangehensweise ist dabei klar, Rückführungen in geschichtlich unbekannte Persönlichkleiten geben die Möglichkeit zum Test: Hat diese Person wirklich existiert? Gibt es Aufzeichnungen über Erlebnisse, die in der hypnotischen Rückführung ebenfalls erinnert werden? Oder – bei geschichtlich relevanten Personen – deckt sich die hypnotische Erinnerung mit den erforschten Daten? Ein spannendes Thema, spielerisch von uns beforscht.

Telepathie

Wir wollen für unseren Gedankengang davon ausgehen, dass die Existenz telepathischer Phänomene theoretisch möglich ist. Natürlich ist es ein schwaches Argument, darauf hinzuweisen, dass Telepathie bisher nicht widerlegt wurde. Wenden wir allerdings die Theorie der Einstein-Rosen-Brücke auf nonverbale Kommunikation an, so sind wir der Telepathie schon beängstigend nahe. Interessant sind hierbei die Forschungen von Milan Rýzl (s.o.), welche irgendwo zwischen der statistischen Bestätigung telepathischer Fähigkeiten und dem Klugen-Hans-Phänomen (s.o.) anzusiedeln sind. Die Hypnose wurde von Rýzl jedoch nur nebenbei genutzt. Interessant wäre eine Forschung, die sich konkret dem Werkzeug der Hypnose bedient, um telepathische Fähigkeiten aus dem Menschen heraus zu kitzeln. Denn wer kennt diesen Moment nicht, wenn es irgendwo im Hinterkopf klingelt – und diese Person, an die man so plötzlich denkt, ruft kaum eine Minute später an. Nach Jahren, kann das Zufall sein?

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Ja, es kann Zufall sein. Doch es fühlt sich nicht nach Zufall an. Die Hypnose ist erwiesener Maßen dazu in der Lage, ganz erstaunliche Leistungen und Fähigkeiten zu wecken, weshalb sie z.B. im Leistungssport erfolgreich angewandt wird. Auch sollten wir nicht vergessen, dass der Blitz, das Feuer oder die Geburt einstmals als unerklärliche, magische Elemente unseres Universums betrachtet wurden. Es bleibt also tatsächlich die Möglichkeit der Existenz von Telepathie bestehen. Dies soll keinesfalls die Existenz von Telepathie postulieren. Da wir jedoch neugierige Geister sind, möchten wir auch dieses Feld nicht völlig aussparen. Oder, um ein Zitat des Schweizer Politologen und Gesundheitsökonomen Dr. Gerhard Kocher zu bemühen: „Forschung ist gefährlich: man könnte etwas Neues entdecken.“

Besessenheit

Der Dämonenglaube ist weitgehend erforscht und mit großer Sicherheit durch religiösen Wahn zu erklären. Psychische Erkrankungen und Ausnahmezustände wie die Schizophrenie rufen diesen Wahn durch eine gefährliche Melange aus Unwissen und religiösem Dogma schließlich auf den Plan. Heute wissen wir, dass eine hypnotische Bearbeitung von Schizophrenie stark kontraproduktiv ist und die Leiden eher verschlimmert, denn verbessert. Das ganze Setting eines Exorzismus ist einer spontanen Hypnose sehr zuträglich (gedämpftes Licht, Fixierung der Finger oder des Kruzifix, monotone Litanei des Priesters). Dass die Trance im Exorzismus eine große Rolle spielt, liegt in der Natur der Sache. Kommt es nun zu dieser Situation, so werden die Worte des Priesters als Suggestionen betrachtet – schließlich sind sie klare Handlungsanweisungen an eine bestimmte Region der Psyche des Patienten: „Verlasse diesen Körper, Dämon!“ In diesem Stadium ist eine Trotzreaktion der angesprochenen Region mehr als nur wahrscheinlich: Der angebliche Dämon wehrt sich gegen den Exorzisten, in Wahrheit wehrt sich die Psyche gegen einen unsachgemäßen Eingriff! Im angewandten Exorzisums sehen wir also ein Beispiel des wohl schädlichsten Fehlverhaltens, wie es im Rahmen der Hypnose nur möglich ist. In wenigen Fällen überwindet der Betroffene durch diese intensive Krise sein eigentliches Problem und wird geheilt. In den meisten Fällen jedoch zerbricht er an der Behandlung – die gar keine Behandlung darstellt, sondern eine Misshandlung.

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Nehmen wir nun hypothetisch an, es gäbe tatsächlich dämonische Besessenheit. Die Besessenheit ist in ihrer Theorie ja eine Besitzergreifung der Seele, letztlich also der Gehirnfunktionen. Der hypothetische Dämon stellt einen bösartiger Charakter dar, damit ist er in seiner Persönlichkeitsstruktur wohl ganz anders aufgebaut als sein Opfer. In dessen plötzlich und völlig andersartigem Verhalten ist dieser Aspekt klar erkennbar. Da der Dämon über magische, wenngleich bösartige Kräfte verfügt, wäre er wahrscheinlich immun gegen solch unmagische Waffen, wie sie die klassische Medizin und Pharmazie hergeben. Als wirksames Werkzeug zur Austreibung käme dann wieder die Hypnose auf den Plan, da sie den Weg über das Irrationale geht – so unmagisch sie selber ist, spricht sie doch die Sprache der Magie. An diesem Punkt beißt sich die Katze selbst in den Schwanz: Es bleibt dabei, der Dämon ist eine missverstandene psychische Ausnahmesituation, durch kontraproduktiv angewandte Hypnose wird diese Situation verstärkt. Der nach religiösen Mustern als Beweis für die Besessenheit gewertete Effekt des Sich-Wehrens ist im Grunde nur ein Beweis für die fehlerhafte psychologische Ausbildung des Exorzisten. Und wie so oft: Zum Leidwesen seines „Patienten“.

Probanden und Erlebnisse

Du hast selbst solcherlei – nennen wir sie: parapsychologische – Erfahrungen gemacht, oder machst sie gar regelmäßig? Du bist in keiner langfristigen psychologischen Behandlung, hast weder ein Trauma, noch nimmst Du harte Drogen? Dann bist Du uns als Proband sehr willkommen! Es ist nicht unsere Absicht, Deine Meinung oder Deutung zu bestätigen oder zu widerlegen. Wir wollen vielmehr nach möglichst gesicherter Methodik nach der Wahrheit forschen, den Hintergründen und den daraus folgenden Erkenntnissen.

Schreibe uns eine Mail mit einer kurzen Beschreibung Deiner Sache an: dominic[AT]dwm-coachings.de. Auf schlechte Tricks fallen wir übrigens nicht herein.

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