Ein kleiner Blick auf meine fränkische Heimat


Hier zu leben,
hier zu sterben
und die Kinder
hier beerben,
diese Stadt
hab ich nie satt,
wie ein Blinder
Iris Berben.

Ich sitze im Grünen und lausche dem beschränktem Zwitschern einheimischer Singvögel, während sowohl mein Blick über die Stadt, als auch der Stift übers Papier gleiten. Abwechselnd natürlich, ich bin schließlich kein Wunderkind. Die Flora ist fleckig wie ein faules Wachtelei, und sie riecht auch ein wenig danach. Ich könnte hier und jetzt – oder auch woanders und erst irgendwann – Dich, geneigter Leser, mit detaillierten Umweltbeschreibungen bombardieren, denke an eine mit Ästen, Laub und Hundekot gefüllte Stalinorgel. Doch was ich damit würde erklären wollen geht durchaus auch etwas effektiver, ja auf den Punkt gebrachter: Ende September, Schleierwolken, 14:50 Uhr.

Es ist ein Phänomen: Man sitzt im GRÜNEN (naja, grünbraun) auf einer PARKBANK, die frecher weise auch noch einen großartigen AUSBLICK über die schon weitaus weniger großartige Stadt bereithält. Gut, es ist eine altertümliche Stadt, eine Weltkulturstadt mit prozentual den meisten großen Kirchen aller Städte diesseits des Höllenhundes, dem unzweifelhaft staubigen Ruf eines kleinen Budapest in deutsch und – jetzt kommt’s – dem größten christlichen Deckengemälde im uns bekannten planetaren Raum. Lassen wir die Katze aus dem Sack: gemeint ist Würzburg, ein urfränkisches 96%-Neubaudrama (der Rest sind alte Kirchen), von hektohektohektoliterweise Betäubungsmittel produzierenden Weinbergen eingekesselt, wie seinerzeit die 6. Armee. Und, wie mir gerade auffällt, hat Würzburg selbst mit einem behinderten Mexikaner mit Hut die ein oder andere Ähnlichkeit. Auch der schaut schließlich von oben gar nicht mal so schlecht aus.

Wie bin ich eigentlich darauf gekommen? Ach ja, ich wollte mich über das neiderfüllte Gaffen vorbeiziehender Spaziergänger auslassen. So auf die Art vielleicht: niederträchtige Schweine, würden an jeder noch so feinen doch unbesetzten Sitzgelegenheit freudig krakehlend vorbeiministrieren…
„Hach ja, des Wandern…“
…wenn aber jemand auf eben erwähnter Gelegenheit sitzt, ich zum Beispiel, dann sagen ihre Blicke wenig feinfühligeres aus als:
„Neger, hau ab! Deine Straßenseite ist da drüben!“

Dazu ein Zitat von Max Beckmann (1884-1950):
„Und trotzdem ist mir jeder Mensch, als wäre er vom Orion heruntergefallen.“
Also wirklich! Aus seiner sicht müsste der Mensch erstmal vom Orion HERAUF fallen, um dann durchs Weltall zur Erde zu sliden, vielleicht per Anhalter, und DANN könnte er trotzdem nur vom HIMMEL heruntergefallen sein, denn alles was vorher war zählt höchstens als Herweg. Liese sich der Orionianer dagegen von einem interplanetarischen Fuhrunternehmen zur Erdumlaufbahn chauffieren, könnte Beckmann gerade noch behaupten, er fiele aus einem VOM PLANETEN ORION STAMMENDEN TAXI auf die Erde, aber soweit denken die Denker ja nicht. „Sinnlose Realbarmachung der unverstandenen Metapher, ein menschurtypisches Problem. Die Betonung des Zitates liegt auf ‚wäre‘,“ würde Beckmanns Galerist nun dagegenhalten. Stimmt: wäre! Genauso surreal wie hätte…

Und falls er doch direkt vom Orion geflogen kommt: den Aufschlag möcht‘ ich sehen.

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2 Antworten zu Ein kleiner Blick auf meine fränkische Heimat

  1. Pingback: Über die schöne Seele und Innere Schönheit ( ❧ 294) | Germanys next Kabinettsküche

  2. nextkabinett schreibt:

    Hat dies auf Germanys next Kabinettsküche rebloggt und kommentierte:
     
    ~¤٠※ʚįɞ•☼•ʚįɞ※٠¤~
     
    Germanys next Sommerpostkarten (117)
     
    ~¤٠※ʚįɞ•☼•ʚįɞ※٠¤~
     
    Hockst
    in an fremdn Land in Urlaub
    härst af aamol Frankn-Urlaut:
    „Du bläidi Kouh, gäih endli weidä.
    Aldi Drutschn…“ undsoweidä.
    Allmächt, mei Frankenspouch des is,
    wäi schäi däi klingt, wäi iis vämiss!
    (© Elfriede Bidmon,
    aus „Allmächt, des aanu“;
    Heiteres und Nachdenkliches in fränkischer Mundart,
    Genniges Verlag, Roth/Mittelfranken)
    Kleiner next Kabinettsküchenausflug in die Heimat des Minsters für Innere Schönheit. Habt recht viel Spaß dabei …

     
    ~¤٠※ʚįɞ•☼•ʚįɞ※٠¤~
     

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