ohne punkt und komma sag ich mal (Herzchen)


Oder: Wie das web 2.0 der Deutschen Sprache den Gnadenschuss verpasst.

Schrieb doch schon ein gewisser George Orwell anno dazumal – zumindest sinngemäß: Je geringer der Wortschatz, je einfacher die Sprache, desto einfacher das Denken und desto geringer der Verstand. Was man nicht in Worte fassen kann, kann man auch nicht denken… ist letztlich das Grundprinzip des orwellschen Neusprech, des Totalitarismus durch die konsequente Beschneidung des Sprach- und Sprechvermögens.

Nun stehen Neusprech und Konsorten für eine staatlich ausgeübte Destruktion der Sprache – mit dem bewussten Ziel der Volksverdummung, die ja schon seit Anbeginn der Zeit recht weit voran geschritten ist. Political Correctness sei hier nur am Rande gedisst, denn eigentlich möchte das Ministerium in eine andere Richtung brainwashen. Und zwar nach unten, Harz-IV-Sprech ohne Punkt und Komma, erst kommentieren, als wäre die Laptoptastatur die Klitoris von Paris Hilton („Die kann das ab!“) und der Penetrant auf 17 Kilo Kokain, dann eben NICHT denken und den Erguss NICHT revidieren (was mit einem Klick gemacht wäre.) Angstschweiß und Geltungssucht, Einsamkeit und irgend so ein wahrlich überwältigendes Facebook-Spruchbildchen scheinen die Auslöser zu sein; da reicht es nicht, die im Web grundsätzlich darbende Großschreibung sehenden Auges weg zu lassen, oh nein, Satzzeichen sind ebenfalls ein Vielfaches zu sperrig, um sie während einer solchen Eruption emotionaler Galle (oder Gülle?) ins vorgetäuschte Denken einzubinden. So fragt man sich als unbeteiligter Forum-Stalker ganz automatisch – zählt man 2.0 und 2.0 zusammen – wie gehen solche grenzdebilen Megafone eigentlich mit ihren Kindern um? Die sind ja sicher auch mal sperrig…

Der Grund für die ministeriale Aufregung ist offensichtlich. Das Ministerium kümmert sich um die Innere Schönheit einer Sache; die Innere Schönheit des geschriebenen Wortes ist der darin verpackte Inhalt, also die Botschaft des Gesagten. Immer öfter wird der Inhalt jedoch auf ein höchst quadruppeldeutiges Gestammel eingestampft, in einigen Fällen sowas von unterirdisch, dass beim Empfänger überhaupt keine Botschaft mehr ankommt, abgesehen vom seelischen und geistigen Zustand des Schreiberlings. Ja, meist ist dem Sender der Empfänger wurscht, er redet quasi nicht mit anderen sondern nur mit seinem eigenen digitalen Echo. „Doch wie erkenne ich ein solches Denksaster?“ wirst Du Dich jetzt fragen, geneigter Leser, von diesem neuartigen Wissen (über Dich selbst?) förmlich überrumpelt. Ganz einfach: In schöner Regelmäßigkeit endet der Erdrutsch im Gehirn mit

„…sag ich mal.“
Denn mal sagen kann ja jeder.

Und? Gruselig?


(die Simpsons beim Anblick des Früher-War-Alles-Besser-Pteranodons)

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2 Antworten zu ohne punkt und komma sag ich mal (Herzchen)

  1. carchili schreibt:

    Reblogged this on Germanys next Bundeskanzlerin und kommentierte:
    Eine Anmerkung des Ministeriums für Innere Schönheit zum Gebrauch der Sprache im Internet, bzw. im Volk.

  2. Der Emil schreibt:

    Ja! Auch ich pflege allenthalben der Verfall der Sprachkultur insbesondere in der Schriftsprache digitaler Medien zu bemängeln. Und ich gestehe, manchmal habe ich selbst daran teil: Bewußt, absichtlich.

    Möge mich die Gedankenlosigkeit beim Verfassen von Texten auch weiterhin weitgehend verschonen – und die Trottel vom Fakebook sollen ihre seltsamen terms of use nach /dev/nul verschieben.

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