Schavan verklagt Uni – wann kommt Wulff?


Annette Silvana Bijan zu Schavan, Bundesministerin für Froschung und Bildungslücken im Kabinett der Dr. Merkligari, wusste anfangs wenig zu sagen, als ihr vor zwei Tagen* der Doktortitel aberkannt wurde. Das zuständige Gremium der Universität Düsseldorf (‚Elferrat‘) nahm Schavan mit dieser Entscheidung den einzigen akademischen Grad, den sie je erworben hatte.

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Der Beruf des Politikers ist neben dem Bergbau, der Schauspielerei und dem Kindersoldatentum einer der härtesten Berufe überhaupt. Nicht nur in fachlicher Natur kommt der ‚Mensch dahinter‘ oft an seine Grenzen, auch die emotionale Seite, das ständige Rampenlicht, der tägliche Spießrutenlauf zwischen Plenarsitzung und Sektempfang können für Überforderung sorgen, vornehmlich im Verdauungstrakt. So ist es kein Wunder (und außerdem schön anzusehen), dass sich Minister und Ministerin zum Ausgleich für das schwere Leben mit Orden und Auszeichnungen behängen, die sie – zugegeben – kaum verdient oder sogar selbst erfunden haben.

Annette Schavan ist ein eben solches Ehrenmal abhanden gekommen: der Doktortitel. Könnte man nun einen sofortigen Rückzug der Politikerin von ihrem Amt erwarten, die Flucht in die Arme des Gérard Depardieu oder die moderne Tradition des Salamierens, gibt Schavan sich kämpferisch: „Ich spiele jetzt nicht den sterbenden Schavan!“ wetterte die Ministerin bei einem spontanem Interview mit der FaZ. „Wenn Sie glauben das lasse ich mir gefallen, dann stinken Sie! Wie heißt diese unverschämte Universität? Die werde ich allesamt verklagen!“ Auf Nachfrage des Reporters wollte Annette Schavan die Möglichkeit der Observation der deutschen Wissenschaft durch den BND ebenfalls nicht kategorisch ausschließen.

Als leuchtendes Beispiel geht nun die Bundesministerin für Froschung und Bildungslücken unbeirrt voran, die Anwälte wie Hunde beim Schlittenrennen vor sich her treibend. Wer ihrer entehrten Kollegen aber ist dazu in die Lage, Schavans Weg zu folgen und ebenfalls aberkannte Ehrenstatuten einzuklagen? Machen wir uns doch ein paar Gedanken:

Bijan Djir-Sarai
Der FDP-Politiker verlor seinen Titel am 5. März 2012, als die Universität Köln von seiner iranischen Herkunft erfuhr und die Dissertation Ökologische Modernisierung der PVC-Branche in Deutschland in Farsi neu geprüft zahlreiche Fehler enthielt. Eine Klage kommt für Bijan Djir-Sarai nicht in Frage, vielleicht kann er hier mit der Revolutionsgarde einen gewissen politischen Druck ausüben.

Karl-Theodor zu Guttenberg
Das bekannteste Opfer ist natürlich der ehemalige Außenminister KTG. Der fränkische Bayer ließ sich ahnungslos, wie es in Bayern üblich ist, seine Dissertation von einem sogenannten Duanglschraaber verfassen, einem Dunkel-Schreiber, was wir Ghostwriter nennen. Eine Klage scheint optimistisch zu sein, reicht er sie in Bayern ein und vertritt sich dabei selbst. Der politische Coup dieses Herren könnte jedoch in eine völlig andere Richtung gehen, immerhin wurde KTG zuletzt mehrmals zusammen mit Arnold Schwarzenegger gesehen.

Silvana Koch-Mehrin
Die blonde Eichin aus dem Wuppertal ist eher der defensive Typ, wenn es um die Verteidigung ihrer Doktorwürde geht. Sie sucht nicht den Weg über die Öffentlichkeit und gab ihren Titel eher am Rande ab. Aus cum laude wurde Kummer, aus der Doktorin eine Koch-Merin. Aufgrund ihres Studiums der Geschichte und der Dissertation Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: die Lateinische Münzunion 1865–1927 in Kombination mit ihrer blonden Haarpracht sollte Frau Koch-Mehrin keine Probleme haben, ein paar Münzen für den zuständigen Richter beiseite zu legen.

Christian Wulff
Der ehemalige Bundespräsident hat zwar keinen Doktortitel verschustert, doch das Vertrauen seines Volks verloren hat der werte Ehemalige durchaus. Christian Wulff müsste seine Klage also stellen unter ehemaliger Volksvertreter gegen das Volk, wenn er damit eine realistische Chance haben möchte. In Zeiten aufkommender Lynchjustiz sollte er auf eine Klage verzichten.

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*) Je nachdem, wann Sie diesen Artikel lesen.

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11 Antworten zu Schavan verklagt Uni – wann kommt Wulff?

  1. carchili schreibt:

    Herrn d̶̶o̶̶k̶̶t̶̶o̶̶r̶ Bijan Djir-Sarai hatte ich schon wieder ganz vergessen. Wahrscheinlich weil ich mir den Namen so schwer merken kann.

    • nextkabinett schreibt:

      Fast tat sie mir ein bischen leid, als ich sie in Südafrika gesehen hatte, oder wo war das? Das heulende Elend … tja, aber richtig isses. Es ist ein Kreuz mit diesen Direktpromotionen … Man hat sie ja abgeschafft, damit nicht jeder Hinz und Kunz sich darüber einen Doktor erschummeln konnte. Deshalb gab es dann den M.A., das Staatsexamen oder Diplom vor jeder Promotionsabsicht … Direktpromotionen hatten Vorteile für wissenschaftliche Überflieger … Ingeborg Bachmann hatte damals auch direkt promoviert … In Österreich gab es nix anderes … Es gab dafür aber immer schon klare Zitierregeln von verwendeter Literatur. Und eigentlich war es immer Standard, die Sekundärliteratur zum Thema aufzuarbeiten, um die eigene These damit in Zusammenhang zu stellen, weiterzuentwickeln oder davon abzugrenzen. Und in einer geisteswissenschaftlichen Promotion war es immer Standard, sich mit den Werken der Primärautoren auseinanderzusetzen. Und jede Auseinandersetzung mit Primär- oder Sekundärliteratur als solche zu kennzeichnen. Mich hat das immer aufgeregt, wenn die Herrn Professoren bei ihren Lieblingsstudenten da sehr großzügig waren. Also summasummarum eine richtig perfide Schummelei von ihr. Sie hat es einfach damals nicht gekonnt und die Doktorväter haben es nicht gemerkt und/oder es ihr nachgesehen. Weg mit ihr als Wissenschaftsministerin …

      • mfis schreibt:

        Ja, so ein niedliches Mutti-Image hat sie schon. Könnte fast die Schwester von dem armen Onkel Führer sein, dem ja auch die schlimmsten Dinge vorgeworfen werden… dabei hat er so niedliche Pausbäckchen.

      • nextkabinett schreibt:

        Ja, da ist was dran. Professoren haben eigentlich nur wenige female student role models:

        1. die verruchten, frechen, kecken, agilen und intellektuell regen Studentinnen, Typus: Dichterin & Künstlerin

        2. die zarten, fragilen Rehleins, Typus: höhere Töchter

        3. die sanften, fürsorglichen, warmherzigen Studentinnen, Typus: geschwisterlich-schwesterlich

        Clevere Studentinnen bedienen bei ihren Doktorvätern eines dieser Images. Da fügt sich in der Regel sehr früh zusammen, was zusammen passt. Das erleichtert Studienabschlüsse in aller Regel sehr und hat erst mal gar nichts mit bloßem Sex zu tun. Denn meistens sind die Herrn Profs doch sehr g’schämig und so schnell lassen die sich nicht auf Affären ein. Zumindest nicht in den Geisteswissenschaften. Da geht es um’s Unbewusste, um’s Begehren usw.

      • mfis schreibt:

        Hmmm, interessant. Werde bei meinem nächsten Seminar mal bei den Studentinnen drauf achten…

      • nextkabinett schreibt:

        Tu das tun. Ich warte auf Erkenntnisse 😉

  2. carchili schreibt:

    Reblogged this on einheizradio.

  3. nextkabinett schreibt:

    Reblogged this on Rund um den Kabinettstisch und kommentierte:
    Zitat MfIS: „Der Beruf des Politikers ist neben dem Bergbau, der Schauspielerei und dem Kindersoldatentum einer der härtesten Berufe überhaupt.“

  4. Pingback: Schavans Geburt ungültig! | mfis

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