Space Comercial Ship


Das Space Comercial* Ship ist ein nicht ganz topmodernes Raumschiff, dessen Aufgabe es ist, Waren und Folgeaufträge auf den weit im All verstreuten Welten an den Mann zu bekommen, die Frau oder was es da sonst noch so gibt. Hier nun ein kleiner Auszug, der den Halbmenschen an Bord beschreibt:

… Neben den schon erwähnten rosa Tangas und viel anderem modischen Schnick-Schnack, führten wir auch künstliche Gliedmaßen mit – ein Geschäft, das gerade auf den Planeten bestens funktionierte, die in der jüngeren Vergangenheit das Glück gehabt hatten, den reinigenden Prozess eines Krieges oder einer großen Katastrophe erlebt zu haben. Wir verkauften ihnen künstliche Arme und Beine mit Händen dran, aber auch Spezialprothesen wie Panzerbeine mit Ketten und integriertem Sitz, Schweizer Taschenarme, Musikinstrumente zum Anbau, deren Tasten oder Saiten wie die Finger einer Hand allein durch Nervenimpulse gespielt werden können, Rasenmäher, programmierbare Sexualorgane, Karosserie zum Angeben, Zeltsysteme zum Sich-in-Sich-Selbst-Einpacken für die etwas menschenscheuen Naturburschen und vieles mehr. Nun ist ein künstliches Gliedmaße so eine Sache, da möchte der Käufer schon wissen, was er hat. Und für diesen Zweck, um das Gliedmaße vorführen zu können, hatten wir den halben Menschen dabei. Er war vom Kopf bis zum Schritt in der Mitte durchgeschnitten worden, die rechte Hälfte hatte man entsorgt, die Linke wieder zugenäht. Auch vorne fehlten ihm ein paar Teile. Alle Schnittstellen waren nun mit Modulen versehen, die zum kurzzeitigen Anbau aller möglichen künstlichen Gliedmaßen dienten. Wurde er nicht gebraucht, hatte er nur eine Grundausstattung. So war es kein Wunder, dass unser Halbmensch von eher ängstlicher Natur war, dass ihm das gesunde Selbstbewusstsein der anderen Raumfahrer fehlte. Schließlich war er ja nur halb.

Und einige Seiten und fiktive Stunden später, in einem anderen Raum, beginnt der Halbmensch…

… „Klingt so la la,“ musste ich leider zugeben. Dr. Smythe nickte, doch wir beide sahen es positiv und sie freute sich als ich auf die Haustiere und Hausmädchen zu sprechen kam, und dass wir schon unseren Schnitt machen würden. „Den größten Ärger haben wir hinter uns,“ irrlichterte ich vor mich hin. „Ich wüsste nicht, was jetzt noch Schlimmes passieren sollte.“
In diesem Moment fiel eine zerfetzte Stoffkatze mitten auf den Rundtisch, an dem Dr. Smythe saß und den Planeten analysierte. Der Raum hatte eine hohe Decke, knapp um die fünf Meter, so dass die Katze beim Aufschlag auf den Tisch in einem Radius von über einem halben Meter um ihren erbärmlich verstümmelten Körper herum weiße Wollreste verstreute.
„Wha…!?“ entfuhr es Dr. Smythe. Zuerst fixierten wir die Katze, dann kam ein Lachen von der Decke: „Ha ha ha ha, die Katzzz!“ rief der Halbmensch von oben herab. „Haustiere verkaufen! Wir sollten ihnen Haustiere verkaufen! Aber keine Katzen, die gibt es nämlich nicht, die sind nur ein Gerücht. Wie wär’s mit Würmern?“ Er hatte sich unglaubliche neun Arme an die freie Körperhälfte montiert und kletterte wie eine wild gewordene Riesenspinne quer über die Decke.
„Was soll das!?“ rief Dr. Smythe erbost. „Bist du verrückt geworden?“
„Verrückt, verrückt – ist wem das Andocken missglückt!“ dichtete der Halbmensch und kletterte nun an der Wand herab, wieselte auf insgesamt zehn Armen und einem Bein, wovon ein Arm und ein Bein tatsächlich biologisch waren, über den nackten Boden, kam neben dem Tisch zum stehen, mit dem Körper parallel zum Boden und nicht höher als einen Meter, spannte alle echten und falschen Extremitäten an und stand mit einem Satz mitten auf dem Tisch, die Stoffkatze unter sich begraben, von der wir noch ein paar Tausend in Kisten aus Karbon verstaut in einem der Lagerräume hatten. „Hi hi hi hi,“ kicherte er vor sich hin und begann die Katze in tausend Stücke zu zerreißen. Wir sahen ihm recht fassungslos dabei zu, vor allem als er begann, sich die übrigen Reste in den Mund zu stopfen und genüsslich zu verspeisen. Dr. Smythe reagierte aber mit bedacht: „Halbmensch,“ sagte sie in freundlichem Ton, „wir wollten heute alle zusammen ein gutes Menue zubereiten und zur Entspannung einfach mal essen und dazu ein Gläschen Wein trinken. Wir sind doch alle unter großem Stress, da tut die Abwechslung mal gut. Iss also nicht zu viel von dieser Katze, damit du später nicht pappsatt bist.“ Das Angebot eines gemeinsamen Essens war gut, aber selbstverständlich frei daher gelogen. Einen kurzen Moment hielt der Halbmensch inne, fixierte Dr. Smythe als wolle er ihr mit seinem Blick das Gehirn verbrennen, dann lachte er laut auf, hüpfte mit dem Rest der Katze im Mund hin und her und verschwand schließlich in einem der Abluftschächte an der Decke, indem er hochsprang, sich mit drei oder vier Händen an einer der Rohleitungen festhielt und mit den übrigen das Abdeckgitter heraus riss, quer durch den Raum warf, so dass es scheppernd in einer Ecke liegen blieb, und sich dann gleich einer biomechanischen Kreuzung aus Spinne und Schimpanse in den Schacht warf, wo er unter argem Gerumpel und Getöse verschwand. Uns ließ er zurück, fassungslos, verwirrt und mit sichtlich schlechter Laune.

* stimmt schon, mit nur einem M

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