(Versuch einer) Filmkritik – Sunshine (2007)


Da kam Frau Dingens, die alte Floskel, des Weges und grüßte mich höflich. „Guten Tag, der Herr,“ florierte sie und wedelte mit den Armen. Sie wedelt immer mit den Armen, wenn sie etwas zu sagen hat. Sie sagte also: „Denken Sie, gestern Abend hab ich mir mal wieder einen Film angesehen. Wow!“
„Aha.“
Sunshine!“
„Aha.“
„Von Danny Boyle!“
„Danny…“ Ich überlegte. Ich kam nicht ganz drauf, aber das Lied musste ungefähr so gehen „Ooh-Ooouu Dääääääännyyyyy Booooiiiiiii…“ wie ich es Frau Dingens nun vorsang. Sie versteinerte. Anscheinend hatte sie das Lied noch nie gehört.
„Was war denn das!?“
„Das ist von Air. Ich glaube es heißt Danny Boy.“ Worin ich mich täuschte.
„Wer?“ Ihre Versteinerung machte einen Satz. „Kenn‘ ich nicht.“
„Na, überlegen Sie doch mal…“ und während sie überlegte „…ooouu Dääääääännyyyyy Booooiiiiiii, tamtamtamtamtamtam… ne, das ist jetzt Also sprach Kamasutra, oder so.“ Dann erzählte mir Frau Dingens, dass sie gestern Abend diesen Film gesehen hätte und dass ich mir den auch ansehen sollte und sie eilig weiter müsse. Hurtig! Sie sei ja nur eine Floskel. Und so ergab ich mich des Abends meinem Schicksal.

Sunshine beginnt mit der Sonne, was vom Titel her durchaus Sinn macht. Sphärische Musik steigt auf, glaube ich mich zu erinnern, und dann sitzt ein Typ in einem Raumschiff, der Ikarus II, und nimmt ein Sonnenbad. Die Ikarus ist gut gemacht, wenn auch für meinen erdolchten Geschmack zu sehr aus dem Computer generiert. Das mag ich nicht, das macht aber auch nichts. Vor allem ist die Raumschiff-Konstruktion was wert, denn die Ikarus ist kein normales Raumschiff. Warum, das ist hier wie auch im Film schnell erklärt: Unsere Sonne stirbt, die Welt vergeht. Der Plan ist es, eine gigantismé Sprengladung in die Sonne zu befördern, um sie wieder zum lodern zu bringen. Keiner weiß so genau, wie das funktioniert, das ist bei den halbdimensionalen Charakteren aber nicht wirklich verwunderlich (von Freddy Krueger 2.0 ganz zu schweigen, der später auch noch auftaucht.) Das Raumschiff hängt hinter einem pilzförmigen Hitzeschild, was soweit logisch ist. Auf die Dialoge möchte ich nicht eingehen, da sie, wie die gesamte Akustik, zwar toll gemacht aber furchtbar nervtötend und farblos und ideenlos und flach sind. Selten macht eine Doku zum 11. September oder meinetwegen Schlag den Raab soviel dumpfes Getöse wie das Weltall in Sunshine, wenn ein Stahlträger das Schiff umkreist. Aha, Getöse im Weltraum. Mit sphärischen Klängen unterlegt, die allesamt nicht wirklich gut sind. Oho. Zum Glück gibt’s noch die goldenen Raumanzüge…

„…jaja, Frau Dingens, das mit den goldenen Raumanzügen fand ich gut, das hatte was.“
„Oh, ja, die sahen klasse aus!“
„Mhm, ja, die hätten zum Wüstenplaneten gepasst. Und ziemlich vernünftig, denke ich. Gold gegen extrem starke Hitze. Es schmilzt ja nicht so schnell, ich weiß nicht ob es die Hitze durchlässt oder mildert.“
„Abmildert, der Herr, abmildert.“
„Man kann auch mildert sagen.“
„Nein.“
„Doch. … Kann man.“

Und am Ende leuchtet die olle Glühlampe auch wieder. Ganz übler Ausreißer nach unten, werter Danny Boyle.

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