Das Grauen auf der Schwelle


… Währendbei da rührt es eifrig
in dem Kessel auf dem Feuer,
rührt und murmelt, murmelt, rühret,
ja, beschwört: ein Ungeheuer!

Und nach dunklen, heißen Stunden,
ganz verklebt ist’s mitlerweile,
steigt ein Wesen aus dem Kessel,
fragt: „Hey-ho, was soll die Eile?“ …  (s.u.)

… Noch ein feiner Strahl an Sonne kommt über die Bäume, noch ein paar Worte, sinnloses „Auf Wiedersehen, schöne Welt!“ dann – er hält mich eng umklammert – wird er das Blut dieses Menschen trinken und seinen Leib verspeisen. Ich weiß es, denn er hat sein Kochgeschirr schon aufgestellt. …

Lesung mit Leber – das Grauen auf der Schwelle
20. Oktober 2011
20:30 Uhr pünktlich! (sonst wird die Leber kalt)
Alexander The Great, Mainz
Eintritt frei!


szenische Lesung bei Leber und Rotwein

 

Man nehme Gustav Mahler und gehe jeden Vokal und jeden Konsonanten im Alaphabet um eins nach oben…

Hatvew Nekmiş (bzw. Nejmiş)

Der Kesselkobold

 

I

Einst saß zu Haus, vor siedend Kessel | ein so armes, krank’s Figürchen,

hatt‘ nur eine Kerze an und | abgeschlossen hatt’s das Türchen.

II

Es murmelt‘ seltsam fremde Silben | alt, aus andrer Dynastie,

murmelt‘ mit dem Finger folgend | so vermurmelt‘ es sich nie.

III

Währendbei da rührt es eifrig | in dem Kessel auf dem Feuer,

rührt und murmelt, murmelt, rühret | ja, beschwört: ein Ungeheuer!

IV

Und nach dunklen, heißen Stunden | ganz verklebt ist’s mitlerweile,

steigt ein Wesen aus dem Kessel | fragt: „Hey-ho, was soll die Eile?“

V

„Krank bin ich, und todgeweiht,“ | sagt’s Figürchen, rot die Ohren,

und der Schweiß, mal kalt, mal heiß | schießt aus all den seinen Poren.

VI

„Krank, mein Freund, was soll ich tun? | Soll ich Dich zum Doktor bringen?

Soll ich Dir an Deinem Bette | gar ein süßes Liedlein singen?“

VII

„Nein, oh nein, ich hätt‘ doch nicht,“ | gibt’s Figürchen eilig wider,

„Dich beschworen, dunkles Wesen | aus des Teufels Mutters Mieder,

IIX

nur um mir ein Lied zu singen | heißen Ingwertee zu bringen, neeiinn,

mich graust es, bald zu sterben | so lasse mich unsterblich werden.“

IX

„Unsterblich?“ lacht das dunkle Wesen | während’s überm Kessel schwebet,

„fragt mich einer, der ansonsten | zu dem heilig Herrgott betet?

X

Ha! Das soll Dich ernst was kosten | dieser Wunsch ist ausgewachsen,

Deine Seele soll im Zweifel | mir gehören, keine Faxen!“

XI

Ein Sekündlein guckt’s Figürchen | auf den Deibel über’m Brodeln,

dann beginnt’s wie völlig irre | freudig „Ja! Oh ja!“ zu jodeln,

XII

sagt dem Deibel, was auch immer | er sich wünscht sei ihm genehm,

er soll es sagen, er soll bleiben, alles locker, kein Problem!

XIII

„Gut, mein Junge, diese Brühe | voller Kinderaug‘ und -Arm,

trink sie aus, ein jeden Tropf‘ | die nächste Stund‘ noch ist sie warm.

XIV

Hast die Brühe leergetrunken | wirst, mein Freund, unsterblich sein,“

rief der Deibel zum Figürchen | dreht‘ sich um und kehrte Heim

XV

(meint)

XVI

Kaum gesagt, war er verschwunden | nur ein kleiner Blitz und weg

war der durch die Brüh‘ beschwor’ne | böse Geist – dies Sakrileg!

XVII

Unser Figürchen trank das Bräu | wie befohlen, auf den Tropfen,

ein Gemisch aus Blut und Eiter | nicht aus Malz und nicht aus Hopfen;

XIIX

Und als der letzte Schluck getilgt | als der Kessel leer und trocken,

– pflopp! – da tat statt uns’rem Freund | ein Pilz in finst’rer Stube hocken.

|

Und die Moral von der Geschicht‘?

|

Der Pilz, der kennt das Altern nicht.

 

 

 

 

 

Hatvew Ahmashş Nekmiş

*1817 in Schwechart, Niederösterreich

ungarischer Journalist und Übersetzer

+1903 in Windischgrätz, Ungarn

Der Kesselkobold (1899) übersetzt von Alessandro & Francesco Binomi

 

 

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