Angst machende Gedanken Pt.I


Der folgende Gedanke könnte erzählerisch eine Dystopie oder Science-Fiction-Geschichte ausfüllen, allerdings mag ich ihn hier lieber als Eassy behandeln, das hat er sich verdient. Es ist die Frage nach einem evolutionären Entwicklungssprung mit weitreichenden Folgen, weitergesponnen aus ein paar Forschungen des Ministeriums zum Thema Aggression.

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Wollen wir davon ausgehen, dass ein spezifisches Verhalten wie die Aggression¹, das in unterschiedlicher Ausprägung bei allen Tierarten sowie beim Menschen inner- und zwischenartlich zu finden ist, keine nutzlose Perversion darstellt. Vielmehr, weil ja absolut artübergreifend und gruppendynamisch sehr differenziert zu beobachten, scheint die Aggression einen evolutionären Zweck zu verfolgen. So treten Aggressionen nicht zuletzt bei der Balz oder bei der Verteilung von Rangordnungen auf (ein alter Leitwolf z.B. wird von seinem Herausforderer gewalttätig von seiner Position vertrieben). Sie unterliegt, je nach Situation, gewissen auslösenden bzw. hemmenden Schwellen, die wiederum auf art- oder zumindest lebenserhaltende Mechanismen zurückzuführen sind. Unterhalb einer gewissen Reizintensität beherrschen Freundlichkeit und Eierkuchen die Szenerie, zumindest aber eine Art pragmatische Kooperation bis hin zum Ignorieren. Darüber, z.B. wenn sich ein Luchs in einen Fuchsbau wagt, bricht das sogenannte Böse (K. Lorenz) zutage: Drohgebärden, probeweises Attackieren, Angriff, … bis hin zur Vernichtung des Gegners ohne Rücksicht auf das eigene Wohl. Wo die ersten drei genannten meist sinnvollen Evolutionsprozessen dienen (z.B. das Revierverhalten bei Katzen) oder zumindest aus solchen resultieren (Sportvereine, Lippenstift, usw.) ist die rücksichtslose Vernichtung rein kontraproduktiv. Hierüber schreibt Paula Heimann²: „In Zusammenhang mit der Entstehung neuer Triebmotivationen im Evolutionsprozeß ergibt sich die Frage, ob nicht auch eine neue Form von Aggression gebildet wurde, bei der die Hemmungstendenzen  […] erniedrigt oder gar außer Funktion gesetzt sind. Diese neue Form von Aggression […] würde die Grausamkeit sein.“

Dies als erster Faden …

… nun aber widmen wir uns den Bienen, genauer: den Killerbienen! Es handelt sich dabei um die Verbreitung der Apis mellifera scutellata auf dem amerikanischen Kontinent, einer afrikanischen, ungewöhnlich mobilen und aggressiven Honigbiene. Es findet dort jedoch keine klassische Invasion statt, sondern eher eine Afrikanisierung der heimischen Bienen, ganz ähnlich zum Verschwinden des Neandertalers, der zu großen Teilen durch Kreuzung im modernen Menschen aufgegangen ist, anstatt von ihm gewalttätig ausgerottet worden zu sein³ – wenn Donald Trump das wüsste, er würde die Apis mellifera scutellata glatt verbieten! Entgegen dem vereinfachenden Gerücht gibt es also nicht DIE EINE Killerbiene, es verbreitet sich hier eine potent-aggressive genetische Linie mit immer neuen Unterarten: In Windeseile und kaum mehr kontrollierbar! Für den Mensch sind die Killerbienen sehr gefährlich, da sie im Gegensatz zu anderen Bienen einen vermeintlichen Störenfried mit dem gesamten Volk attackieren, anstatt nur mit einer kleinen Gruppe. Ab etwa tausend Stichen wird es eng fürs Überleben, doch das gereizte Killerbienenvolk ist zu allem Überfluss ein ungewöhnlich penetranter Verfolger.

 

Was wäre also, wenn …

… eine hier nicht näher spezifizierte Tierart (denken wir uns als Beispiel weiterhin die Killerbiene) ihre Hemmschwelle für aggressives Verhalten – dem Menschen gegenüber! – völlig ablegt. Dies aber nicht nur in Extremsituationen, wie es bei Mensch (z.B. megalomane Schizophrenie) und Tier (z.B. Tollwut) freilich punktuell beobachtet werden kann, sondern als natürliches Verhalten der gesamten Art: Ein giftiges, Kolonien bildendes Insekt, das von seiner instinktiven Beschaffenheit her gar nicht anders kann, als Menschen zu suchen, zu jagen und zu töten! Durch das Bilden von Kolonien (Nester, Höhlen, usw.) stünden die wackeren Verteidiger der menschlichen Gemeinschaft einer quasi-viralen, krebsartigen Ausbreitung gegenüber, die durch ihren exponentiellen Charakter kaum einzudämmen wäre. Was also sollte eine von Killerbienen 3.0 attackierte Gegend unternehmen? Eine Mauer bauen, eine Atombombe werfen oder das Technische Hilfswerk rufen? Schnell würden die Menschen zum Beten übergehen, eine wahrlich hoffnungslose Strategie.

 

Zuletzt sei uns ein kleiner Ausflug in die Science-Fiction gestattet:

Die dominierende Spezies auf unserem Planeten im Jahre 2054 ist die mutierte Killerbiene, man nennt sie nur noch Menschenkiller. Die Gesellschaften sind zusammengebrochen, die wenigen Überlebenden bewohnen eingezäunte Bauernhöfe. Sie leben autark, verlassen ihre Höfe nur noch in Schutzanzügen. Zum Imkern im Wald, denn Honig gibt es wahrlich in Hülle und Fülle, und in die summenden Städte, wo die Bienen wie Asche die Luft vernebeln, um Konserven, Material und Treibstoff zu sammeln. Wenige menschliche Leiber sind da noch zu erkennen, die Reste von Kleidern über rostbraunen Haufen, aus denen hier und da ein Stück Knochen lugt. Die meisten Leute sind zu Hause gestorben, in der irrwitzigen Hoffnung, die kleinen Biester mit Decken und Klebeband aus der Wohnung zu halten. Doch die Sammler machen einen großen Bogen um die Wohnungen, in denen die Nester über Klavieren und Ehebetten in den Zimmerecken kleben, und steuern fast ausschließlich den Großhandel an. Vielleicht, weil es sinnvoll ist, vielleicht aber auch, weil sich reiche Leute in großen Hallen wohler fühlen. Manchmal lächelt einer von ihnen, wenn er zwischen Dosen und Geröll eine alte Zeitschrift findet, die vor dem Aussterben der Honigbiene warnt …

¹ zu unterscheiden sind hier innerartliche (z.B. Balzkämpfe) und zwischenartliche (z.B. Jagd zur Nahrungsbeschaffung) Aggressionen

² Paula Heimann – „Entwicklungssprünge und das Auftreten von Grausamkeit“ (1964/1969)

³ die Gene des homo sapiens sapiens enthalten ca. 1-4% Genmasse des homo neanderthalensis

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