Über die Franken


Es ist mit den Menschen doch so, dass sie, von allerlei äußeren Dingen beeinflusst, zu jenen guten oder schlechten Charakteren werden, von denen sie eines Tages nicht mehr abzulösen sind. Auch einen gut gewachsenen Baum kann man, wenn er aus seiner frühen Blüte heraus und groß und stämmig ist, kaum mehr zum krummen Gehölz verwandeln – denn gewachsen ist gewachsen und das ist nun mal so. Was auch immer Dir, geneigter Freund, ein wüst gestikulierender, ganz aufgeregter Geselle dagegen sagen will, so bleibt er aufgeregt, da ihm – vielleicht nicht im Verstand, vielleicht nur in der Seele – klar ist, dass er Unrecht hat. Und weil er Unrecht hat, wird er rote Wangen bekommen, mit den Augen blitzen und sich in der Sprache überschlagen. Oder zumindest in der Argumentation.

Ich selbst bin, was ich bin, weil ich meine jungen Jahre – meine Kindheit! – im schönen Franken verbringen durfte. Die Franken sind nicht typisch, und schon gar nicht zugänglich wie die Westfalen meinetwegen, sie sind vielmehr für Deutschland das, was die Isländer für ganz Europa sind: ein verschrobenes kleines Völkchen, eine seltsame Insel, das nirgends so recht passen mag. Sie sind nicht nur für den Außenstehenden schwer befremdlich (übrigens auch höflich wie ein frisch betrogener Mafiosi), die Franken fremdeln unter sich. Sie sind reaktionär, sie überwachen gern den Nachbarn oder überwachen gar sich selbst oder die Kinder – doch ihren Feinden gegenüber (Bayern, Großstädter, der Rest der Welt) halten die Franken unlösbar zusammen, das kann sich kein dahergelaufener Saupreuß‘ auch nur ansatzweise vorstellen. Ja, im Kern sind sie ein fest verschworener Haufen asozialer Widerlinge.

Bist Du, geneigter Leser, stolzer Franke, wirst Du mir just in diesem Moment schon weniger geneigt sein, was ich da so lästere. Lästere? Mitnichten! Diesen Text solltest Du lesen, als säßen wir beim fünften Kellerbier in einer Dorfkaschemme, da haben die Worte ihre eigene Bedeutung. Da ist ein asozialer Widerling zum Beispiel keiner, der die klapprige Großmutter nachts um Drei am Straßenrand stehen lässt, wenn sie schwankend und hilflos im Lichtkegel seines Wagens erscheint. Der asoziale Widerling unserer Natur, der hält mit quietschenden Reifen, lädt die Oma ein, fährt sie nach Hause, gibt ihr auch noch seine Telefonnummer – „Für alle Fälle!“ – doch wenn die Oma anfängt sich in Dankesworten zu ergehen, dann dreht er sich um, ein gepresstes „Scheiß der Hund drauf!“ auf den Lippen, und macht den Polnischen Abgang. Ja, warum man das als Polnischen und nicht als Fränkische Abgang bezeichnet, das bleibt der Menschheit wohl bis in Ewigkeit verborgen.

Der Franke ist ein Mann der Tat, die Fränkin eine Frau des Tuns. Wer aber viel macht, der hat auch wenig Freiräume. So sehe Dich also vor, geneigter Leser, falls Du eines Nachts, zerkratzt von den herumirrenden Stunden im dunklen Wald, plötzlich eine Straße findest, aus dem Dickicht brichst und im Lichtkegel eines Wagens mit fränkischem Nummernschild erscheinst, der Wagen hält, der Franke hilft – und hüte Dich, den Retter in der Not mit Floskeln, Geld und Nettigkeiten zu belästigen. Denn für solchen Schwachsinn hat er wirklich keine Zeit!

Kapiert?

Advertisements

Über mfis

http://ohrengold.de http://twitter.com/#!/ohrengold https://www.facebook.com/innereschoenheit http://www.myspace.com/ohrengold
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Über die Franken

  1. nextkabinett schreibt:

    Hat dies auf Rund um den Kabinettstisch rebloggt und kommentierte:
     
    ~¤٠※ʚįɞ•☼•ʚįɞ※٠¤~
     
    Germanys next Sommerpostkarten (118)
     
    ~¤٠※ʚįɞ•☼•ʚįɞ※٠¤~
     
    Wir befinden uns im Jahre 2013 n. Chr. Ganz Franken ist von den Bayern besetzt… Ganz Franken? Nein! Ein von unbeugsamen Franken bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die bayrischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Nämberch, Wirzbersch, Färdd, Erlang, Baierrute, Bambärch, Aschebersch, Hoof, Cobersch, Anschba, und Schwoba liegen …
     
    So sind sie, die Menschen in der Heimat des Minsters für Innere Schönheit. Habt recht viel Spaß dabei …
     
    ~¤٠※ʚįɞ•☼•ʚįɞ※٠¤~
     

  2. Pingback: Über die Franken | Germanys next Kabinettsküche

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s