Planet der Moneten – Zwischenspiel


Planet der Moneten – Live-Hörbuch mit Puppen
Open Ohr 2011 / Filmkeller
Sa 11.06. um 19 Uhr
So 12.06. um 19 Uhr
Mo 13.06. um 13 Uhr

Der Text befindet sich in Arbeit (Endphase, olé!) und enthält kleine, relativ unabhängige Zwischensequenzen. Hier eine davon:

_____

Das Weltall. Unendliche Breiten… Höhen… und Tiefen. Nur dort dehnt sich das Nichts in alle Richtungen des dreidimensionalen, erfassbaren Raums. Wenn man sich sehr weit auf einer der Achsen fortbewegt, soweit, dass man das Dehnen in jene Richtung erfahren kann, hört man es quietschen wie ein überspanntes Gummiseil. Ja, das Weltall quietscht. Und es ist das Nichts, das dieses Geräusch erzeugt.
Aber genug davon, nun möchten wir uns auf die Erde zu bewegen. Unter Jupiter hindurch getaucht, einer Hyperbel folgend in einen Asteroidenschwarm hinein, der einem Schwarm von Fischen ähnlich unsere Bewegung kreuzt. Es ist der Gürtel zwischen den Inneren und Äußeren Planeten, und nicht einen Zehnten so dramatisch, wie man sich es vorstellt. Vier-hundert-tausend Objekte umfasst der Gürtel; bei einem Durchmesser von gut drei wahnwitzigen Längenmaßen ist er wahrlich nicht besonders eng geschnallt. Wir blicken nach links, sehen einen Punkt weit fort im All verschwinden. Vielleicht ist es Ida und Dactyl oder Paracelsus oder Balaton, aber wer kann das schon wissen. Überhaupt, wer will so etwas wissen? [Bei „Ich!“: Sag ich Dir später (Ida und Dactyl)]
Wir rasen weiter. Es ist kalt und leer. Altes Sternenlicht kämpft gegen tiefste Dunkelheit. Es ist ein aussichtsloser Kampf, ähnlich dem der Gier gegen sich selbst. Ja, die Romantik der Raumfahrt ist eine sehr einsame. Aliens gibt es oder gibt es nicht, doch der arme Raumfahrer, der nach ihnen sucht, nach langer Reise wird er nur einem fremden Wesen begegnen – dem alten Kerl im Spiegel. Dann blickt er wieder trostlos aus dem Fenster, wo er keine Berge, keine Wälder, keine Meere sieht, sondern das lachende, schwarze Unheil aus Phantasien. Und wenn er lauscht hört er im Kosmischen Rauschen die struppigen Haare des Gmork, wie sie sich an den Galaxien reiben. Und immer weiter fliegen wir, geradeaus, geradeaus, geradeaus…
Plötzlich kommt uns Phobos höllisch nahe, der eiförmige Mond des Mars. Er ist so nahe, dass wir die kleinen, flachen Krater erkennen, und diese ungewöhnlichen Einkerbungen, die erscheinen, als wären über Phobos riesige Dukaten gerollt, als er noch lehmig gewesen war. Und es mag sein, dass Geld ein außerirdischer Aggressor ist, Dukaten, Dollars, Rupien, Dinare, Pfennige und all die anderen Geschlechter. Es mag aber auch ein himmelschreiender Unsinn sein, den ich Euch erzähle.
Phobos lenkt uns ab, er zieht uns etwas aus der Bahn. Wir spüren die Gravitation des Mondes an unseren Körpern zerren, doch bevor es rummst, sind wir wieder frei. Wir zischen durch ein wahres Nichts an Schwebeteilchen, manche Mikrometer groß, manche zehn-tausend Kilometer. Es ist sehr angenehm, so vor sich hin zu zischen, und wir schließen die Augen und lassen geschehen, was geschehen soll.

Lange geschieht nichts.

Sehr lange.

Dann klatscht uns eine Dollarnote ins Gesicht. Irgend ein betuchter Astronaut hatte sie aus der damaligen Raumfähre geworfen, um sich und dem Urplöpp irgend etwas zu beweisen. Vielleicht, so hatte der Astronaut überlegt, ist das Universum käuflich. Das war es nicht, vor allem nicht für einen Dollar, und er und seine sechs Kollegen waren beim Wiedereintritt in die Atmosphäre jämmerlich verglüht. Nur ein Lichtblitz, dann waren sie fort.
Wir öffnen die Augen, vor Schreck und Schmerz. Wir sehen nur Dunkelheit. Nachdem wir aber den Dollarschein von unseren Augen entfernt haben, strahlt und bläut die gute, pleite Erde wie eine drogeneingeflöste Erscheinung. Der Mars ist vertrocknet, Venus und Merkur ebenfalls, Saturn und Jupiter sind aufgebläht, selbst die kleinen, Neptun und Uranus, tun es ihnen nach. Es ist eine traurige Familie, deren einziges Licht neben der Sonne die Erde ist – der Diamant im Hasenkot. Und in sie stürzen wir hinein, einen Dollar in der Hand.
Es wird heiß, urplötzlich, dann tritt ein fürchterliches Brüllen auf. Das Brüllen wird immens, die Hitze brennt, wir sind eben in die Mesosphäre eingetreten. Wir bremsen ab, schweben nun mit wenigen Stundenkilometern dem Erdboden entgegen. Erde, Boden, Grund; lange Zeit waren wir nicht mehr zu Hause. Wir läuten. An der Tür erwartet uns, mit schiefem aber herzlichem Lächeln, das wohlige Gefühl des Erkennens. Ja, dies ist die Erde, so riecht sie, so schmeckt sie, so zieht und zerrt und drückt und füllt sie Körper, Geist und Seele. Wir begegnen einem Adler, erst schwebt er unter uns, im nächsten Augenblick ist er schon vorbei. Und wieder haben wir eine Begegnung mit dem Geld! Tausende Yen flattern im Formationsflug in der Nähe. Wir fliegen nicht durch sie hindurch, doch als wir sie passieren, einen Sekundenflug entfernt, wechseln sie die Richtung und stürzen sich mit uns in die Tiefe. Sie sind Jäger, haben ein geschultes Auge. Irgendwo auf der Steppe, die nun erkennbar wird, muss ein armes Menschlein sein, das sie erlegen und verspeisen mögen. Sollen sie nur, der Unvorsichtige wird nun mal vom Geld vernichtet, das war schon immer so. Wir denken an immer.

Wir haben zu lange gedacht. Wir waren zu lange im All und hatten uns zu sehr an die dort herrschende Zeitlosigkeit gewöhnt. Wir sind zu Träumern geworden, denn dort draußen gab es nichts für uns als Tagträume und Träume. Deshalb krachen wir recht unsanft, einen Dollar in der Hand, mit dem Gesicht voran in einen Haufen Mist.

_____

Ein paar kursiv sind beim copy’n’paste verloren gegangen, mit Kommas komm ich immer noch nicht klar. Ich hoffe es hat trotzdem geschmeckt.

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4 Antworten zu Planet der Moneten – Zwischenspiel

  1. der_emil schreibt:

    Wenn Du magst, kann ich am Sonntag mal nach den Kommata schauen – ja, zwei oder dreimal hat mich ihr Fehlen/Vorhandensein gestört 😉

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