Revenge of the Sandmännchen!


Da sitze ich nun in meinem nächtlichen Kuschelbettchen, der Sandmann klopft und hämmert an die Tür, doch ich kann ihn nicht hereinlassen. Es geht ihm bestimmt nicht gut – da draußen, so nahe an Frankfurt, wo sich die Straßenschlachten zwischen vermummten Zivilisten und vermummten Polizisten mit denen um das letzte Bröckchen Heroin die Klinke in die Hand geben. Die Klinke zum Waffenladen, wohlgemerkt, beziehungsweise die zum Leben nach dem Tode. Außerdem ist das mit dem Sandmännchen in der Realität beileibe nicht so romantisch wie im Fernsehen. Ja selbst im Ost-Fernsehen war das Sandmännchen romantischer. Aber nein, meine Freunde, da muss ich Eure kindliche Naivität zersplittern wie eine Buntglasscheibe auf dem Schlachtfeld der Ehre, so unendlich leid es mir auch tut: Das Sandmännchen hat einen ganz harten Job und üblen Zeitdruck. Es mag die Menschen nicht, sondern ist froh um jeden, der, die oder das ihm vom Gevatter tagsüber weggesenst wird. „Puh, einer weniger!“ denkt es sich dann. Und wenn gerade irgendwo ein übler Bürgerkrieg ansteht, ein kräftiger Tsunami oder eine Grippewelle Spezial, dann hat es zwischendurch vielleicht sogar die Zeit für einen Kaffee. Aber nur für einen. Und nur vielleicht.

Leider muss ich noch eine Datei formatieren. Das wäre jetzt nicht weiter schlimm – oder nur bedingt schlimm, immerhin handelt es sich dabei um notwendige PC-Bürokratie – wäre es nicht eine Filmdatei. Das ist dann schon eher schlimm, denn Filmdateien sind sehr groß und konvertieren mit der Geschwindigkeit eines mittleren Verwaltungsbeamten um die Mittagszeit. Aber so lange das dauert muss das Sandmännchen eben warten, so sehr es pochen mag, so sehr es seinem Zeitplan hinterher hinkt. Das Geklopfe nervt langsam, ich kann nur hoffen, dass das Sandbürschchen vor meiner Tür nicht auf die Idee kommt, den Gevatter zu schicken, nur weil es der ganzen Warterei satt ist. Denn dann wäre ich richtig sauer, das bekäme der Gevatter schon zu spüren.

Doch was passiert mit einer Welt, in der Gevatter Tod mit mehreren Knochenbrüchen wochenlang im Krankenhaus liegt und keiner ihn vertritt – also keiner stirbt? Wenn man sich die Weltbevölkerung so anschaut ist das Sterben doch sackwichtig für uns. Die Welt, die platzt ja so schon aus allen Nähten! Was soll dann passieren, wenn die täglichen 25.000 Hungertoten*, die 4.000 Opfer von versautem Trinkwasser, die 13.000 Raucher, die 7.000 hessischen Alkoholiker, die 3.000 Selbstmörder aus Brandenburg, sowie der ganze unscheinbare Rest an Kandidaten für die Kiste einfach mal so am Leben bleiben, Busse verstopfen, auf Rolltreppen rumstehen, OP-Tische blockieren oder gar das Bundespräsidialamt? Eine grausige Vorstellung – da hat man seinen alten Feind endlich vor der Flinte, die olle Sau, und kann ihn nicht über den Haufen knallen, weil der Gevatter in der Klinik liegt und an gebrochenen Gebeinen laboriert. Da muss nicht mehr die halbe, nein die ganze Welt muss hungern, doch wie schwerwiegend der Hunger auch sein mag, er wird nur schlimmer, dran sterben tut keiner mehr. Soldaten werden unsterblich, Oma lässt von ihrem Erbe nicht, der Bestatter gräbt aus lauter Not die alten Toten aus, klaut ihnen den Silberschmuck und bestattet sie von Neuem. Ganz festlich. Und warum? Nur, weil ich das Sandmännchen nicht reingelassen hab.

Verdammte Schlafbrille, sollte ich tatsächlich einen ausgedehnten Schlaf der ausgedehnten Arbeit vorziehen? Habe ich dadurch das momentane Gleichgewicht erhalten? Macht mich das Formatieren gar zum Mörder? Oder handelt es sich dabei nur um unterlassene Hilfeleistung? Oh man, Fragen über Fragen, Klopfgeräusche über Klopfgeräusche, Adrenalin schießt durch meinen Körper, kalter Schweiß tritt auf die Stirn…

Na ganz toll, jetzt kann ich nicht mehr schlafen. So was nennt man dann wohl selbsterfüllende Prophezeiung!


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*darunter 13.000 Kinder, die uns besonders lange auf die Nerven gehen würden

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2 Antworten zu Revenge of the Sandmännchen!

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